special:
ZILLO-FESTIVAL 2004 16.-18.07.2004 Loreley - St. Goarshausen
"Auferstehung, Mythen und Rausch
"
... waren die Fixpunkte dieses Festivals inmitten einer der
romantischsten deutschen Kulturlandschaften, mit Weinbergen die bis ans
Flussufer reichen, verzauberten Örtchen & mehr als 20 Burgen. Das
alles & noch einen sagenumwobenen Felsen obendrauf gönnte man sich
& seinen treuen Lesern zum Doppeljubiläum.
15 Jahre ist es
her, dass die Lübecker Diskothek "Zillo" die Herausgabe seines
Independent-Fan-Magazins in Angriff nahm & inzwischen bundesweit zum
szeneübergreifenden Referenzmedium wurde.
Zum 10ten Mal, seit den
93er Tagen in Durmersheim werden all die Stars der Fotostrecken & Sampler
zur Pflicht auf die Bühnenbretter gerufen. Kein leichtes Unterfangen in
rauen Zeiten der stetig hinzukommenden Mitbewerber & grassierender medialer
Enthaltsamkeit. Dennoch bot man ca. 8000 Besuchern, nach einem langen Jahr
Atempause, geniale Organisation, freundlichstes Security- & Servicepersonal
& ausnahmslos DEATHLY GOOD MUSIC!
Freitagnachmittag,
... ... nachdem die "Ärzte" heute Darmstadt für unrockbar
erklärten & dadurch dicke Staus an allen Ein- & Ausfahrten
provozierten, wird es Zeit für mich an den nahen Rhein zu kommen. Allein
die knapp 40 Minuten Fahrt durch den Rheingau sind wie komprimierter Urlaub,
immer dem Flussverlauf folgend steht der Felsen plötzlich vor einem,
schiebt scheinbar majestätisch das Tal noch enger zusammen &
lockt
oben angekommen & die herzlichen
Begrüßungsinstruktionen am Pressecontainer verinnerlicht, liegt das
Amphitheater noch überschaubar in der flirrenden warmen Luft. Noch nicht
allzu viele Jungfrauen treten in den Wettstreit mit der seit Clemens Brentanos
Roman "Godwi oder das steinerne Bild der Mutter" weltbekannten Lore Ley auf.
Eine märchenhafte Fantasiegestalt wie man weis & dennoch passend zu
diesem Kultort der alten Germanen. Schnell noch ein Bummel durch die
Marketender-Zelte & dann zum Treffpunkt mit Kollege Silvio. Doch der kommt
nicht
kommt nicht durch all die vielen Ferienstaus seiner fast 1000 km
langen Anreise. Also heißt es zunächst allein die angekündigten
4 Newcomer im Contest begutachten. 4 Starter wie sie unterschiedlicher kaum
sein könnten, dies macht den Reiz - auch des Festivals & seines
vielfältig gemischten Line-Up's - aus. (IK)
18 Uhr & pünktlich wie ein Schweizer
Uhrwerk nehmen die METALLSPÜRHUNDE Witterung auf. Kaum
erschnüffelten sie prompte Begeisterung für Blut und
Spiele' ließen sie im Anschluss ihre Melodien für den
Maschinenstaat' von der Leine. Michel Frasse war in einem
früheren Leben sicher kein behäbiger Berner-Senn-Hund, er wirbelte
über die Bühne & verbreitete sichtlich Spaß mit seinem
Industrialrock-Futter. Assoziationen zum deutschen NuMetal kommen hier & da
auf, beschränken sich aber nicht auf bloßes auf der Welle reiten. Es
ist schwer ein Festival zu eröffnen, erst recht für einen Newcomer.
Doch diese hier apportierten sofort ihr Publikum, & soviel sei schon an
dieser Stelle verraten, sie packten sich auch verdienter Maßen den Sieg
im Contest. Glückwunsch!
Eine
dreiviertel Stunde später, dann MOONRISE aus Hamburg. Ruhiger,
schöner Gothic-Rock der geliebten Musikern aus früheren Tagen in
nichts an Intensität & Gefühl nachsteht. Auch hier nur positive
Reaktionen aus dem Publikum, selbst als sie Das Messer'
auspackten
Die reichliche halbe Stunde vergeht wie im Flug &
hoffentlich hören wir bald mehr von diesen beseelten
Nordlichtern.
Nächster Act, gleicher Aufruf für die
Stimmzettel. Die Münsteraner Metaler MOURNING CARESS griffen zur
Dampframme. Diese bedienten sie im Stile des 80er Poser-Metals & machten
sich nicht viele Freunde. Trotz einem doppelten "Danke, Zillo" nach jedem Song
& der persönlichen Widmung ihres letzten Liedes Creative'
für den Zillo-Chefredakteur drangen ihre Spielfreunde bei der Mehrheit in
der Arena nicht durch. Auch mir ging ein leises "ich weis nicht was soll es
bedeuten" durch den Kopf. Doch damit währen wir schon bei Heinrich Heine,
dem Zweiten in der Runde der berühmten Loreley Verehrer
Eigentlich sollte jetzt der letzte Act des Contest antreten, doch
von der Bühne erklang zur Begrüßung ein "Hallo wir sind ABBA".
Jetzt schon Line-Up Änderung? Nein, denn wenn das weiß-pink
Geschminkte da vorn nicht Agnetha auf Meskalin war
konnten es nur
PHILIAE, ebenfalls aus Hamburg, sein. Schockrock a la Manson, mit Hang
zu ausuferndem Spaß an ihrer Musik selbst. Oder einfach nur bitchy
Elektro-Punk mit einer Schippe zuviel Gitarren & einer charismatischen Jane
Doe am Mikro. Leider sind sie hier nicht siegreich als Golden God'
aus der Arena gezogen, verdient hätten sie es ebenso.
Kurz nach 9,
langsam fängt es an zu dämmern & ein aufmerksamer
Rot-Kreuz-Helfer verteilt Ohropax-Stöpsel an Fans der ersten Stunde vor
der Bühne. Wie schon beim diesjährigen WGT waren Kleinkinder im
Publikum durchaus keine seltenen Zaungäste mehr. Ein weiterer "Newcomer"
entpuppt sich als ganz alter Hasenstall. NFD nennt sich die
Schöpfung aus ehemaligen FIELDS OF THE NEPHILIM, THE NEFILIM &
SENSORIUM Musikern.Break the Silence' wird mit modernem
Sampling-Intro erreicht
doch dann huldigt man ungeniert dem Sound Carl
McCoy's aufs Feinste. Im Nachhinein würde ich die erst ein Jahr bestehende
Band als moderne, logische Fortführung der Fields bezeichnen. Trotz 3, 4
Metal-Riffs & immer wieder ein paar Industrial-Sprenkel glaubte man, einer
Session der SISTERS OF MERCY & den FIELDS beizuwohnen. Kraftvoll &
melancholisch zugleich beeindruckte Frontmann Peter White (dessen Stimme etwas
leise abgemischt war) mit Songs wie Moonchild' &
Awaken'.
Die Reaktionen vom Publikum hatten eine
Bandbreite zwischen stiller Andacht und tosendem Beifall um zum Abschluss
vollends begeistert den dargebotenen Perlen aus der FIELDS-Schatzkiste zu
lauschen. Ein wunderschöner Übergang zum ersten Headliner dieses
Festivals. UMBRA ET IMAGO, schon eine ebensolche Kultband, waren bereits
auf dem ersten Zillo-Festival am Start. Leider durfte ich dem Auftritt von
Mozart & seinen Gespielinnen nicht beiwohnen, für alle
"Heimscheißer" ging 23 Uhr die letzte Fähre über den Rhein.
Doch auf dem Weg nach unten & im Ort selbst konnte man Sweet
Gwendoline' deutlich vernehmen. Das Echo im Rheintal ist beeindruckend
& scherzhaft sinniert man ob in Darmstadt grad eine Nummer gleichen Namens
von den Ärzten läuft
(IK)
Tja, was kann ich
vom ersten Tag erzählen? Während meiner über elf-stündigen
Anfahrt, zweifelte ich schon etwas an meiner anfangs so tollen Idee zum
Zillo-Festival zu fahren. Etwa 850 km mußte ich in meiner alten
Mühle von Auto zurücklegen, wofür ich auch zurecht von meiner
mich begleitenden Freundin fast gelüncht wäre. Etwas später als
geplant losgekommen und dann noch in den Stau geraten, kamen wir leider erst
nach Mitternacht auf der Loreley an. Die Bands hatten ihr Set alle schon
beendet und auch für uns war dieser Abend gelaufen. Erstaunlicherweise
hatte das Kärtchenhäuschen noch auf, so daß wir noch unsere
Bänder bekamen. Leider sagte man uns, daß der Zeltplatz voll sei, so
daß wir unser Zelt auf dem Parkplatz neben unserem Auto aufbauten und
unsere müden Körper niederlegten. Das war Tag Eins. Es konnte nur
besser werden... (SW)
Zillo Tach zwo ... ... beginnt mit einem Schmunzeln.
Die gesamte Uferpromenade entlang stehen Busse mit Transfer-Schildern für
den "ZDF-Fernsehgarten". Wer wird hier wohl wen gruseliger finden? Ein
Schmunzeln konnte ich mir noch nicht entlocken, als aufgebrachte Autofahrer
mich weckten und dazu aufforderten mein Zelt aus dem Weg zu räumen.
Natürlich verständlich, denn ich versperrte die einzige Durchfahrt.
Da ich nun einmal hier war, machte ich mich leidlich frisch und pilgerte zur
Bühne. Pünktlich um 12 Uhr eröffneten SEROTONINE das
Programm. Etwas laut für diese frühe Stunde, aber vielleicht
versuchte man damit die noch mager gesäten Besucher zu locken. Die
Stuttgarter Band bot gute handgemachte Musik und ohne viel Schnick-Schnack
wurde gerockt. Nett, aber für alle, die später kamen: Verpaßt
habt Ihr nichts! Ein guter Opener ohne nennenswerte Höhepunkte.
Eine ganz andere Liga betrat mit FAUN die Bühne. Kannte ich
sie bis dahin nur von ihren Alben, stellten auch sie unter Beweis, daß
diese mittelalterorientierte Musik ihre volle Kraft erst live auf der
Bühne entfaltet. Das Münchner Ensemble spielte ihre alten Instrumente
wie Dudelsack, Flöte und einiges mehr mit so viel Leidenschaft und
Spielfreude, so daß die Musik viel lebendiger und mitreißender als
auf Platte klang. Zu recht werden sie als absoluter Geheimtip in der
Mittelalterszene gehandelt. Im Gegensatz zu anderen bekannten Bands schaffen
sie es ohne unnötiges Gitarrengeschrammel mit eingängigen Melodien,
die Leute zum Tanzen zu animieren. Leider begann mit der Musik auch der Regen,
was dazu führte, daß einige Leute flüchteten. Trotzdem spielten
sie ihr Set und die im Verlauf des Tages mehr werdenden
FAUN-Shirt-Träger bestätigten, daß ich nicht der einzige
war, dem dieser Auftritt gefallen hat. (SW)
Ein allseits bekannter Herr mit österreichischem Dialekt
eröffnete den Nachmittag. Keine Kaffeehaus-Lieder vom schwarzen
Kammerorchester
CHAMBER rockt! Max bestellte noch mehr Power auf
seinen Monitor & Drummer Christoph Aschauer, nun bereits zum 2ten als
Live-Unterstützung dabei, hielt die Taktstöcke fest in seinen
Händen. Ja sie klingen anders & ja, es ist nicht nur diese
verträumte Atmosphäre durch welche CHAMBER sonst besticht.
Aber vorwärts geht's immer & vor solch einer Kulisse wären
zurückhaltende Töne vielleicht Miles away' untergegangen. Mir
gefiel diese Art des Arrangements außerordentlich gut & irgendwann
werden kommende kleine, feine Kammerkonzerte auch als solche Ausnahmen
gewürdigt. G'hupft wie g'hatscht, dass sie vielfältig sind, wurde
schon oft unter Beweis gestellt & das hier war live, Zillo
wie der
inzwischen einsetzende Regen auch verdeutlichte.
Mit dem Umbau kam die Sonne wieder & richtig heiß
werden sollte es mit dem nun kommenden Act. [:S.I.T.D:] sind inzwischen
von keinem großen Event mehr weg zu denken. Heute eröffneten sie
etwas ruhiger mit Lebensborn'. Es war ein insgesamt sehr sportiver
Auftritt mit gekonnter Rolle rückwärts, Umkleideaktion mit
Suicide-Commando-Shirts, auch Tom am Mikro bei Wake Up' einer
Remixversion für Psychobitch & weniger martialischem Sound.
Rose-Coloures Skies' wurde als sehr persönlicher Titel
angekündigt. Trotz sengender Hitze ließen sich die Girlies nicht vom
exzessiven tanzen abhalten, die Snuff Machinery' läuft weiter
wie geschmiert
Später Nachmittag &
die nächsten Herrn der alten Garde, auch DAS ICH war bereits zur
ersten Auflage dieses Festivals dabei. In der Ansage werden all die
Welttourneen & exotischen Orte genannt in denen die 3 bisher erfolgreich
waren. Stefan gab den rot getünchten Kindergott', Bruno &
Kain wechselten wie immer die Positionen im Synthie-Karussell. Härter als
auf Tönträgern trugen sie ihre größten Hits vor, um nach
Gottes Tod' ein Statement zum Festival & zur Szene abzugeben.
Die Wiederauferstehung des einzig wahren deutschen Underground-Festivals sahen
sie als Erfolg der Fans, denen sie noch ein pädagogisches "Nein Danke,
Nazis & Mainstream" anfügten. Dem abschließende Ruf nach
Destillat' wurde weitläufig & wachsender Begeisterung Folge
geleistet.
Das SUICIDE
COMMANDO sorgte danach wieder für Ernüchterung. Johan van Roy
machte gleich zu Beginn auf Aggro & warf die Mikrofonständer der Reihe
nach um. Den Cause of Death' begleitete erstmals Beam von
Feindflug an den Live-Drums. Die Sterbehilfe' beinhaltete fast nur
Songs jüngeren Datums & klang entschieden ausgereifter, satter als
kürzlich noch auf dem WGT. Passend zur Sick in your Mind'
Coverversion von Klinik wurde Johan in eine Zwangsjacke gesteckt. Ein
Kleidungsstück in den ihm viele Freunde des handgemachten sehen
wollten
Bereits im
Vorfeld gab es diverseste Änderungen im Festival-Line-Up, so auch
heute
die Crüxshadows wurden auf den Sonntag verlegt & endlich
standen Hollywoods schönste Schockrocker auf der Bühne! Eddie Hawkins
von LONDON AFTER MIDNIGHT schoss erstmal ein Foto vom Publikum bevor er
zur Gitarre griff & Geburtstagskind Sean Brennan den weiblichen Anteil
total zur Verzückung brachte. Irgendwie ist das Bild von Deutschland in
den Hills noch ein altes, denn ein fast 3 Minuten grüßte ein
ehemaliger Führer vom Band. Danach, Glam-Goth-Rock par excellence. Kein
Hit der letzten 14 Jahre wurde ausgelassen, selbst Revenge' kam
hier nochmals zu Live-Ehren. Nach dem Kiss' kam dann Sean's Frage
nach seinem Geburtstagsgeschenk. Der Schönling, der inzwischen auch schon
ein Bäuchlein vor sich herschiebt, durfte sich halbwegs über's
Geburtstagsständchen vom Publikum freuen & spielte die 2 Songs vom
kommenden Album gleich mit viel mehr Schmackes.
Pünktlich zur Dämmerung trat Jungvolk-Liebling
BLUTENGEL auf die Bühne. Über deren musikalischen
Qualitäten kann man ja stundenlange Diskussionen führen, aber Live
zelebrieren sie immer noch ein anschauliches Konzept mit Feuerwerk, Klischees
& weiblicher Nächstenliebe in Perfektion. Die ersten Töne des
2ten Songs Bloody Pleasures' erklangen & eine tiefschwarze
Wolke zog über die Arena. Kurze Ansätze eines Sturms & dann goss
es wie aus Gießkannen. Sängerin Constanze hatte alle Mühe sich
auf der Bühne zu halten, die meisten flüchteten in Richtung mobile
Theke, doch die Youngsters trällerten all die blutigen Pophymnen
unverdrossen weiter mit. Dem Security-Mann am rechten Bühnenrand schien's
nicht geheuer & verleitete ihn wohl zum süffisanten Kommentar:
"Blasphemie wird hier umgehend bestraft"! Trotz des Sauwetters bestand das
Publikum auf die geplanten Zugaben, auch wenn Chris Pohl etwas scheinheilig
fragte, ob man sich dies wirklich antun wolle. Blutengel weg, Regen weg. Das
Rheintal erstrahlte Blutrot im Sonnenuntergang
Unsagbar lange Umbaupause für ALIEN SEX
FIEND, die Bühne wurde inzwischen adrett mit Skulls, Spinnennetzen
& beschmierten Schneiderpuppen drapiert. Nach einer halben Stunde dann die
ersten Töne des Intro's & aus. Hektik bei den Technikern & eine
komplette Unit von Mrs. Fiend wurde ausgetauscht & der einzige Auftritt in
Deutschland begann erneut. Seit 22 Jahren auf der Bühne & hier von
seinen zahlreichen Fans mit Plastikbananen begrüßt, gab Nik Fiend
seinen bisherigen Werdegang in dickster Zombie-Schminke zum Vortrag. I
Walk The Line' sollte hier wohl heißen, nichts hat sich
geändert. Doch erstmals war Slice, der fettleibige Gitarrist im
Butcher-Look dabei & verlieh den angestaubten Catch 22'
& Now I'm Feeling Zombified' ein Rockimage jenseits der
spukigen 80er. Der abgerissene Reverend proklamierte zwischendurch immer wieder
mal Thesen aus seiner Version der Bibel, trat Mülltonnen mit
Plastik-Knochen & Schädeln um. Diese kickte er dann Beckham-like ins
Publikum & ließ sich von nicht enden wollenden psychedelischen
Passagen seiner Gattin begleiten. Dieser Auftritt war wohl der am meisten
besuchte dieses Festivals & lockte auch kleine Monster aus dem nahen
Holland & Frankreich an. Wer will auch nochmals 5 Jahre auf solch ein
schaurigschönes Spektakel warten.
Headliner
für Freunde des expressiven Industrial/Electro waren kurz vor Mitternacht
die Kanadier SKINNY PUPPY. Farbenfroher Wechsel der Jahreszeiten auf
einem riesigem Screen begleiteten den Epilog'. Bereits zu
dOwnsizer' stieg kurz die zweihalsige Gitarre aus, um danach das
Konzert hörbar zu dominieren. Erst zum 3ten Song I´mmortal'
begann der "tierische Auftritt" von Nivek Ogre. Das Fabelwesen aus Binden,
Patches & Schnabel wand sich schreiend über die Bühne,
drückte markanten Pro-Test' aus & wurde mittels
BühnenCam immer wieder in die Screen-Inszenierung aus Krieg, Insekten,
Explosionen & Leichenteilen `rein geschnitten. Immer noch surreal wirkten
die Einlagen wie Kunstbluttaufe fürs Publikum und der Bondage-Einlage mit
einem Polizei- Absperrungsband, trotz des in Richtung NuMetal orientierten
Sounds. Die filigranen Samples der vorwiegend gespielten Klassiker fehlten bzw.
waren trotz erheblicher Lautstärke nicht zu vernehmen. Den
spektakulären Abschluss macht der Klassiker The Choke' als
Remineszens an altgediente Maggots. (IK)
Sonntag, im wahrsten Sinne des Wortes
Die erste Band des Sonntags war für mich ein kleiner
Höhepunkt des gesamten Festivals. GÖTTERDÄMMERUNG gaben
nämlich ihr einziges Konzert in diesem Jahr und so nutzten einige die
Chance die drei Holländer ein mal live zu erleben. Schnell machten sie mit
ihrer Interpretation des Sisters-Songs "Good Things" klar, wer ihre
musikalischen Vorbilder sind. Die klassicher Besetzung mit Gitarre, Baß
und Drumcomputer und das entsprechende Outfit der Herren versprühte einen
leicht nostalgischen Charme, der an die goldenen Zeiten des UK-Goth erinnerte.
Natürlich durfte die klassische Nebelmaschine dabei nicht fehlen, wodurch
zu dieser Tagezeit jedoch nicht so viel Atmosphäre geschaffen wurde, zu
mal die Sonne mit voller Kraft schien. So entschloß sich der Sänger
kurzerhand das gute Gerät die Treppen hinunter zu werfen. That's Rock
n' Roll.
Nach der kargen Bühnenbelegeung von
Götterdämmerung füllte sich diese mit der sechsköpfigen
Formation AFTER FOREVER. Gothic-Metal in Reinkultur und so gestaltete
sich auch der Bühenauftritt nach bekanntem Schema. Mehrere langhaarige
Herren stehen breitbeinig da und spielen voller Inbrunst auf ihrer Gitarre.
Dazu eine Sängerin, die wild gestikulierend den ihr zur Verfügung
stehenden Platz voll ausnutzte. Dabei überzeugte Floor Jansen mit ihrer
kraftvollen Stimme, die sich jedoch nur wenig von üblichen
Goth-Metal-Frauen-Stimmen unterschied. Faszinierender Weise änderte sich
das beim Iron Maiden Cover, bei dem man stellenweise dachte, Bruce Dickinson zu
hören. Natürlich durfte der männliche Gegenpart nicht fehlen,
der in diesem Falle relativ abwechslungsreich ausfiel. Auch ohne große
Innovation war das Publikum von den Holländern begeistert. Insgesamt ein
guter Auftritt, der für Stimmung sorgte.
An dieser Stelle von mir ein kleines Resümee, da ich nach
dem Auftritt der DEATHSTARS meine sieben Sachen packte und die Heimreise
antrat, da bekanntlich der Montag ein Arbeitstag ist. Auch wenn ich nicht das
ganze Festival erleben durfte und mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen
hatte, wie ein vom Sturm zerstörtes Zelt, war das Wochenende ein voller
Erfolg. Nicht nur als Nordländer war ich vom Ambiente der Loreley
begeistert und die musikalische Vielfalt war mehr als überzeugend. Von
Mittelalter bis Electro, von ganz alten Stars, die man nur noch selten zu
Gesicht bekommt bis hoffnungsvollen Newcomern gab es etliche Höhepunkte,
die das Festival insgesamt einzigartig machten. Ich hoffe auf eine Fortsetzung
im nächsten Jahr, denn das Zillo hat bewiesen, daß sie immer noch
"Von der Szene für die Szene" sind. (SW)
Verwirrung gab's zur
Ansage der DEATHSTARS. So würden sie nur ein 30 minütiges Set
spielen, obwohl sie länger könnten & sollten. Sie hatten nicht
mehr eingeplant & dies war eh der letzte Gig vor der Heimreise ins Studio.
Der Himmel weinte kurz & heftig, dann erschien fast die gesamte Band mit
freiem Oberkörper & sattem Theaterschminkeanteil in der Gesichtscreme,
Basser Skinny war diesbezüglich nicht mehr allein. Er war allerdings der
Einzige, der echt morbide Grimassen zog & Spaß am Tribe hatte
Whiplasher sang etwas lustlos ins Mikro & bekam sein Dauergrinsen nicht
unter Kontrolle. Die White Wedding' Coverversion geriet zur
Leiermann-Moritat, so das man sich ernsthaft fragen musste: Billy-Idol-Parodie
aus dem Wasa-Ländle oder doch nur Synthetic Generation'?
Danach gab's zum ersten Mal richtig was auf mein
SCHANDMAUL. Ich bekenne mich als militanter Verweigerer von
Folkrock/Minnesang & war deshalb umso mehr gespannt! Thomas Lindner's
Stimme & die poppig verspielten Leadlines erinnerten mich dann irgendwie an
Bands wie Pur
nur halt eben mit Drehleier, Dudelsack & Rauschpfeife.
Aber wir wollen mal nicht ungerecht werden, denn wohl keine andere Band hatte
es hier mit unglaublich mitreisender Spieltechnik geschafft die Massen zu
mobilisieren. Weise Sprüche aus dem Teufelsweib' wurden
ebenso frenetisch beklatscht wie romantische Geschichten aus der
Walpurgisnacht'. Verdienter Maßen wollte man die Spielleute
nicht von der Bühne lassen
wenn doch bloß nicht diese "Welle"
a la Abenteuerland wäre.
Brotzeit vorbei & endlich
D.A.F. Artige Begrüßung der "Jungs & Mädchen" &
dann ein Knaller nach dem Anderen! Ehrlich gesagt hatte ich etwas Angst den
Helden meiner verschwendeten Jugend zu begegnen, Legenden töten sich meist
selbst. Doch ein sich ständig selbst mit Mineralwasser auf'n Kopp
motivierender Gabi Delgado zeigte wofür die Vitaminpillen 50+ alles gut
sein können. Begleitet von ihrem Live-Drummer Andrew ließen
Der Räuber und der Prinz' noch mal die alten Diktatoren
tanzen & gewährten Einblicke ins Kinderzimmer'. Robert
Görl hämmerte EBM-like in die Tasten & Gabi gab exzessiv seine
Bewunderung für die RAF zum Besten. Selbst kontroverse Texte wie "Ulrike
Meinhof war für mich als Kind, ein echter Superstar
" lockten keinen
besorgten Sheriff' auf die Bühne, der Kultstaus wirkt wie ein
Schild. Als Dreingabe wurde der Mussolini' noch mal intoniert
& mancher im Publikum war etwas verstört über diese Wiederholung.
Geschmäcker sind halt verschieden & für mich war es eine
ausgewogene, wohl dosierte Mischung aus unvergesslichen & nicht ganz 15
neuen Liedern.
Schnell noch den
Anfang der CRÜXSHADOWS erhaschen
einfach um zu sehen welches
Loch der Weggang von Stacy reißen würde. George, der neue Gitarrist
ist beleibe kein Grund in Tears' auszubrechen (auch wenn er etwas
weniger Sexappeal hat ;) Die Tänzerinnen haben jetzt auch Backgroundvocals
parat & Rouge hatte hier wohl den weitesten Weg zum Publikum während
ihrer Fortress in Flames' Tour
aufgrund der eigenwilligen
Bühnenbauart. Aber, was will man über eine der besten Live-Bands
sonst noch Neues schreiben.
Zeit zum Aufbruch, die
neue Woche wartet nicht. IN EXTREMO & WITHIN TEMPTATION
werden uns anderswo in diesem Sommer erfreuen müssen.
Dieses
Zillo-Festival hat alles auf eine Karte gesetzt & wurde ein triumphales
Comeback. Das Line-Up war vielfältiger, das Festival beschaulicher und
geruhsamer als die Institution WGT. Ein Wochenende der Superlative & sicher
das beste Wochenende in diesem Sommer. Ja sicher es hat wieder geregnet, zwar
nur kurz aber das gehört einfach zum Zillo. Gerüchten zu Folge wird
die Loreley-Bühne auch im nächsten Jahr wieder Austragungsort. Jeder
der es also schon bereut hat hier gefehlt zu haben, bekommt eine neue Chance
auf rheinische Weinseligkeit inmitten ausgelassener schwarz-bunter Jecken.
(IK)
Bericht: Silvio
Wolff & Ivo Klassmann
für GOTHICWORLD Fotos:
Ivo Klassmann
www.zillo-festival.de
Wißt Ihr noch wie`s
vor zwei Jahr, es auf dem Zillo-Festival war ? www.the-gothicworld.de/cdreviews/07-2002/zillo2002.htm
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