interview:
HELIUM VOLA "Der (Carl Orff) würde sich
wahrscheinlich auch im Grabe umdrehen wenn er sehen würde wie sein Werk da
irgendeinen Endkampf untermalt.""
Anlässlich des neuen Helium Vola Albums "Liod" trafen wir
uns mit Ernst Horn um einfach mal einen Blick auf seine Arbeitsweise als
Musiker/Komponist und dem möglichen Ansinnen hinter Helium Vola zu
werfen.
GW: Laut Infozettel
hast Du mal gesagt "dass du keine Musik für die Love Parade machst,
sondern für ein anderes Publikum". Könntest Du Dein anderes Publikum
definieren?
Ernst: Nein
eigentlich nicht. Das ist so ein Spruch, ich weiß auch nicht warum das
jetzt da drin steht. Das ist so ein Spruch der wäre vielleicht vor Zehn
Jahren noch zündend gewesen. Aber inzwischen schimpft eh jeder über
die Love Parade, da ist es müssig noch so ein Spruch raus zu hauen. Das
schreiben die halt immer so. Aber im Grunde wäre mir natürlich das
liebste Publikum einfach alle. Alle die gerne Musik hören. Aber das ist ja
auch ein Spruch. (lacht) Doch was solls. Es ist natürlich klar das ich
irgendwo mit der "Szene" behaftet bin. Dann sind da vielleicht ein paar die von
einem anderen Zirkel kommen, so von der klassischen Musik, von der
Mittelaltermusik usw. Ansonsten ist es schwierig. Weil ja auch viele Leute
sagen: "Achja der Horn, von Lakeien und Helium Vola
dass ist so Zeugs das
hören wir uns gar nicht erst an!"
GW:
Hast Du in dem Zusammenhang den Eindruck dass das Publikum das
Helium Vola hören ein Anderes ist als die welche Deine Lakeien hören,
oder überschneidet sich das?
Ernst:
Naja, ich denke schon dass sich das sehr überschneidet. Weil
Helium Vola ist ja um einiges kleiner, quantitativ. Darum würd ich schon
sagen dass es zum größten Teil schon Hörer sind die eben auch
Lakeien hören und von daher natürlich auf Helium Vola gekommen sind.
Dann gibt es vielleicht noch einen ganz kleinen Teil der vielleicht mehr von
Mittaltermusik, klassischer Musik herkommt. Vielleicht auch Leute die Lakeien
nicht so kennen, aber auf so avantgardistische, elektronische Sachen stehen.
Aber eigentlich stoßen die Leute auf mich und meine Arbeiten, die Leute
schon über Lakeien. Oder eben über die Szene. Denn bekannt geworden
sind wir ja letzten Endes doch durch "Omnis Mundis Creatura" in der Szene.
GW: Eigentlich
wollte ich die Frage ja später stellen, aber jetzt passt sie, wo Du es
schon angesprochen hast. War es eigentlich sehr überraschend für
Euch, als sich vor zwei Jahren "Omnis Mundis Creatura" plötzlich zu so
einem absoluten Tanzflächenknaller entwickelt hat?
Ernst: Naja es ging. Es war ja damals so. Ich
habe das damals als neue Sache gestartet und wir haben mit dem Label und dem
Verlag ausgemacht, dass Qntal nicht erwähnt werden darf in dem
Zusammenhang, weil wir da auch den Betrieb nicht irgendwie stören wollten.
Und das es eben wirklich eine neue Sache ist und nicht ein Nachfolger von
Qntal. Von daher stand ich natürlich schon erstmal in den
Startlöchern. Meine Soloplatten wie "Skies over Baghdad" verkaufen ja auch
überhaupt nicht. So hab ich im Vorfeld schon gedacht das "Omins Mundis
Creatura" doch ein Stück ist, das sich gut für die Tanzfläche
eignen würde. Insofern war ich dann natürlich auch ganz froh das es
geklappt hat. Weil es natürlich auch dem Album ganz erheblich geholfen
hat. Sonst bleibt man ja gleich wieder hängen damit. Was mich eigentlich
eher überrascht hatte, war wie manche Kritiker reagiert haben. Ich dachte
immer, gut die Fans werden es lieben, aber die Kritiker werden vielleicht
sagen: "Ach das ist doch ein bisschen arg volkstümlich, da sind die
anderen Sachen auf der CD zwar ganz schön
" Aber es gab da
komischerweise einige, bei denen da schon Ende der Fahnenstange war. Die gesagt
haben "Ja Omins Mundis Creatura, toller Electrokracher und so
" aber die
anderen Sachen, dass ist denen dann schon zu verschroben, zu kompliziert
geworden. Da war es denn schon aus.
GW:
In diese Richtung zielte auch meine erste Frage, wie Du Dein
Publikum siehst. Weil ich schon den Eindruck habe das Helium Vola ein weit mehr
versponnenes Kunstprojekt als meinetwegen Deine Lakeien ist.
Ernst: Ja ist es! Ist es absolut.
GW: Also auch weit aus anspruchsvoller, nicht
irgendetwas das man einfach mal so nebenbei hört.
Ernst: Klar. Von daher hoffe ich natürlich
das so was auch mal andere Leute hören, die jetzt nicht so in der "Szene"
sind. Ich kenne auch ein paar Leute die das sehr mögen, die sonst eben
eher Avantgarde-Elektronik hören. Aber das kann ich gar nicht steuern. Das
ist eher eine Sache des Labels und der Promotion.
GW: Das ist eine gute Überleitung mit den
Leuten die eher Avantgarde-Elektronik hören. Ich finde ja, dass man Dich
aus all Deinen Projekten schon ganz deutlich heraus hört. Dein Stil ist es
doch offensichtlich, aus Sounds, Samples, Geräuschen und eher
ungewöhnlichen Elementen eine schöne Melodie zu
schaffen?
Ernst: Ja ich bin
natürlich schon eher Elektronikbastler. Der einen bestimmten Stil hat, der
aber auch schon sehr auf Melodien geprägt ist. Und gerade natürlich
bei so einem Projekt wie Helium Vola vor allem auch durch die Schönheit
die von den Stimmen herkommt. Und versuche aber schon da eigene Wege zu gehen
und das nicht so in der üblichen Weise umzusetzen. Da bastele ich auch
schon immer ganz elend lange rum an diesen Sachen. Wobei ich gerade jetzt sagen
muss, dass ich natürlich auch versuche mich kompositorisch weiter zu
entwickeln und habe jetzt gerade auch in Richtung Mehrstimmigkeit und
Satzgesang und so gearbeitet. Mir also schon Mühe gegeben die Sachen neu
zu gestalten und ein bisserl voran zu kommen.
GW: Die Sachen also ein bisschen runder zu
machen?
Ernst: Das ist ja auch
wichtig!
GW: Irgendwo hast Du
auch mal gesagt, Du hast ein schier unerschöpfliches Archiv an Samples
Ernst: Naja, da habe ich
vielleicht nen bisschen angegeben, ne? Den Mund zu voll genommen.
(lacht)
GW:
Wenn Du jetzt an einem neuen Stück arbeitest. Ist da zuerst
eine Melodie, eine Idee, eine Linie wo Du dann in Deinem "schier
unerschöpflichen Archiv" nach den passenden Samples suchst? Oder ist es
eher umgekehrt dass Du irgendwelche Samples hast, bei denen Du denkst: "Au da
muss ich unbedingt was draus machen!"?
Ernst: Da müsste man doch nen Stück
draus machen können
. Jaaaa im Vorfeld denke ich das manchmal
so
bei so grundsätzlichem Material. Aber jetzt bei Helium Vola ist
das überhaupt nicht so! Da war es wirklich so, wie Du es zuerst gesagt
hast. Ich geh halt erstmal mit den Texten ins Café oder so und lass mir
die durch den Kopf gehen. Stell mir da irgendetwas zu vor und dann arbeite ich
es langsam musikalisch auf. Da ist dann schon zuerst immer Melodie, Harmonien,
Aufbau und so was da. Da mache ich dann immer so Skizzen, Klavierfassungen
davon. Und dann überlege ich! Dann durchforste ich so meine Sachen, was da
passen könnte, wie ich mir dass dann so hinbiege. Jau, dass ist so im
Grunde meine Arbeit.
GW: Dann
passt ja dazu der schöne Satz, der auch in dem Infozettel steht, dass Du
für die neue Helium Vola zum ersten Mal die Stücke in Notenschrift
verfasst hast, damit die anderen Musiker damit was anfangen können.
Ernst: Ja das stimmt ja auch
wieder nicht! Ich musste ja schon für die erste Helium Vola Noten
schreiben. Und für die Gastmusiker bei Lakeien muss ich die Sachen ja auch
schon so schreiben. Und früher als Jugendlicher habe ich eh viel
komponiert, da war ich ja mal auf sonem Trip mit klassischen Kompositionen und
so
da hab ich schon viel geschrieben. Klar, ich meine bei Deine Lakeien
so mit Alexander zusammen mache ich das nicht. Da würde es mir
höchstens als Gedächtnisstütze, oder wenn ich eine besondere
Idee habe, einfallen das irgendwie so aufzuschreiben. Wenn man dann Noten
sieht, kommt man auch auf ganz andere Ideen, als wenn man jetzt die Bilder
laufen lässt.
GW: Vor allem
für die Zusammenarbeit mit klassischen Musikern
notwendig?
Ernst: Sicher. Es ist
halt eine wahnsinnige Hilfe, als wenn ich es ihnen einfach nur vorspiele, die
spielen es nach und man bastelt da irgendwie dran rum. Vor allem für
mehrstimmigen Satzgesang, da muss ja irgendwo der Satz stimmen. Ich bin ja nun
auch Komponist und die wollen dass auch so. Klar dass sind klassisch
ausgebildete Sänger und die kriegen dadurch einen sehr schnellen Zugang zu
den Sachen. Wie sie es dann interpretieren, oder ob nicht sogar die eine oder
andere Note doch nicht so günstig ist, weil sie unter Umständen zu
hoch oder zu tief ist, dass sind dann natürlich die anderen Sachen, die
man zusammen macht.
GW: Worin
besteht eigentlich der Reiz in der Zusammenarbeit von sagen wir mal
avantgardistischer Elektronik mit klassischen Musikern,
Sängern?
Ernst: Es sind gar
nicht mal so sehr klassische Musiker dabei. Sondern, sagen wir mal die alte
Musik die ich sehr mag. Ab Monteverdi rückwärts, quasi. Vom
Mittelalter bis Renaissance und Frühbarock. Ich weiß nicht. Die
singen einfach anders. Ich meine Sabine singt nicht wie eine
Opernsängerin. Sie hat eine sehr schlanke Stimme und dass mag ich schon
wahnsinnig gerne. Diese Stimmen sind sehr beweglich. Ja und einfach die Art und
Weise wie sie es ausdrückt. Für mich hat das sehr viel
Ähnlichkeit mit keltischer Folklore. Es gibt so irische
Folksängerinnen die auch so in diese Richtung singen. Vielleicht nicht so
beweglich wie Sabine, mit so vielen Verzierungen, aber vom Gefühl her. Das
ist ein Gefühl was ich wahnsinnig mag. Ich muss zu meiner Schande gestehen
dass mir auch das "Balladenbuch" von Joan Baez sehr gefällt. Wo alle
anderen Leute sofort ein schiefes Gesicht kriegen. (lacht sich an der Stelle
fast kaputt). Ich hab sie schon lang nicht mehr gehört, was sie jetzt noch
so gemacht hat. Aber damals diese alten keltischen Balladen, dass hat mir
einfach gefallen. Ich hab einfach eine ganz große Liebe zu so sehr alter
Folkmusik. Speziell zu den schwermütigen Sachen. Nicht so zu den
"tamdaratei Tänzchen" und so. Das ist einfach so eine innere Beziehung,
das spüren auch andere Leute dieses Gefühl, was man bei der Musik
hat. Da ist auch viel weltfremdes irgendwo. Und das hat in dem Fall auch gar
nichts mit meiner klassischen Herkunft zu tun. Da bin ich eigentlich viel
später drauf gestoßen.
GW:
Also ich würde Helium Vola auch nicht in die Mittelalter
Ecke stecken wollen. Da sehe ich mehr so die trinkenden Jungs
Ernst: Ja so Corvus Corax
und sowas, das mag ich überhaupt nicht, musikalisch.
GW: Ich denke doch schon das Helium Vola einen
ganz anderen Ansatz verfolgen.
Ernst:
Ganz klar. Diese alten Texte
ich habe ja auch
überhaupt nichts historisches damit vor. Ich interpretiere diese Texte,
ich lege sie aus. Manchmal verfälsche ich sie auch von ihrem
ursprünglichen Gehalt in der Art und Weise wie ich sie anpacke. Aber das
mache ich eben so, ne.
GW: Ja
gut, aber da bist Du ja auch nicht der Erste. Gerade auch die "Carmina Burana"
von Orff, wenn die in Hollywoodfilmen eingesetzt wird, dann immer an so ganz
mystischen, sakralen Stellen, dabei sind das doch zum größten Teil
"Trinklieder".
Ernst: Ja von
allem eben. Eine Liedersammlung die der Orff damals vertont hat. Mit ganz
verschiedenen Fassetten. Der würde sich wahrscheinlich auch im Grabe
umdrehen wenn er sehen würde wie sein Werk da irgendeinen Endkampf
untermalt.
GW: Wo wir schon
dabei sind. Da die "Carmina Burana" ja auch in Latein ist. Deine Vorliebe
für diese alten Sprachen, lateinisch, alt-portugiesisch, alt-deutsch
entstammt die eher dem Klang dieser Sprachen, oder geht es da auch um den
Inhalt?
Ernst: Ja, das ist eine
gute Frage. Das kommt bei jeder Sprache auf so ganz bestimmte Sachen an. So
diese Troubadour Lieder, diese Geschichte dass man da Nachts mit de Geliebten
im Turm liegt und Morgens vom Ruf des Wächters geweckt wird, dass ist
für mich so eine typisch, provinzialische Atmosphäre. So die
französische Art eben. Beim Latein mache ich meistens etwas strengere
Rhythmen zu. Das ist ganz lustig. Es hat natürlich schon mit den Inhalten
zu tun, ich klopf die schon auch ab. Wenn man nach Gedichten schaut, die sich
von der Form her besonders gut für einen Song eignen, dann schau ich schon
inwieweit das jetzt auch thematisch passt. Vor allem auch inwieweit es für
mich auch irgendwie eine zeitlose Aussage ist.
GW: Latein hat ja auch gerade durch die
Verwendung in der christlichen Lithurgie eher etwas Sakrales
während
ja alt-portugiesisch eher schön, oder melancholisch klingt.
Ernst: Ja vor allem sehr
traurig. Das ist überhaupt die portugiesische Lyrik, ich habe da so einen
Band mit Lyrik aus allen Zeiten von Mittelalter bis Heute
die haben schon
einen sehr schwermütigen Touch die Portugiesen. Ganz anders als Spanien.
GW:
Thematisch wenn man sich das neue Album anhört, musikalisch
durch die Verwendung von wiederkehrenden Leitmotiven, handelt es sich ja schon
um ein Konzeptalbum. Würdest Du das auch für die textliche Ebene
sagen?
Ernst: Ja. Das ist
diesmal halt eine geschlossene Geschichte. Das hat sich halt so ergeben. Ich
dachte am Anfang auch, na ja ich pack da mal wieder nen bisschen CNN rein, und
dies und jenes, und da hatte ich ja auch Einiges. Ich wollte auch irgendwas mit
Raumfahrt und so machen, aber dann haben sich diese Frauenlieder so
dermaßen in den Vordergrund geschoben. Das kommt auch von der "Lillie
Marlene" Platte her, wo das eine Stück ja richtig lang drauf war und nicht
so in einzelnen Schnipseln wie jetzt auf "Liod". Und da kam ich dann
plötzlich darauf, ein Album über ein Frauenschicksal zu machen. Das
hat einfach viel mit Sabines Gesang zu tun. Und dann habe ich schon gezielt
solche Songs gesucht. Und das ist dann tatsächlich ne Geschichte geworden.
Das fängt halt an mit einem Lied über die hohe Liebe, dann kommt so
ein Frühlingsgetändel, sich Anlocken, dann gibt es eine richtig
deftige Verführung, Entjungferung, manche halten es auch für ne
Vergewaltigung
also ich weiß es nicht. Würde ich jetzt mal
nicht so sagen. Dann ist sie eben schwanger und mahnt IHN eben an, dass er sich
doch zurückhalten soll auf seinen Reisen
und er in seinem Lied singt
halt, tut ihm Leid, wenn er einen Rock sieht dann dreht er eben durch. Dann
kommt eben das Lied "Frauenklage" wo sie unehelich schwanger ist, was ich einen
enorm eindrucksvollen Text finde. Das ist so schlicht, so einfach und doch so
ergreifend beschrieben, in einer relativ nüchternen Sprache, was das eben
für ein Elend damals war, wenn man schwanger war ohne verheiratet zu sein.
Das war einfach ein Verbrechen, da war man definitiv unten durch und das Kind
eben auch, leider. Ja und dass Kind das kränkelt dann von Anfang an, das
hustet, ächzt rum, dann kommt das "Schlaflied"
das ist also die
Geschichte einer Frau und da habe ich so hinein gewoben die Geschichte des
Kindes. Das ist so angelegt dass das Kind im Grunde im ersten Stück schon
stirbt. Da fliegt dann so ein Vogel weg, so Vogelgesang als würde eben die
Seele irgendwo hinfliegen. Und dann stirbt es eben doch nicht. Weil ihm da in
Stück 19 so ein ganz lächerliches Gedicht einfällt. "Du
Dämon, du bist ja ein ganz dummer Wicht, vor dir habe ich überhaupt
keine Angst, du kannst ja nicht mal Schnurzpinzi sagen." Ich finde das total
infantil und albern, aber in dem Moment fand ich es total lustig, weil es diese
ganze verschwurbelte Geschichte, dieses ganze Unglück und Elend eben so
ganz lächerlich auflöst. Dann kommt so ein Frühlingslied und
alles ist wieder gut. Da ist dann ganz zum Schluss noch so ein Schnipsel
dran
ich weiß nicht ob Du das gehört hast
GW: Dazu wollte ich eigentlich auch erst am
Schluss was fragen, aber dann greifen wir es eben jetzt schon auf. Dieser
Schnipsel der nach dem letzten Stück kommt. Da baut sich mir folgendes
Bild auf: Ernst Horn steht in der Küche, räumt den
Geschirrspüler ein, pfeift dabei ein Lied, diese Melodie und sein Kind
kommt rein und sagt: "Hallo".
Ernst:
Ja genau! Exakt!
GW:
Die Frage die ich mir dabei stellte war. Bist Du jemand der
ständig ein Aufnahmegerät laufen lassen hat und auf der Suche nach
irgendwelchen Geräuschen ist, so dass vielleicht schon mal Deine Frau
sagt: "Ach Ernst jetzt mache die Kiste vielleicht lieber aus, dass musst du
nicht auch noch aufnehmen!"?
Ernst:
(Lacht) Nein, mache ich nicht! Nein, diesen Schnipsel habe ich
wirklich so aufgenommen. Ich habe die Sabine das Lied pfeifen lassen, hab dazu
dann selber nen bisschen in der Küche rumgewurschtelt und hab die Eva
(meine Tochter die auch dieses Gedicht da aufsagt) noch mal "Hallo" sagen
lassen. Weil ich einfach so dachte: Naja was man so alles ins Mittelalter so
reindichtet, die große mystische Erklärung, Hildegard von Bingen und
das alles, die ganzen Esoteriker der Welt kommen eingeschwebt in den Maitanz
usw. Und ich dachte einfach, so schön war es nicht. Am Schluss ist es eben
Alltag. Ein Kind großzuziehen, also eine Grippe ist ja heutzutage nicht
mehr lebensgefährlich, aber damals war es das schon. Ich weiß auch
nicht so richtig warum ich das gemacht habe. Irgendwie hatte ich das
Bedürfnis die Platte diesmal gut ausgehen zu lassen. Bei Lakeien haben wir
eigentlich immer ein schwermütiges Lied am Schluss. Bei der ersten Helium
Vola war es auch so. Da war es zwar ein "Maienlied" das aber so richtig
absäuft am Schluss und diesmal wollte ich nicht
ich weiß auch
nicht
ich kann kein Kind sterben lassen. Wenn man selber Kinder hat, wird
man da vielleicht nen bisschen empfindliche, ne. Ich dachte einfach das es ne
schöne Kehrtwendung ist.
GW:
Schauen wir ein wenig in die Zukunft. Ich habe Euch ja damals mit
dem Material vom ersten Album auf dem WGT gesehen, Trotzdem würde ich aber
sagen, dass Helium Vola nicht unbedingt eine Band, ein Projekt für ein
Festival, ja vielleicht nicht mal unbedingt für einen Club oder so ist. Wo
würdest Du Helium Vola am liebsten live sehen?
Ernst: Ach?... Ich müsst gar keinen
exklusiven Rahmen haben. Muss ich ganz ehrlich sagen. Ein guter Saal, eine gute
Halle wäre für mich in Ordnung. Wenn man da gutes Licht
reinhängen kann. In dem Moment wo es los geht und da ist die Optik dann
dabei, da ist man dann ja woanders. Dann muss ich jetzt nicht unbedingt ne
Kirche oder so was haben. Ich würde natürlich gerne eine Tour machen.
Die man richtig schön vorbereiten kann. Ich meine das vor zwei Jahren mit
dem WGT das war schon gut, um uns ein bisschen in Erinnerung zu bringen.
Wenigstens diesen einen Liveauftritt, ich wollte es einfach auch mal
ausprobieren und es hat ja eigentlich auch ganz gut geklappt alles. Aber ich
würde bei einer Tour gerne mehr eine optische Komponente dazu bringen. So
dass es schon noch so ein bisschen von einer Kunstperformance bekommt. Da
wären halt total interessante und spannende Sachen die man da machen
könnte. Und so was dann über eine Tour von zehn Konzerten oder so,
dass wäre schon sehr schön. Ist bei uns nur leider sehr schwer zu
organisieren. Es sind vier Sänger die alle sehr beschäftigt sind. Und
die alle unter einen Hut zu bringen ist eben sehr schwer.
GW: Also nicht in irgendeinem Konservatorium
oder Schloss auftreten?
Ernst:
Nein, gar nicht. Das ist eher was für akustische Sachen. Aber
wir arbeiten ja schon so dermaßen mit Licht, dass das drumherum
überhaupt nicht wichtig ist. Wenn die Bühne gut ist und die Akustik
gut ist und man auf die Bühne wirklich was hinstellen kann. Das ist dann
eher meine Idee dabei. Man könnte soviel machen. Ich könnte mir sogar
vorstellen mal was mit ner richtigen Band zu machen, mit Bass, Gitarre und
Schlagzeug
ach ja Ideen gibt's schon genug
GW: Also Träume und Ideen sind noch
genügend da?
Ernst: Auf
jeden Fall, aber für viele Sachen fehlt einfach auch die Zeit.
GW: Ja dann wünsche ich
Euch viel Erfolg mit dem Album und
Ernst: Danke.
Thomas Sabottka für
GothicWorld
HELIUM VOLA
"Liod" DEINE LAKAIEN
"Live DVD"
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