special:
THE MISSION 13.10.2003 - Berlin, K17 - "And the dance goes on
"
Bevor ich WAYNE HUSSEY und seine Mannen von THE
MISSION so würdige, wie sie es nach diesem furiosen Konzert verdienen,
sind leider ein paar kühle Worte zum Veranstalter, dem Veranstaltungsort
und der seltsamen Türpolitik zu sagen. Es ist unglaublich, welchen
Scheiß man über sich ergehen lassen muss, wenn man in ein Konzert
will.
Auf den Tickets stand als Beginn 20.00 Uhr vermerkt. Gegen
19.00 Uhr sammelten sich auch die ersten Gäste in eiskaltem Herbstwind vor
dem Gebäude. Ohne weitere Worte der Erklärung hieß es
rüde: "Einlass 20.00 Uhr!" Frierend verstrich für die etwa 250 Leute
das "akademische Viertel", bevor es 20.15 endlich rein ging. Das K17 ist ein
Fabrik/Bürogebäude mit dem Charme eines Plattenbaus. Ebenerdig ist
ein großzügiger Raum mit Bar, THE MISSION sollten in der
zweiten Etage spielen. Statt nun nach oben gelassen zu werden, lotste man die
Leute in die Bar: "Beginn erst 22.00 Uhr, vorher ist unten Modenschau!" Wer auf
moppelige Mädchen in bemüht gruftiger Garderobe verzichten wollte,
konnte nur das "Angebot" annehmen, draußen weiter zu frieren. Gnade oder
späte Einsicht machten dann gegen 21.15 den Weg zur Bühne frei und ab
da konnte sich die Vorfreude ungehindert entfalten
Der relativ kleine Saal fasste die etwa 250 Leute, ohne
große Enge aufkommen zu lassen. Trotz architektonischer
Unzulänglichkeiten war die Atmosphäre beinah familiär, die
winzige Bühne ließ jede Distanz schwinden. Berlin war die erste
Station der diesjährigen Herbst-Tour durch Europa, und so lag die Latte
der Erwartungen hoch. Gut gelaunt und mit Rotwein vorgewärmt betraten
THE MISSION relativ pünktlich die Bühne. Nach dem Crash der
letzten Combo und zeitweiser Solopräsenz hat WAYNE HUSSEY eine komplett
neue Besetzung um sich gescharrt. Die neuen Missionare im Dienste des Meisters
sind: Rob Halliday (Gitarre), Ritchie Vernon (Bass) und Steve Spring am
Schlagwerk. Und die vier ließen es von Beginn an richtig krachen. Selten
habe ich so großzügig über den etwas breiigen Sound
hinweggehört und war augenblicklich gefangen von der Energie der Jungs.
WAYNE HUSSEY, mit rotem Kurzhaar, blauem Shirt und rotem Adler und der
unvermeidlichen Sonnenbrille, zerrte das Publikum regelrecht in seinen
Bannkreis. Bereits bei "Crystal Ocean" ließ er ganze Passagen von
den Fans singen, badete sichtlich erfreut im Jubel und der Wärme, die ihm
entgegen schlugen. "Evangeline" wurde zu einer wahren Schlacht vor und
auf der Bühne: Unverbraucht, kraftstrotzend und sehr beweglich gaben sich
die Musiker. Der Funke sprang problemlos auf das tanzende Volk über.
Unterbrochen von witzigen Kommentaren, tiefen
Zügen aus der Flasche preiswerten Rotweins und Neckereien mit Leuten vor
der Bühne brannten THE MISSION ein wahres Feuerwerk ab. Ein
über die Maßen aggressives "Serpents Kiss" war sicherlich
einer der Glanzpunkte in einem beinah durchgängig rasant besetzen ersten
Set. Die Hymne "Severina" blieb gesanglich wegen verreckendem Mikro fast
ganz den Fans vorbehalten. Die charismatische Stimme HUSSEYS hatte manchmal
ernste Probleme, sich in dem kleinen Raum zu entfalten, was der Spielfreude und
der puren Lust am Zuhören keinerlei Abbruch tat. Performance und Stimmung
bei "Wasteland" und "Tower of Strength" sind einfach nicht zu
kommentieren - hier zeigte sich deutlich, wie dicht Erwartung, Anspruch und
Erfüllung nebeneinander lagen. Mit dem ruhigeren "Daddy´s going
to heaven now" war das offizielle Set beendet.
Die erste Zugabe
begann mit einem erfreulichen Griff in die musikalische Mottenkiste. Mehrfach
lautstark gefordert gab es eine krachende Solovorstellung vom Stooges-Klassiker
"1969". "Butterfly on a wheel" und "Beyond the Pale"
komplettierten das erste Zugabenset, und immer noch wirkten die Jungs
spielfreudig, frisch und munter. Erfreulich kurz hielten THE MISSION die
Pause zwischen den beiden Zugabeblöcken. Wütend, laut und rasend
zelebrierten sie "Sacrilege". An Wucht und Intensität standen
THE MISSION ihren Kollegen von THE CURE bei deren "Kiss"-Darbietung auf
der "Trilogy" in absolut nichts nach. In den Sturm des Beifalls hinein stimmte
WAYNE
HUSSEY mit "Deliverance" den letzten Titel des
Abends an. Hier gelang eine kollektive Verschwörung zwischen Band und
Publikum, wie sie selten zu erleben ist. Vereint, einander die Arme
entgegengestreckt, erlebten Fans und Band die erlösende Befreiung. Die
Mission war erfüllt. Sichtlich bewegt, glücklich und ziemlich
schwankend trat WAYNE HUSSEY von der Bühne ab.
In neuer Besetzung
haben THE MISSION bewiesen, dass sie noch immer zu den ganz Großen
gehören, wenn es um Intensität, Kraft, Emotionen und Zauber geht. Was
fehlte, waren die sonst üblichen musikalischen Verweise auf seine Zeit bei
den SISTERS OF MERCY - für mich stehen sie aber sowieso weit über
ihnen, da braucht es das Herabschauen nicht unbedingt.
Trotz
erheblicher Unfreundlichkeiten und unnötigen Winkelzügen der
Veranstalter im K17 war dies ein standesgemäßer und gelungener
Tour-Auftakt. Jedem sei ein Besuch dringend ans Herz gelegt.
Daniel "Bela" Bartsch für
GothicWorld
Erstes Fotos vom 13.10. (© Lynn
Muollo) Zweites Foto von Barbara Stiller für
www.and-the-dance-goes-on.de restliche Fotos aus dem
Festival-Archiv
Playlist:
Intro Crystal Ocean Evangeline Grip of Desease Slave to
Lust Serpents Kiss Severina Belief ? Trophy Tower of
Strength Wasteland Daddy´s going to Heaven now - - -
1969 (solo) Blood Brother (solo) Butterfly on a Wheel Beyond the
Pale - - - Sacrilege Deliverance http://www.themissionuk.com |