special:
ANTIMATTER & AUTUMNBLAZE
(unplugged) 11. November, Karlsruhe,
...
"Mehr unplugged geht
nicht!"
Kennt ihr das? Ihr
kommt in einer kalten Herbstnacht nach langer Autobahnfahrt endlich am Ort des
Geschehens an, und kein Auto auf dem Parkplatz, keine Leuchtreklame an und kein
schwarze Menschenseele in Sicht! Doch dort steht eine fröstelnde Gestalt
vor der verlassenen Katakombe und erklärt uns, daß das Konzert mit
AUTUMNBLAZE und ANTIMATTER kurzfristig verlegt werden musste. Nun den machten
wir uns auf zu ... wie hieß nochmal gleich der Laden?
Völlig
egal, denn der Laden war ein unglaublich riesiges Fressrestaurant und
zufällig war noch irgend ein kleiner Nebenraum frei, in dem das Event nach
dem Eklat mit dem geplanten Veranstalter nun stattfinden sollte. Tische wurden
einigermaßen zur Seite geschoben und immerhin ist nun nett bestuhlt und
das Bier aus eigener Brauerei schmeckte auch nicht übel.
Das Ganze
verzögerte sich natürlich, um den verstört in Karlruhe
umherirrenden Besucher etwas Zeit zu geben, aber als so 30 auffällig
dunkelgekleidete Gestalten sich eingefunden hatten (mehr hätte der Raum eh
nicht gefasst) ging es dann endlich los mit der unter diesen Umständen
etwas improvisierten Unplugged-Show.
AUTUMNBLAZE mussten auf
Grund der Örtlichkeiten leider komplett auf die Unterstützung ihres
Drummers verzichten und spielten ihre Songs nur mit Gesang, zwei Gitarren und
Akustik-Bassgitarre, ebenfalls alles unverstärkt. Besonders der Bass war
deshalb oft schwer wahrnehmbar und auch die Stimme ging hier und da im
Geschirrgeklapper des Restaurantbetriebes leider etwas unter. Das lag aber
keinesfalls an AUTUMNBLAZE und deren Darbietung, ANTIMATTER
beteuerten mir im anschließenden Gespräch den gleichen Frust.
AUTUMNBLAZE werden aber in Kürze mit "The Mute Sessions" ein
Akustik-Album veröffentlichen, mit dem sich die hier vorgetragenen
Gänsehaut-Balladen ins heimelige Wohnzimmer holen lassen.
ANTIMATTER haben aus der ganzen Misere erst mal das Beste
gemacht und sich mit dem erlesenen Whiskey-Angebot der ungewöhnlichen
Location getröstet und haben dann ganz locker den schnöden Nebenraum
mit dem Zauber ihrer Songs erfüllt. Songs wie "Over Your Shoulder"
oder "Going Nowhere" aus ihrem Erstwerk "Saviour" hätten
auch im Kebabladen an der Ecke gewirkt! Zwischendurch entlieh man sich Markus
B. von AUTUMBLAZE als Zweitstimme (hätt ja fast gesagt als
Backgroundsängerin ;-), neben Aktusikversionen aus dem aktuellen Album
"Lights Out" gab es sogar zwei neue Songs (u.a. "Epitaph"), die
schon zum geplanten 2004-Release gehören. Ein grandioses Duo, Mick Moss
mit Samtstimme und der ehemalige ANATHEMA-Bassist und Songwriter Duncan
Patterson, die sich gewiss selbst auch bessere Umstände für den Abend
gewünscht hätten, aber es eben nehmen wie es kommt und das Beste
draus machen.
Nachdem Konzert stärkten sich die beiden erstmal mit
"Gigantenschnitzel" und blutigem Steak und gaben dann ein paar erklärende
Auskünfte.
GW: Duncan, war
ja ein verrückter Abend, ging das die ganze Tour so?
Duncan: Nein, sowas wie heute hab ich glaub ich
auch noch nie erlebt, aber wir hoffen es hat den Leuten trotzdem ein wenig
gefallen. Sorry, mehr unplugged geht nicht!
Mick: Höchstens wir spielen nackt!
(allgemeiner Lachanfall) GW: Nun
ja das war nun bestimmt nicht die optimale Athmosphäre, aber ich hab den
Spirt jedenfalls gespürt, den Eure Songs verströmen und ich denke,
den meisten Leuten hier ist es ähnlich ergangen. Im Vergleich mit Euren
klanggewaltigen CD-Produktionen liegen ja Welten dazwischen. In welcher Welt
fühlt Ihr Euch am wohlsten, im Studio oder auf solchen Bühnen wie
naja hier halt?
Duncan: Ich bin
hier genau so gerne unter den Menschen, wie im Studio wo wir uns isoliert mit
der ganzen Technik beschäftigen. Unsere Songs entstehen oft aus solchen
Momenten, auf Akustikgitarren insofern fühlen wir uns hier schon wohl, die
Umsetzung zum Album ist eben auch ein Stück harte, oft trockene Arbeit.
Mick: Es ist das selbe wie der
Vergleich, jemanden ein Stück auf der Gitarre vorzuspielen, oder ihm die
neue CD auf einer 1000-Watt-Hightech-Anlage vorzuspielen. Wenn nun der
Zuhörer ein hübsches Mädchen wäre, mit was würd ich
sie wohl eher rumkriegen? GW:
Die Antwort liegt wohl auf der Hand, also anders gefragt, mögt ihr eher
die größen Gigs bei denen ihr vor großem Publikum alle
Register ziehen könnt, oder eben diese kleinen, intimen
Unplugged-Geschichten hier?
Duncan: Ehrlich gesagt, sehen wir ja nicht gerade
wie die Vorzeige-Popstars aus und somit ist unser Weg sowieso eher der, uns zu
ermöglichen in Ruhe unsere Musik machen zu können und ab uns zu
einige Leute daran teilhaben zu dürfen. Wir mögen diese keinen,
ehrlichen Shows ohne großes Trara wirklich viel lieber, selbst nach einer
Nacht wie dieser, hehe! GW: Und
wie waren nun die genauen Umstände zu diesem ungewöhnlichen Abend
hier?
Duncan: Das ist ein Ding
zwischen Prophecy und dem Veranstalter, da wollen wir uns bestimmt nicht
einmischen. Wir haben unsere Show gemacht und unseren Spaß gehabt. Uns
war ja auch klar, daß wir hier jetzt nicht das große Publikum
ziehen, dazu kennen einfach zu wenige unsere Alben. Die Leute die hier zu
unseren Unplugged-Shows kommen, kennen immerhin zu 99% unsere Platten und wir
genießen dann einfach zusammen die Melodien, that´s all.
GW: Okay, kurz auf Eure aktuelles
Album "Lights Out" zu sprechen zu kommen, würden mich Eure
Beweggründe zu soviel erdrückender Schwermut und Düsterheit im
Vergleich zu dem Erstwerk "Saviour", daß ja voll Ehrhabenheit ja nur so
krachte, interessieren.
Duncan:
Wir waren einfach in der passenden Stimmung, diese Seite von
ANTIMATTER deutlicher werden zu lassen. Ich empfinde den Unterschied selber gar
nicht so groß, vielleicht ist "Lights Out" wirklich ein wenig resoluter
und gnadenloser aufs Wesentliche reduziert, okay. Mick: Wenn wir die Songs schreiben, spiegeln sie
unsere momentane Gemütsverfassung wieder. Die ist eben mal oben mal unten,
wie bei jedem von uns. GW: Wie
entstehen Eure Songs? Zusammen, oder komponiert ihr jeder für sich im
Kämmerchen?
Mick: Wir leben
ja ein paar Kilometer voneinander getrennt, somit hängen wir uns zum
Glück nicht permanent auf der Pelle (lacht). Wir treffen uns immer, wenn
einer neue Ideen hat, ... Duncan:
... also ständig! Mick:
... öfters! Duncan:
... manchmal? Mick: ...
und dann spielen wir uns unser Zeug vor und manchmal wird auch was draus,
oder? GW: Das will ich doch
meinen! Heute abend gabs ja auch schon neue Songs zu hören. Sind die aus
dem nächsten ANTIMATTER-Album?
Mick:
Ja, "Epitaph" wird auf jedenfall aufs neue Album kommen. Wir wollen
im Frühjahr nächsten Jahres die Recordings beginnen. Weitere Songs
die schon definitiv sind: "A Portrait Of The Young Man As An Artsit", "Full Of
Fear" und "Fighting For A Lost Cause". Duncan:
Eventuell werden wir zuvor aber noch weitere Konzerte geben und
gerade haben wir in Dublin den DEAD CAN DANCE-Klassiker "Black Sun" für
ein Tribute-Album gecovert. THE GATHERING, TRAIL OF TEARS und ULVER werden auch
mit dabei sein. Aber Genaueres steht noch nicht fest. Schaut alle einfach immer
auf unserer Homepage oder hier in der GothicWorld vorbei, da gibts in
Kürze mehr darüber zu erfahren. GW:
Danke für den Werbespot! In welche Richtung wird das neue
Album gehen? Düster wie "Lights Out" oder eher wie "Saviour"
war?
Duncan: Auf jeden Fall sehr
orchestral mit guten Electronics-Elementen, mal sehen wir sind noch an der
Arbeit ... GW: Na, da sind wir
doch gespannt und harren der Dinge, die da kommen via Prophecy. Wie läuft
da die Zusammenarbeit?
Duncan:
Nunja, Prophecy bemüht sich und wir werden unseren Vertrag
erfüllen und das nächste Album bei Prophecy herausbringen, aber wir
sehen uns natürlich auch nach Alternativen um, einfach um international
mehr erreichen zu können. Was nach dem nächsten Album kommt, steht
noch in den Sternen. Mick: Ja, ich
versuche auch die Zukunft aus dem Grund dieses leeren Glases zu deuten, aber
sie bleibt verschwommen, nach dem heutigen Durcheinander wollen wir jetzt
einfach hauptsächlich ins Bett. GW:
Das kann ich verstehen! Kurze Frage noch an Duncan, hast Du das
aktuelle "Natural Disaster" von ANATHEMA schon gehört?
Duncan: Klar hab ich das, aber irgendwie klingen
sie für meinen Geschmack leider einfach zu sehr nach RADIOHEAD und anderen
gehypten Geschichten. Schade, aber ihr Ding und nicht mein Problem. Viel
wichtiger, wir haben jetzt auch eine deutsche Fanpage:
http://www.antimatter-band.de
Nachtrag:
Die offiziell anwesenden Jungs und Mädels von Prophecy haben übrigens
alle anwesenden Besuchen als Entschädigung für die Umstände
angeboten, für freien Eintritt, AUTUMNBLAZE und ANTIMATTER
in zwei Tagen in Esslingen nochmal sehen zu können. Der Eintrittspreis war
sowieso okay, der Gig am folgenden Tag in Trier war eh Eintritt frei. Trouble
mit den Veranstalter kanns geben, AUTUMNBLAZE und ANTIMATTER
haben es gerettet mit ihrer unvergleichlichen Musik.
Sir Ritchie für
GothicWorld (photos by S.R.)
Halloween mit
ANTIMATTER & AUTUMNBLAZE in Berlin: ... zum
Bericht ANTIMATTER, akuelles Album:
"Lights
Out" AUTUMBLAZE, aktuelle CD:
"Lighthouses"
http://www.autumnblaze.de
http://antimatter.free.fr/uk
www.propecy.cd
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