special:
ARTWORK / ERBLAST 03.November 2003 - Berlin, K 17
ARTWORK
und ERBLAST haben sich aufgelöst. Damit verliert die schwarze Szene
zwei wirklich innovative Bands, was für einige Liebhaber anspruchsvoller
Musik sicherlich ein Verlust sein wird. Naja, wie viele von diesen Liebhabern
gibt es denn überhaupt noch?
Anscheinend nicht mehr viele, denn
als ich am 3.11. das K 17 betrat und mich schon ärgerte, daß ARTWORK
gerade angefangen hatten, mußte ich feststellen, daß es noch
genügend Platz gab. Der ohnehin nicht sehr große Raum war nicht zur
Hälfte gefüllt, und ich schätze mal, daß max. 150
Gäste anwesend waren. Ich dachte wirklich, daß die Abschiedstour
dieser zwei Ausnahmebands, die durch ihr langjähriges Schaffen, einige
gute Alben produzierten, mehr Leute interessieren würde. Aber ich
gehöre wohl zu den wenigen Idioten, die sich noch eine Karte vorbestellen
und 3 Stunden Autofahrt in Kauf nehmen, um sich ein Konzert anzuschauen.
Auf jeden Fall haben ARTWORK und ERBLAST noch mal gezeigt, welche
besondere Faszination von Live-Auftritten ausgehen kann. Wie schon gesagt,
machten ARTWORK den Anfang und präsentierten eine ausgewogene Mischung
ihrer abwechslungsreichen Musik, die nicht zuletzt ihren besonderen Charakter
durch die drei doch recht unterschiedlichen Sänger erhält.
Die klassisch ausgebildete Stimme Jan Kunolds intonierte Lieder wie
"Madremonio", "Vere Sacro" oder "Requiem", die auf eigenwillige Art Klassik und
Moderne miteinander verbinden. Mit Oswald Henke bekam die Musik ARTWORK eine
neue Komponente, sie wurde aggressiver und auch ruhiger, aber immer
ausdrucksstark, feinsinnig und poetisch. Er führte den Gast in die "Stadt
der Träume" und fragte im anschließenden
"Mittsommernachtstraumspaziergang" eindringlich: "Wer hat Angst zu
träumen?" Träumen konnte man spätestens beim Klassiker "Bring
the Rain", der vom dritten Sänger Chris Gölnitz vorgetragen wurde.
Neben den bekannten Stücken spielten Artwork noch einige neue Lieder von
der Split-CD "Exodus", das mit ERBLAST gemeinsame und zur Tour erschienende
Abschlußalbum.
Nach drei Zugaben waren ARTWORK entlassen und nach
einer nur kurzen Umbaupause wurde eine Kerze angezündet und Oswald Henke
und Juliana von Skeksis begannen mit ERBLAST ihr "Ritual". Wie zu erwarten, gab
es eine gemischte Auswahl von Liedern der letzten vier Alben. Nach der Frage
"Wann schlafen die Götter" wurde ein "Geschöntes Verlangen"
produziert, das unter anderem von "Nacht, Nebel, Nelken", dem
"Bittermandelblick" und der "Zweiglücksamkeit" begleitet wurde, bevor es
im "Treibsand" versank. Im Gegensatz zu den eher positiven Gefühlen stand
die "Pure Aggression", welche nicht "Frei von Narben" blieb und am Ende stellte
sich die Frage "Was ist Dein Wunsch?" So verbanden sich die einzelnen Lieder zu
einem Gesamtkonzept, das Fragen stellte, Gefühle präsentierte und
Atmosphäre schuf, wodurch der Zuschauer eingeladen wurde, an dem Ritual
teilzunehmen. Darüber hinaus überzeugten ERBLAST auch durch die
aktive Bühnenshow, bei der Juliana mit Marshmallows das Publikum bewarf
und Herr Henke sich über und über mit seinem grünen "Alienhonig"
beschmierte. Richtig multisensitiv wurde es dann mit dem Anzünden von
Räucherstäbchen, die einen aufdringlichen Nelkengeruch verbreiteten,
der den Zuschauer endgültig in den Bann zog.
Auch ERBLAST gaben
noch drei Zugaben bis sie das noch weiter geschrumpfte Publikum verabschiedeten
und jeder "Rotsüße Tränen" vergießen durfte.
Silvio Wolff für
GOTHICWORLD
Vielen Dank für die freundliche
Überlassung der Photos von
www.gothicnews.de
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