special:
HEAVEN'S GATE 3 15. November - Strasbourg, La Laiterie mit GRENDEL, BLANK,
CINEMA STRANGE, E-CRAFT, AND ALSO THE TREES, GARDEN OF DELIGHT, SUICIDE
COMMANDO
"Little bit different
..."
Festivals in Frankreich sind einfach
anders, zumindest das Volk vor der Bühne. Die Acts des Abends auf der
Bühne international und stilistisch sehr gemischt, vor allem einfach viel
zu viel! Infolge dessen an dieser Stelle kein vollständiger
Festival-Bericht, eher denkwürdige Festival-Eindrücke im
Nachbarland.
Einlaß war schon um 17 Uhr, die ersten Bands
(GRENDEL und BLANK) werden wohl schon gespielt haben, als wir
noch bei Muscheln und Pommes in Strasbourgs belebter Altstadt saßen. Als
wir dann endlich in der La Laiterie eintrafen, waren CINEMA STRANGE
bereits dabei auf der Bühne die Kuh fliegen zu lassen. In Form einer
billigen Karnevalsmaske und grottenschlechten Sound. Da beschlossen wir uns
erstmal was zu Trinken zu besorgen. Das ist hier auch ein ungewöhnliches
Prozedere, erst an der Abendkasse Bongs lösen und dann damit an den Tresen
und egal was du dem Typen für eine Farbe (entspricht der Preisstaffel)
hinlegst, ich jedenfalls bekam immer das selbe schale Bier im Pappbecher.
Vielleicht ist aber auch mein Französisch so schlecht.
Im Vorraum der Konzerthalle Merchandise-Stände
soweit das Auge reicht, an denen sich ein Volk tummelte, daß in Laufe des
Abends mir eher wie albernes, sich abfüllendes Dorfdisko-Publikum vorkam,
nur da sich alles schwarz aufgemotzt hat. Nunja, kommen wir lieber zur ersten
Band, denen wir hier unsere volle Aufmerksamkeit schenken
konnten.
E-CRAFT gerade zurück von der USA-Tour mit HAUJOBB
brachten den mittlerweile gut gefüllten Laden mit ihrer brachialen
Elektrobeats und auch im Elsaß unmissverständlichen Message "Ich
will Titten!" förmlich zum Kochen! Man merkte den Jungs die Tour-Routine
an, alles lief wie am Schnürchen und dank dem abwechselnden
Electro-Getrommel und Ballermann-mäßiger Publikumsinteraktion, waren
fette Zugaben fällig. Eigentlich hatten E-CRAFT den Weg bereits für
einen gewaltiges Electro-Finale geebnet, jedoch standen anschließend ganz
andere Klänge an der Tagesordnung.
AND ALSO THE TREES hatten sich ja auch wieder
zusammengefunden und mit "Further From The Truth"ein neues Album
veröffentlicht, daß man nun dem Publikum live vorstellte. Einerseits
kam diese Mischung aus heißen Tito & Taratula-Rythmen und
melancholischem Trauerschmachtgesang schon begeistern, besonders live.
Getrübt wurde der Spaß durch mehrmals umgefallene Drummikros,
zuletzt ist dem Frontmann noch mit lautem Krachen das Mikro zu Boden gefallen.
Man wird halt nicht jünger. Und das Mädel an den Keyboerds/Percussion
hatte wohl auch eher einen ABM-Job.
Gemischte Gefühle haben auch
GARDEN OF DELIGHT hinterlassen, was nicht zuletzt daran lag, das ich den
damaligen Headliner des GWT 2000 zum ersten Mal seither wieder live gesehen
habe. Heuteabend war ja auch Videodreh für eine geplante DVD angesagt.
Wie immer bei GARDEN OF DELIGHT gibt
es nicht viel zu sehen auf der Bühne, kaltes weißes Licht aus den
"Tincans" frontal von hinten und jede Menge Bodennebel - was da aufgezeichnet
wurde ist warscheinlich in etwa so spannend die Webcam auf Blankeneese. Ab und
zu ein Blick auf den Monitor der Krancamera bestätigt dies.
Nein, der Herr in der Mitte mit Hut und Sonnenbrille ist NICHT Udo
Lindenberg!
Und musikalisch? Eigentlich zelebrieren sich GARDEN
OF DELIGHT wie gewohnt selbst mit brachial daherwehendem knochentrocken
Goth-Grooves (fettes Kompliment an Toni Strohwach, denn wo immer der Typ auf
schlechten Festivals am Mixer sitzt, wird der Sound schlagartig um 100%
besser!), nur erscheint alles so schrecklich inziniert. Die fetten Grooves und
Keyboards (die fetten Bässe auch?) kommen alle vom Playback, ledigich die
Gitarren und Meister Artaud´s dunkel grollender Beschwörungsgesang
ist eben live, bzw. Klicktrack-Sklave. Einfach ein Teufelskreis. Egal Ekstase
war angesagt und das Publikum hat es dankend angenommen.
Mittlerweile
war es bereits Stunden nach Mitternacht und somit beschossen wir uns den
Headliner SUICIDE COMMANDO, für die die Stimmung nach E-CRAFT bereits
abgebrochen ist zu schenken und machten uns auf den Weg ins Heimatland. Erst
jetzt merke ich, daß es nicht meine Füsse sind, die so schwer sind,
es ist der Boden der so klebt!
Vive la France, aber die richtige
Festival-Mischung müssen sie noch finden.
Sir Ritchie für
GothicWorld (Photos by Stephan Henneberger / Sir
Ritchie)
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