special:
ASP / XANDRIA / CHAMBER "Weltunter"-Tourauftakt 23.10.2003 - Krefeld,
Kulturfabrik
Nun war es also soweit: Der schwarze Schmetterling und
seine Mitstreiter, konnten nach langen Querelen und allerlei Verwirrungen zur
ersten "Headlinertour" ansetzen. Das dies für ASP nicht unbedingt so eine
große Bedeutung hat, konnte man ja schon im Interview nachlesen...
außerdem stand der Abend in der KuFa so ganz nebenbei unter dem Motto:
"Fünf Jahre" Chamber.
Umso trauriger dass auch diese Location
gerade mal zu Hälfte gefüllt war. Man wird müde, diesen Umstand
noch zu Bemängeln und über zu hohe (oder eben nicht) Eintrittspreise
zu diskutieren, wenn man auch die andere Seite kennt. Die Veranstalter, denen
gerade wegen fehlender Eintrittsgelder, immer mehr die Möglichkeiten
genommen werden, noch irgendetwas für die "schwarze Szene" zu unternehmen,
so dass sie (da sie ja auch wirtschaftliche Unternehmen sind) sich immer mehr
verkaufsträchtigem Unfug wie z.B. "Hip-Hop-Abenden" widmen. Genug der
Vorrede.
Gegen 21:00 betrat also unser aller
Lieblingsorchester die Bühne um in einem kurzen Abriss die letzten
fünf Jahre passieren zu lassen. In gewohnter Entertainermanie,
erzählte Sänger Marcus Testory Anekdoten aus diesen Jahren,
überbrückte geschickt Stimmpausen, trank Rotwein aus der Flasche, was
er zwar selbst kritisierte... aber Wayne Hussey tu das auch... nebenbei
spielten sie allerlei Songs aus dieser Zeit und stellten vor allem ihren neuen
Livegitarristen Ralph Hübner vor. Der sich vor allem dadurch auszeichnete,
dass er erst gar nicht versuchte Robin zu ersetzen, sondern spielend leicht,
seine langjährigen Liveerfahrungen (u.a. Nena, Chris de Burg u.ä.)
benutzte um eigene Akzente zu setzen und so die Herzen der Fans zu erobern.
Mit den für CHAMBER gewohnten und immer wieder geschickt
umspielten Verzögerungen ging es nach den schon erwarteten Zugaberufen zur
Umbaupause und dann zu XANDRIA weiter. Bei denen der Saal sichtlich noch
leerer war und sie so einen umso schwereren Stand hatten.
Während sich draußen im Café etliche Fans um
die Mädels des Kammerorchesters scharrten, oder am Merchandisingstand
verzweifelt nach versteckten "Limited Editions" der "Weltunter" suchten,
spielten XANDRIA drinnen vor den Verbliebenen und gaben ihr Bestes. Ihre
Musik aus harten Gitarren, epischen Melodiebögen und weiblichen Gesang,
die man durchaus in die Sparte um WITHIN TEMPTATION oder NIGHTWISH packen kann.
Handwerklich und musikalisch durchaus perfekt, boten sie eine gute Show, auch
wenn mir persönlich die barocken Gesten und Bewegungen von Frotfrau Lisa
etwas aufgesetzt vorkamen. Zumindest wussten sie so etwas Abwechslung zu bieten
und sich gut zu halten, auch wenn offensichtlich war, weshalb der
Großteil des Publikums angetreten war. Gegen 23:15 dann, eröffnete
das Intro von "Weltunter" den Reigen zum großen ASP Finale.
Als erstes viel auf, das CHAMBER-Frontmann und
ASP Infraschall-Go-Go-Chorknabe Max, die Zeit zwischen seinen Auftritten
genutzt hatte um sich seiner Haare zu erledigen. Ein netter Einfall zum
fünfjährigen Jubiläum und das Verlieren von irgendwelchen
Dingen, sollte im Laufe des Abends noch zum Running Gag werden. ASP
spielten eine Mischung aus Songs des neuen Longplayers und etlichen alten Hits.
In gewohnter Live-Härte, rockig, punkig, hart und schnell, bewies vor
allem ASP immer wieder seine Qualitäten als charismatischer
Frontmann. Unzweifelbare Höhepunkte waren aber die beiden akustisch, nur
von Matze und Max an den Klampfen, dargebotenen Stücke in der Mitte des
Sets, und der Gastauftritt von XANDRIA-Sängerin Lisa bei
"Singchild". Gänsehaut pur. Ebenso wie die neue Version von "Und
wir tanzten" die bewies, dass sie zu Recht den Untertitel "It still
hurts" trägt. Der Schmerz den ASP hier stimmlich transportiere
war fast spürbar. Der schwarze Schmetterling entfaltete seine Flügel,
umschlang das Publikum und riss es wütend, sanft, agressiv, schizophren,
lockend, verführend, umwerbend mit in seine Welt um den dunklen Turm.
Ein schweißtreibende, energiegeladenen Show in der alle
Beteiligten erneut unter Beweis stellten, dass sie nicht erst seit dieser Tour
die wahren Headliner sind. Krönender Abschluss war ohne weitere
Verwunderung, eine (leider etwas gekürzte Version) des epischen "Die
Ruhe vor dem Sturm" bei der noch einmal alle Akteure und Musiker des
Abends, auf die Bühne kamen. Hier spürte man das vor allem dieses
Stück die Spielwiese von Gitarrist Matze ist, der sich laut seinem
Sänger bei "Weltunter" zum ersten Mal völlig zufrieden mit
einem Album zeigt und fast frenetisch seiner Gitarre Töne und Melodien
entlockte die nicht mehr von dieser Welt waren. Und das ASP insgesamt
ihre Headlinernummer nicht zu einem arroganten Auftritt nutzen, machten sie
nicht nur durch diese Geste klar, indem sie sich mit dem "Grande Finale" bei
allen Mitwirkenden des Abends bedankten. Davon kann sich so manch andere Band,
die ihren Supportact z.B. gerne auch mal aus dem Backstagebereich verweist
u.ä. dummen Aktionen, eine riesen Scheibe abschneiden. Möglicherweise
liegt es daran, das ASP lange genug die Deppen für andere
sogenannte "Stars" waren, sich aber auf Grund ihrer musikalischen Qualität
und ihrer Menschlichkeit stetig aus der Nische ihrer Anfangstage entfernt
haben. Ach ja, das Verlieren von Dingen.... irgendwann tauche ein schwarzer
Tangaslip auf, nachdem sich ASP unter den Rock gegriffen hatte, den Hr.
Testory dann triumphierend anstelle seiner verlorenen Haarpracht um die Stirn
trug...
Nachdem Gig, konnten die Fans weiterhin die
Beteiligten des Abends am Merchandisingstand und im Café belagern, was
ja auch immer eine schöne und sehr menschliche Geste ist. Und glaubt mir,
es nicht unbedingt immer einfach für die auftretenden Künstler...
denn vor allem ASP und Matze waren im Anschluss an das Konzert
körperlich völlig am Ende... und das lag nicht am Alkohol.
Von solchen Konzerten, mit soviel Spaß, Energie und vor allem
Menschlichkeit, träumt man gerade in dieser, oft doch durch
Äußerlichkeiten und unbegründeter Starallüren
geprägter Szene. Einhundert von zehn möglichen Punkten für
Alle!!
Thomas Sabottka
für GothicWorld
ASP-Fotos vom BLACK ELBEN Festival
2003 und CHAMBER-Foto von Thomas Schulz (www.gothic-witch.de)
www.chamber-online.de www.xandria.de www.TheTalesOfASP.com |