special:
ASP / THE ORDER OF LUST 25.06.2004 - Audion, Hanau
Heimspiel: Die
deutsche Nationalelf verlässt Portugal um in die heimischen Gefilde
zurück zu kehren, an anderer Stelle versammeln sich ebenfalls einige Jungs
mit kräftigen Waden um den Heimvorteil auszukosten. Nicht allzu weit
von ihrer Heimatstadt entfernt, auch wenn es den durchschnittlichen Frankfurter
eher nur widerstrebend nach Hanau treibt, war es denn doch eines der wenigen
Konzerte der GothicPunk'nRoller ASP, dass sie wenigstens in der Nähe von
Mainhatten gaben.
Lag es an den seltsamen regionalpatriotischen
Befindlichkeiten, denn das Audion hätte gut und gerne noch einmal die
selbe Zahl an Gästen aufnehmen können als die schon vorhandenen.
Jedenfalls stand dieser Abend ganz im Zeichen eines Familienfestes. Nicht
nur etliche befreundete Musiker waren im Publikum zu entdecken, sondern auch
das eine oder andere Gesicht, dem man bei so ziemlich jedem ASP oder
Chamber-Gig über den Weg läuft.
Das große Rätsel des Abends war auch weniger das
Heimspiel des schwarzen Schmetterlings, sondern jene Band die im Vorfeld als
Chamber Sideprojekt angekündigt, als Zwinger f.k.a.
Eisenherz auftrat. Schnell stellte sich dann heraus, dass diese Band
aber auch The Order Of Lust heißen könnte, oder ganz anders.
Hanau?
Pünktlich um 21:45 betraten Marcus Testory am Micro, Ralph
Hübner an der Gitarre (Chamber), Oliver Himmighoffen am Drumset
(ASP) und noch ein Gitarrist, ein Bassist und ein Keyboarder die
Bühne um eine gehörige Portion Rock auf das Publikum
abzufeuern.
Breite Gitarrenwände, durch treibende
Synthieklänge, donnerndes Schlagzeug angetrieben, und die unnachahmliche
Bassstimme des Chamber Frontmannes, machten sehr schnell klar was die
Intention hinter diesem Projekt ist. An der Schnittstelle von Neuer Deutscher
Härte (trotz vorwiegend englischer Lyrics), Nu Metal und Rock'n Roll
bewiesen zunächst einmal dass es sich bei allen Protagonisten um
handwerklich perfekte Musiker handelt. Spaß war das zweite bestimmende
Kriterium.
Gerade bei Hr. Testory und Hr. Hübner hatte man den
Eindruck, dass sie sich mit diesem Projekt "endlich" von den filigranen
Klängen des schwarzen Kammerorchesters regelrecht befreien wollten, um
eindrucksvoll unter Beweis zu stellen, dass sie im tiefsten Innern einfach nur
Rocker sind. Schweißtreibende Show, große Gesten, das ganze
Programm einer Rockshow, mit Gitarrenduellen, vorwärtspeitschendem
Schlagzeug und in die Höhe gereckten Fäusten rissen das
unvorbereitete Publikum sehr schnell mit und wussten zu begeistern.
Das Humor, vor allem aber Hr. Testorys
Vorliebe für illustre Gäste auch bei The Order Of Lust immer
noch groß geschrieben wird, bewies der Gastauftritt, einer schon vorher
im Publikum gesehenen, aber nicht für wahr gehaltenen Dame bei den letzten
beiden Titeln des Programms.
Niemand Geringeres als Frau Sissi Perlinger
selbst, enterte die Bühne im Leopardendress und gab eine stimmliche
Mischung aus NINA HAGEN (bezeichnete sich selbst als deren Ausgabe für
Arme) und ANNETTE HUMPE, bewies ihre Bühnen Qualitäten als
Kabarettistin und Entertainerin, die
offensichtlich vor nichts zurückschreckt.
Mag den Einen oder Anderen ihr Auftritt eher anbiedernd erschienen
sein, ihre stimmliche Wucht erschreckend und ungewöhnlich, so war der
Spassfaktor doch offensichtlich und man muss Frau Perlinger zwei Dinge zu Gute
halten. Dass sie an diesem Event überhaupt teilgenommen hat (immerhin
bewegt sie sich in einer ganz anderen Liga!) und dass sie (noch nicht) im
Dschungelcamp war. Trotz ihres Outfits (!)
genehmigt, angesichts ihrer
Verbeugung ans Publikum welches einen für Sie bisher unbekannt hohen
Styling-Faktor aufwies. Vielleicht gibt's ja Quatsch-Comedy demnächst auch
mal in Lack und Rüschen?
Fulminant verabschiedeten sich The
Order Of Lust mit einem kabarettreifen "Alptraum" Duett zwischen Fr.
Perlinger und Hr. Testory vor dem man einfach nur den Hut ziehen konnte um ohne
Zugabe zu verschwinden. Dieser letzte Punkt aber umso verzeihlicher, als dass
zwei der Musiker knapp eine Stunde später erneut auf der Bühne stehen
würden.
Was soll man eigentlich noch zu einem Konzert des
schwarzen Schmetterlings und seiner Mannen sagen? Das sie eine Rock'nRoll Band
sind die es Live richtig krachen lässt? Das Tosser sich inzwischen sogar
mal bewegt? Das Matthias Ambré immer mehr zum posenden Gitarrero
erwachsen ist? Das Max durch den vorhergegenden Auftritt schon sichtlich
geschwächt war? Das Asp selbst ein charismatisches Bühnentier ist,
der sein Publikum vom ersten Takt an im Griff hat?
Das der inzwischen
aufgetaute Chor des Publikums wirklich alles gab? Das sie insgesamt entspannter
als bei so manch anderer großen Show waren? Selbst das Vergessen von
Textzeilen geschickt umschifft und mit Humor und Improvisationsvermögen
gar zum Highlight wurde? Auch das der Asp kurz klarstellen wollte wer der wahre
Metaller in der Band ist und durchaus akzentfrei growlen kann? Natürlich
so ziemlich die genaue Setlist der "Weltunter" Tour gespielt wurde?
"Ich will brennen" erst im zweiten Zugabenblock gespielt wurde
und sich inzwischen zum Schlachtruf der Fans, anstelle des obligatorischen
"Zugabe, Zugabe, Zugabe" entwickelt hat? Es immer wieder ein Erlebnis ist so
handwerklich perfekte und gestandene Musiker zu sehen, die mit Spaß und
Energie an jedes Konzert herangehen und aus sich und dem Publikum alles
rausholen?
Das Fans und Zaungäste mitsangen, tanzten, pogten bis
sich die Deckenbalken bogen? Alle Musiker erneut Fannähe bewiesen und sich
wenige Minuten nach dem Konzert durchgeschwitzt, zum Autorgramme schreiben und
Smalltalk am Merchandisingstand einfanden?
Das alles und noch viel
mehr, würd ich schreiben wenn ich ein ASP Fan wär! Da ich
aber nur ein bemüht unabhängiger Schreiberling bin, sage ich nur
soviel. Danke für diesen Abend, an dem ich mich so wohl wie schon lange
nicht mehr gefühlt habe.
Thomas Sabottka &
Ivo Klassmann für
GOTHICWORLD
Fotos von Ivo Klassmann
Interview
mit ASP (Okt.2003) CHAMBER /
JANUS April 2004 live in Rüsselsheim
ASP:
www.thetalesofasp.com CHAMBER:
www.chamber-online.de |