interview:
LETHARGY "... nicht so typisch
spanisch!"
Mit ihrem jüngst erschienenen Album "In-macula"
bewiesen LETHARGY nicht nur, dass Spanien mehr als Urlaubsparadiese für
Sangriageschwängerte Proleten, Stierkampf und dramatischen Flamenco zu
bieten hat
sondern vor allem, dass man 80er Jahre Klänge mit
chilligen Rhythmen und einer erotischen Stimme kombinieren kann, um so einen
entspannten, modernen Clubsound zu schaffen, der den perfekten Soundtrack
für so manch durchtanzte Nacht sein kann. Grund genug also, sich mit der
"Stimme" hinter LETHARGY etwas zu unterhalten ...
GW: Hallo Mayte. Vielleicht erzählst du
uns am Anfang einfach mal, wer Lethargy sind und wie dieses Projekt entstanden
ist.
Mayte: Hallo! Also ich bin
Mayte Cruz, die Stimme bei Lethargy und außerdem zuständig für
Synthesizer und Programming. Dann ist da noch Julio Tome, der ebenfalls
Syntheziser spielt, programmiert und produziert. Julio war lange Zeit in Bilbao
als DJ in diversen Clubs tätig, ist dann aber nach Madrid gezogen, weil
die Elektronik-Szene in der Hauptstadt, größer, interessanter ist.
Wir hatten zu dem Zeitpunkt beide schon mit Sequencern und Synthies
gearbeitet in in verschiedenen Projekten mitgewirkt, bis wir uns dann 1998 in
Madrid trafen, und beschlossen unsere Ideen, unsere Energie und unser Talent
zusammen zu packen um gemeinsam ein Projekt zu erarbeiten. Wichtig war, das wir
von Anfang an spürten, dass wir in die selbe Richtung wollten...
GW: Welche musikalischen
Einflüsse würdest du nennen, wenn du eure eigene Musik einordnen
müsstest?
Mayte:
Unsere Einflüsse? Nun einfach die Musik, die wir gerne
hören, die wir sozusagen leben. Das sind Sachen aus den 80ern bis zu
heutigen Klängen. Also: Anne Clark, Bauhaus, The Cure, The Cramps, Massive
Attack, Front 242, Underworld, Nine Inch Nails, Crystal Method, Orbital,
Letfield, Lamb, Radio Head, Recoil, P.J. Harvey, Death In Vegas, DJ Hell,
Björk... tja einfach alle Art von guter Musik die unsere Ohren
erreicht.
GW: Das greift ja schon
ein ziemlich weites Feld ab. Vor allem auch sehr verschiedene Stile.
Erzähl uns doch einfach ein bisschen über die Musikszene in Spanien.
Ist eine derartige Vielfalt typisch?
Mayte:
Die Szene in Spanien ist ein bisschen anders als im Rest Europas.
Aber es gibt einen Teil, der sehr interessiert ist an neuen Tendenzen, neuen
Clubs und neuen DJs. Hier in Spanien wollen die Leute eigentlich nur die
Nächte durchmachen und Partys feiern. Es gibt ständig neue Clubs, mit
neuen Sachen... aber die Szene für elektronische Musik ist eigentlich
nicht so groß. Wir beide leben zwar in Madrid, aber unsere musikalischen
Einflüsse kommen mehr von woanders her. Das ist nicht so typisch spanisch.
GW: Wenn man eure CD hört,
fällt zuerst diese Mischung aus kalten, elektronischen Klängen und
der sehr erotischen Stimme auf. Ist das eine bewusste Entscheidung gewesen,
oder einfach nur ein zufälliger Effekt aus der
Konstellation?
Mayte: Das ist
schon eine sehr bewusste Entscheidung gewesen. Von Anfang an, haben wir
versucht die Stimme und die Musik so zu mischen, das beide Teile
gleichberechtigt nebeneinander stehen. Sozusagen jeder Part genau die
Hälfte einnimmt. Was in elektronischer Musik nicht unbedingt typisch ist.
Aber das ist genau dass was wir wollten, was aus unserem Inneren kommt und
unser eigener Stil sein sollte.
GW:
Auch textlich bewegt ihr euch ja jenseits aller Klischees, die
man sonst in elektronischer Musik findet. So kann man in eurem Booklet lesen,
dass eure Lyrics von u.a. Autoren wie Douglas Coupland oder George Orwell
beeinflusst sind.
Mayte: Die
Texte sind sehr wichtig für uns. Wir versuchen Dinge zu erzählen die
aus unserem Innern kommen, ein sehr wichtiger Teil unserer
Persönlichkeiten sind. Die Inspiration dafür kommt aus unserem Leben.
Aus allem was um uns ist... manchmal sind es sehr momentane Stimmungen, man
kann absolut glücklich sein, aber auch zutiefst traurig... und wenn man
dann mit offenen Augen durch die Welt geht... es gibt soviel das einem zu neuen
Texten inspirieren kann. Der Track "Future times" ist durch George Orwells
"Farm der Tiere" inspiriert, der Track "Recycle" durch Douglas Couplands "Life
After God". Wir denken einfach, das bestimmte Sätze, die so geniale
Autoren geschrieben haben, es wert sind, dass die Menschen sie auch wahr nehmen
und sie in Musik zu packen um sie so zu transportieren, halten wir für
einen sehr guten Weg. Alle anderen Texte sind von uns.
GW: Kommen wir nocheinmal auf eure
Einflüsse. Ihr habt auch ein Lied von Bauhaus, in einer sehr
ungewöhnlichen Art gecovert. Warum?
Mayte: Wir lieben Bauhaus. Aber wir wollten
dieses Lied in unserer eigenen Art spielen. Als eine Art Verehrung vor Bauhaus
im Jahre 2003. Wir haben aber nie versucht das originale Stück zu
transportieren. Wir wollten mehr eine eigene Version machen, die eher an den
textlichen Elementen, denn an der Musik orientiert war.
GW: Was ja auch sehr
ungewöhnlich ist, dass ihr als ein spanisches Projekt bei einem polnischen
Label seit. Wie kam es dazu?
Mayte:
Wir denken einfach, dass in der Musik alles möglich ist und es
dort keine Grenzen mehr gibt. Im Grunde genommen haben wir aber einfach nach
Wegen gesucht uns außerhalb von Spanien bekannt zu machen. Und eine
Promotionagentur hat unser erstes Album "Escapa" zu Black Flames Records
geschickt und die waren sehr interessiert an unserem Projekt.
GW: Und wie ist die
Zusammenarbeit?
Mayte: Sehr gut.
Wir sind jetzt erst mal auf dem internationalen Markt und die Zusammenarbeit im
Moment ist sehr befriedigend. Aber im Grunde genommen sollte man diese Frage
besser in ein paar Monaten stellen.
GW:
Gut, dann widmen wir uns der Zukunft. Was kommt als
Nächstes?
Mayte: Im Moment
sind wir dabei "In-Macula" live in Madrid zu promoten. Danach sollen noch
einige andere Konzert in den großen Städten in Spanien folgen. Im
Februar plant Black Flames eine Tour durch Polen, Deutschland und vielleicht
sogar Russland. Dann machen wir noch etliche Remixe für andere Bands wie
z.B. Neikka R.P.M., Glis, Technology, Aiboforcen, Biotribe und Doctor Martin
Clavo. Wir haben auch 3 Stücke für einen Film gemacht. "La Ouija",
der wird seine Premiere auf dem International Festival Cinema of Sitges in
Barcelona haben und im Dezember starten. Naja, dann hoffen wir natürlich
auch, dass wie bald mal in Deutschland touren können... wenn also
irgendein Promoter dieses Interview liest und interessiert ist.... dann soll er
uns einfach kontaktieren. Wir würden uns sehr freuen.
GW: Dann hoffe ich mal, dass wir somit unseren
bescheiden Beitrag zu eurem Erfolg leisten konnten und wünsche euch alles
gute für die Zukunft.
Mayte:
Danke für das Interview und die
Unterstützung.
Thomas
Sabottka für
GOTHICWORLD
Review zu
"In-macula"
Infos:
www.blackflames.prv.pl
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