special:
JANUS / CHAMBER (L'Orchestre de Chambre
Noir) 09.04.04 Das Rind,
Rüsselsheim
Karfreitag: Die Christenheit zelebriert die Hinrichtung ihres
Heilands. In einem kleinen Club, nah gelegen am Ufer des Main, zelebriert die
"dunkle Szene" die Auferstehung. Jetzt schon? Nun, sie feiern ja nicht die
Auferstehung des Herrn, sondern die Rückkehr einer der faszinierendsten
Bands, die nach vier Jahren im Studio, und zweijähriger Liveabstinenz,
beschloss auf die Bretter zurückzukehren.
"Das Rind" ist ein
kleiner Club, in einem malerischen Fachwerkhaus gelegen, das die nahen Fluten
des Main einatmet. Nicht schwer diesen Club vollzukriegen, auch wenn es
für Janus (wie fast immer) ein Risiko ist auf die Bühne zu gehen. "Es
könnte ein geiles, aber auch ein total beschissenes Konzert werden." meint
RIG noch knapp anderthalb Stunden vor dem Gig. Die obligatorische
Nervosität und Schwierigkeiten, beim Soundcheck, fehlende Musiker, das
Ärgern mit dem Videoprojekter und die genervten Veranstalter, die die
Türen öffnen wollen.
Aber zur Unterstützung der
Rückkehr, haben sich Janus die live(kampf)erpropten Damen und Herren des
"schwarzen Kammerorchesters" eingeladen. Keine Frage, das CHAMBER fast
schon spielend, nach Beginn und den ersten Songs das Publikum im Griff haben.
In gewohnt unterhaltsamer Weise gibt es eine Unterrichtsstunde im Spannen von
Seiten, dem Stimmen von Instrumenten, dem Anpreisen von alkoholischen
Getränken und angedeuteten Stripeinlagen. Unterbrochen nur gelegentlich,
von Songs ihrer beiden offiziellen Alben und wenigen Ausflügen in die
Zukunft. Sprich, das im Herbst erscheinende neue Werk. Nach dem Ausstieg von
Frauke gibt's nun auch in der Streicherfraktion ein neues Gesicht, das sich
aber mindestens genauso gut ins Bild- und Tongefüge einpasst, wie weilend
der neue Gitarrist Ralph. Max, als Confroncier und Entertainer, gewohnt
unterhaltsam, mit Weaner Schmäh, die Massendirigierend, war der erste
Höhepunkt "Ceremony after a Fire Raid".
Der Song, bei dem spätestens alle im Publikum ausrasten,
steigen CHAMBER doch hier vom Kammerorchester fast zum Heavy Metal Act
auf. Diesmal noch gesteigert durch den Gastauftritt von RIG, der wieder einmal
unter Beweis stellte, dass kaum ein Sänger neben ihm besteht. Klang es
auch hin und wieder etwas schief wie bei der Coverversion von Rammsteins
"Engel", wurde da und dort mal neben die Seiten gegriffen, so verstanden
es Chamber, gewohnt professionell und charmant, das Publikum in eine
schweißtreibende Show einzufügen, die zwischen leisen Tönen,
lauten Attacken, immer noch klassisch und doch rockig bald zwei Stunden zu
begeistern wusste. Müssig darüber noch Worte zu verlieren.
Auch wenn man das Gefühl hatte, Max war etwas angeschlagen, CHAMBER
sind und bleiben einer der besten Liveacts der Musikszene, was sie wieder
einmal eindrucksvoll unter Beweis stellten.
Nach dem das
umfangreiche, die Bühne vollstellende, klassische Instrumentarium des
L'Orchestre de Chambre Noir abgebaut war, wurde dann gegen 23:30 schon optisch
klar, das JANUS ein anderes Programm fahren werden. Nur Tobis Keyboards,
ein Schlagzeug, Platz für Gitarristen und Basser und natürlich das
Mikrophon für Stimmwunder RIG. Gegen Mitternacht war es dann soweit. Trotz
des Feiertagwochenendes, war "Das Rind" inzwischen etwas leerer, viele
Ältere und Langhaarige belagerten die Bühne, als endlich der Prolog
zu "Auferstehung" erklang. Schon mit "Paulas Spiel" wurde klar wo
hier der Hammer hängt. Von dem bombastisch, verspielten, klassisch
arrangierten Album bleibt auf der Bühne ein Gerüst aus Gitarre,
Schlagzeug, Bass, das einem Brett gleich, das Publikum an die Wand drückt,
ja weg fegt. JANUS sind live eine Rockband, die man früher schon
mal als "Rammstein 2" bezeichnet hat, was aber ungerecht ist. Obwohl die
Lautstärke und Kraft die von der Bühne kam, schon Ähnlichkeiten
aufwies.
Es flogen die Haare im Publikum beim
Headbangen, RIG zelebrierte mit gewohnt, manischen Gesichtsausdruck, lautstark,
aber auch verblüffend sanft und leise, neben den Stücken vom neuen
Album, natürlich auch Klassiker wie "Verflucht" oder
"Vater". Sehr gelungen der ironische Einwurf ob denn jemand
"Seitenspiel" hören wolle, und wenn, dann soll er gefälligst nach
Hause gehen und die CD hören. JANUS sind zurück. Brachial,
mächtig, laut, gewaltig, manchmal verblüffend leise, doch immer ihrem
eigenen Anspruch genügend. "Janus muss wieder rocken!" Schade, dass es
kaum grünes Licht für Sänger Hulk gab, dafür erinnerte er
einige im Publikum auch schon an Andi Skerksis, sprich Gollum. Für den
Fall also das JANUS mal müde werden, die Betätigungen für
RIG sind vielfältig.
Das
er mit einem Damenslip beworfen wurde, war zwar auch RIG offensichtlich etwas
unheimlich. Aber insgesamt wurde schweißtreibend gerockt, dass man die
Mauern des ehrwürdigen Rind schon einstürzen sah. Auch wenn mir
persönlich die leise CD Version von gerade "Kleine Ängste"
besser gefällt, als die brachiale Heavy Nummer auf der Bühne, so
boten JANUS ein beeindruckendes Comeback auf die Bretter die die Welt
bedeuten. Etwas unvorbereitet spielten sie während der Zugaben zwei Titel
noch einmal bevor sie dann in einer fulminanten Longversion von
"Knochenhaus" endeten. Anfänglich im funkigen Gewand, wurde der
Song mit den Freejazzimprovisationen des Gitarristen am langzelebrierten Ende
schon fast zu einer Pink Floyd Nummer.
Mein Traum wäre ja noch
immer, dass JANUS mit "Auferstehung" in voller Besetzung mit Chor
und Orchester auf der Bühne stehen würden, um auch den leisen
Tönen Raum zu bieten... aber so... wenn der oben erwähnte Herr damals
mit JANUS auferstanden wäre, dann hätte niemand daran
gezweifelt dass er zurück gekommen ist. Für JANUS jedenfalls,
gab es keinen Zweifel. Sie sind wieder da. Auferstanden in einer Kakophonie aus
musikalischem Feuerwerk vor dem man sich nur noch ehrfürchtig verbeugen
kann.
Ivo Klassmann
& Thomas Sabottka für
GOTHICWORLD
Fotos von Ivo Klassmann
Review "Auferstehung" JANUS-Studioreport
CHAMBER:
www.chamber-online.de JANUS:
www.knochenhaus.de |