interview:
NFD (Noise For Destruction) "Die
Stille durchbrechen ..."
Mittlerweile
dürfte es sich herumgesprochen haben, dass NFD einer der hoffnungsvollsten
Vertreter der traditionellen britischen Goth-Szene sind und sich hinter NFD mit
Tony Petit, Simon Rippin und meinem Gesprächspartner Peter Bob
White Musiker verbergen, die auf die eine oder andere Art und Weise eng mit
Fields of the Nephilim oder Nachfolgeprojekten der britischen Goth-Legende
verbunden sind. Nimmt man dann noch den Gastauftritt von Peter Yates, dem
Originalgitarristen Field of the Nephilims auf der unlängst
veröffentlichten NFD Debüt EP Break The Silence hinzu,
dann wird deutlich, dass eine musikalische Nähe zu Carl McCoy durchaus
begündet aber auch gerechtfertigt ist. NFD beherrschen die epische Seite
der Goth-Szene dabei mindestens eben so gut, wie sie kraftvolle und rockige
Songs zu schreiben in der Lage sind.
Einen ersten Vorgeschmack der
Live-Qualitäten bekam das deutsche Publikum auf den
Herbstnächten, auch wenn Peter eingestehen muss, das Publikum
im Vorfeld der Show mit Bier nach deutschem Reinheitsgebot bestochen zu
haben.
>> Ja, das stimmt. << gibt ein gut gelaunter Peter zu
Protokoll. >> Das war unser erster Gig in Deutschland und wir hatten viel
Spass. Das Publikum war sehr enthusiastisch, was auch nicht verwunderlich war,
denn wir warenja schon Freitag da und ich habe da bereits das Publikum mit ein
paar Runden Freibier bestochen (lacht). <<
GW: Und dabei glatt unseren
ursprünglichen Interviewtermin vergesssen, aber Schwamm drüber. Habt
ihr auch Songs aus der pre-NFD-Ära, also Songs aus der Zeit mit Nefilim
oder Sensorium gespielt?
Peter:
Wir haben hauptsächlich NFD-Songs gespielt, aber auch ein paar
ältere. Da zu diesem Zeitpunkt die EP noch nicht veröffentlicht war
und auch das Album erst im nächsten Jahr erscheint, war das Publikum so
zumindest mit zwei der Songs vertraut. Es ist sicher schwierig sich eine Stunde
lang auf Musik zu konzentrieren, die man noch nie vorher in seinem Leben
gehört hat. GW:Hinzu kommt
die Erwartungshaltung der Fans, die sicher auch ein paar Songs aus jener Zeit
hören wollen.
Peter: Ja,
auch wenn wir uns zunächst schon gefragt, ob es das ist, was die Leute
hören wollen. Aber die Songs klangen wirklich gut und ich hatte sehr viel
Spass dabei sie zu singen. GW:
Dieser Festivalauftritt war ja leider nur ein Einzelgig, dem sich
keine weiteren Shows angeschlossen haben. Plant ihr für die Zukunft eine
Tour oder weitere Einzelshows in Deutschland?
Peter:Wichtig ist nun erstmal, dass wir ins
Studio gehen und das Album einspielen. Damit werden wir bis Ende des Jahres
wohl fertig sein. Wir arbeiten mit einigen Booking-Agenturen zusammen und
danach sind ein paar Dinge in Planung, die aber noch nicht bestätigt sind.
Du kannst aber sicher sein, dass wir bei einem guten Angebot sofort bei euch
auf Tour gehen werden.
GW:
Mit Sensorium seid ihr, wenn ich micht nicht irre, nur einmal auf
Tour in Deutschland gewesen, und war auf einer gemeinsamen Tour mit Gothic Sex,
wo ich euch damals in Bochum im Zwischenfall gesehen
habe.
Peter:Ja, das muss 1998
gewesen sein. Damals haben wir auch auf dem Wave Gotik Treffen in Leipzig
gespielt. Wir waren zwei Wochen unterwegs und hätten gerne noch ein paar
mehr Gigs gespielt, aber eins der Bandmitglieder hatte keine grosse Lust auf
exzessive Tourneen. Der Geschichte der Band hätte das aber sicher sehr
geholfen. Wir sind uns jetzt aber der Tatsache bewusst, dass wir raus auf die
Strasse und viel touren müssen, um das Publikum zu erreichen. Die Leute
erwarten bei unserer Geschichte natürlich auch sehr viel von uns. Mit
Sensorium war das leider nicht möglich und so mussten wir die Band
aufgeben. Gleich im Anschluss daran kam NFD und da Toni jetzt bei uns und nicht
mehr bei den Fields ist, müssen wir einfach raus und touren. GW: War diese Tourmüdigkeit der einzige
Grund für den Split Sensoriums?
Peter: Ja, das war der einzige Grund. Wir hatten
sogar ein komplettes neues Album fertig. Simon und ich waren fest entschlossen,
diese Basisarbeit weiter zu führen, aber Paul hatte einfach kein Interesse
mehr daran. Also haben wir uns getrennt und sind unserer eigenen Wege gegangen.
Auf lange Sicht war dies die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. Ohne
diese Entscheidung würde es NFD heute nicht geben. GW: Und was ist aus diesem Album und den Songs
geworden? Plant ihr diese noch zu veröffentlichen?
Peter: Das ist alles noch im Computer (lacht).
Wir haben uns aber bereits darüber unterhalten, die Songs zu
veröffentlichen, wenn wir in der Zukunft etwas freie Zeit haben sollten.
Es gibt ein paar klasse Songs dabei. Vielleicht übernehmen wir den einen
oder anderen Song auch. Aber ich will keine falschen Versprechungen machen, wer
weiss, was noch passiert. Momentan hat NFD absolute Priorität.
GW: Vor der Veröffentlichung
des ersten vollständigen NFD-Albums soll zusätzlich zu Break
The Silence, so habe ich gehört, eine weitere EP
erscheinen?
Peter: Ja, das ist
richtig. Das Album wird wahrscheinlich erst im März erscheinen, so dass
wir vorher noch eine EP veröffentlichen wollen. Ich bin gerade dabei den
Song zu schreiben, der wahrscheinlich etwas düsterer ausfallen wird.
GW: Worauf werdet ihr dabei das
musikalische Hauptaugenmerk legen, auf epischere Songs in der Tradition Fields
of the Nephilims oder rockigere Nummern?
Peter: Von allem ein bisschen. Wir haben einen
harten Gothic Rock-Song mit einer Länge von vier Minuten, wie auch Songs,
die etwas tanzbarer gehalten sind. Dann gibt es aber wieder auch epische
Achtminutensongs. Wir versuchen also, von jedem etwas einfliessen zu lassen;
auch ganz ruhige Songs. GW: Wie
stellt sich für dich die englische Goth-Szene dar? In Deutschland haben in
den letzten jahren immer mehr Electrobands das Szepter in die Hand genommen und
traditionelle Goth-Sounds sind immer weiter in den Hintergrund gerückt.
Ist diese Tendenz auch in England, was für viel ja nach wie vor das
Mutterland der Goth-Szene darstellt, auch bei euch zu
beobachten?
Peter: Prinzipiell
sieht es nicht sehr viel anders aus, auch wenn ich den Eindruck habe, dass
Gothic Rock momentan wieder im Kommen ist. Es gibt eine Reihe von
gitarrenorientierten Gothic Rock-Bands, die gerade dabei sind, sich einen Namen
zu machen. Das Problem ist aber, dass sie keine vernünftigen Deals
bekommen um sich sich so einer grösseren Öffentlichkeit
präsentieren zu können. Ich hoffe, wir können daran etwas
ändern. Wenn eine Band den Durchbruch schafft, dann werden sich die Labels
auch wieder diesen Bands zuwenden und sie unter Vertrag nehmen. So wird die
Szene dann auch wieder wachsen. Ein paar der älteren Bands wie The Mission
oder Red Lorry, Yellow Lorry sind auch wieder aktiv, aber das Ganze bewegt sich
schon sehr auf einem Undergroundniveau. GW:
Dabei gibt es in England mit Descendants of Cain oder The Faces
of Sarah einige wirklich vielversprechende neue Goth-Bands.
Peter: Faces of Sarah sind gute Freunde von uns.
Ihr neues Material ist hervorragend, aber auch sie haben das Problem, dass sie
nur in kleinen Clubs auftreten können. Sie bräuchten ein paar grosse
Shows, um den Sprung in den Mainstream zu schaffen. Aber leider ist das
momentan alles sehr auf den Underground beschränkt.
GW: Was sehr schade ist, betrachtet man den
Einfluss, den vor allem die britische Goth-Szene auf die Entwicklung die
Goth-Szene allgemein in den letzten Jahrzehnten durch Bands wie Sisters of
Mercy oder Fields of the Nephilim hatte.
Peter: Das ist auch für mich
unverständlich. Ihr in Deutschland habt all diese Festivals, wo sich
kleinere Bands der Öffentlichkeit präsentieren können. In London
musst du froh sein, wenn fünfzig Leute zu einem Gig kommen. Den Sprung in
die grösseren Clubs wie das Astoria zu schaffen ist momentan
fast unmöglich. Ich hoffe, wir werden das ändern und grössere
Clubs buchen können, so dass wir den kleineren Bands eine Chance bieten.
Vielleicht stossen wir auf diesem Wege den Entwicklung wieder an. Je
grösser die Szene ist und je mehr Bands es gibt, desto besser für uns
alle. Es gibt momentan sehr viele von diesen fünfzehn-,
sechzehnjährigen Kids da draussen, die auf Gothic Metal oder Bands wie
Cradle of Filth stehen, was ich sehr positiv finde, denn ich glaube, dass sich
diese Kids auch mit der Gothic-Szene auseinandersetzen werden, wenn diese ein
Revival erleben wird. Das ist ein sehr aufgeschlossenes Publikum mit einem
offenen Ohr für neue Dinge. Es reicht nicht, sich auf die alten Goths zu
verlassen, man muss den Blick auch nach vorne und auf die Jugend richten. Es
ist wieder in geworden Schwarz und Make-Up zu tragen und dem wollen
wir Rechnung tragen. Wir planen momentan sogar ein Video aufzunehmen, so dass
die Kids das im Fernsehen sehen und drauf abfahren können.
GW: Gibt es den Fernsehshows in England, bei
denen ihr mit solch einem Video Chancen hättet gespielt zu
werden?
Peter: Wir müssen
halt versuchen dieses Video auf MTV oder bei Kerrang zu platzieren. Es kommt ja
nicht darauf an, wo solch ein Video gespielt wird, sondern dass die Leute
überhaupt eine Chance bekommen, es zu sehen. Wenn es ihnen gefällt,
sie die CDs kaufen und zu den Konzerten kommen, dann wird die Szene vielleicht
auch wieder explodieren.
GW:
Selbst in London scheint es schwierig überhaupt Platten und
CDs von Goth-Bands zu bekommen, denn abseits vom schon legendären
Resurrection-Shop in Camden ist beinahe unmöglich CDs von Bands dieses
Genres zu bekommen.
Peter:
Unsere CDs werden auch bei Virgin oder HMV erhältlich sein,
aber Bands wie Faces of Sarah sind darauf angewiesen ihre CDs über ihre
Homepage oder über Resurrection Records zu verkaufen. Das wars dann
aber auch schon. In Deutschland ist auch das anders und ihr könnt euch
wirklich sehr glücklich schätzen, dass es so ist.
GW: Auch wenn die Szene in Deutschland
vielleicht etwas offener ist, das gelobte Land ist Deutschland seswegen noch
lange nicht, leht man die Tour von The Last Dance zugrunde, die im Schnitt vor
vielleicht einhundert Zuschauern spielen mussten.
Peter: Das reicht nicht, oder? Ich denke, es ist
aber auch ein Fehler, Musik nur für eine bestimmte Zielgruppe zu
schreiben. Wir stehen hundertprozentig zu dem, was wir tun, aber wir hören
halt nicht nur Gothic sondern auch Metal und Rock. Es braucht nur eine Band den
Durchbruch schaffen. Selbst in den Achtzigern bestand das Sisters oder
Fields-Publikum nicht ausschliesslich aus Gothics. Es gab auch viele Metaller
und Rocker, die auf die Bands abfuhren. Daher wäre es fatal, sich
ausschliesslich auf die Goth-Fans zu konzentrieren. Fields of the Nephilim
haben ihre Wurzeln im Rock, aber der Begriff Gothic wurde zum Markenzeichen
für die Band. Selbst Temple Of Love war ein sehr rockiger
Song.
GW: Eure EP Break The
Silence erscheint in zwei Formaten, als CD EP und als Vinyl mit einer
veränderten Tracklist. War diese Vinylveröffentlichung eine bewusste
Entscheidung und das Bekenntnis zur guten alten Zeit, wo die Vinyl-Ausgaben ja
zum Teil in limitierten Auflagen erschienen sind und hinterher zu seltenen
Sammlerstücken avancierten?
Peter:
Ja, ich habe Jungle, unsere Plattenfirma, dazu gebracht und ihnen
gedroht überhaupt nichts zu veröffentlichen, wenn es nicht eine
Vinyl-Version geben würde (lacht). Das gehört nunmal dazu. Ich
gehöre der Gothic Rock-Szene seit Jahren an, und neben den Image und den
Clubs gehören nunmal auch Schallplatten dazu. Das Gefühl, eine
limitierte Vinyl-Ausgabe mit einem Bonustrack in der Hand zu haben. Das hat
für uns keinen finanziellen Hintergrund, sondern war einfach aus Spass an
der Freude entschieden. Als ich auf Sisters und Fields gestanden habe, habe ich
die ganzen Maxis gesammelt und konnte immer damit prahlen, wenn ein anderer
nicht im Besitz eines seltenen Covers oder so war (lacht). Das unterscheidet
auch die Hardcorefans von den normalen Käufern. Was wir
übrigens auch vermeiden wollen, ist ein Album mit fünfzehn oder
sechzehn Tracks zu veröffentlichen, von denen fünf so schlecht sind,
dass sie den Standard des Album nach unten drücken.
GW: Wird Peter Yates, der eines seiner
unnachahmlichen Slidesolos auf Break The Silence eingespielt hat,
auch auf dem kompletten Album zu hören sein?
Peter: Wir hoffen es. Er ist momentan sehr
beschäftigt und wenn wir ihn uns schnappen können, dann wird er dabei
sein (lacht). Seine Mitarbeit auf der EP war ganz spontan. Wir haben ihn
angerufen und er kam ganz schnell vorbei, so dass wir mit offenem Mund nur noch
staunen konnten. Sein Part war genau das, was dieser Song noch benötigte.
Es war einfach unglaublich. Er ist allerdings nicht sonderlich scharf darauf
auf Tour zu gehen.
GW: Diese
Zusammenarbeit mit Peter mutet sowieso fast wie ein Rückgriff auf die
gute alte Zeit an.
Peter:
Ja, dem kann ich nur beipflichten. Wie auch die Zusammenarbeit mit
Tony und Simon. Wir haben wirklich sehr gutes Material geschrieben und ich
denke, wir haben ein grossartiges Team.
GW:
Wir kommen natürlich nicht umhin dieses Interview zu
beenden, ohne uns über das ganze Theater um das letzte Fields of the
Nephilim-Album Fallen zu unterhalten und nach deine Meinung zu
dieser höchst zweifelhaften Veröffentlichung zu fragen. Für den
Aussenstehenden sah es so aus, als ob Jungle, die Plattenfirma Carl McCoys,
aufgrund der immer wieder hinausgezögerten Veröffentlichung dieses
Albums zum Schluss gezwungen war, endlich überhaupt etwas Hörbares zu
veröffentlichen.
 Peter:
Amazing
du bist der Erste, der es wagt danach zu fragen
(lacht). Ich weiss genau, wie das Ganze abgelaufen ist und will daher auch
nicht zuviel darüber verraten. Aber es ist offensichtlich, dass es nicht
das Album war, das es hätte sein sollen. Ich denke, du hast Recht mit der
Aussage, dass Jungle letzten Endes gezwungen waren, endlich etwas zu
veröffentlichen. Das war sicher keine glückliche Entscheidung, aber
letzten Endes ist das Carls Problem. Wir beide kommen immer noch fabelhaft
miteinander aus und ich bin ihm sehr dankbar, dass er mir damals eine Chance
gegeben hat.
Michael Kuhlen (OBLIVEON) für
GothicWorld
NFD "Break The
Silence" - Review
www.nfd.web.com
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