special:
IKON - "Psychic
Vampire Tour 2004" - Tourtagebuch

Willkommen in Europa
IKON waren
auf die Nordhalbkugel gekommen, um ihr neues Album "Psychic Vampire" dem
Publikum vorzustellen. Die Tour führte auf der Landkarte einmal quer durch
Europa und wieder zurück. Im Vergleich zu der Tour im vergangenen Jahr
sind nur noch drei Musiker übrig geblieben (Zitat: "Den Blonden haben wir
am Frankfurter Flughafen vergessen."): Chris (Gesang/Gitarre), Dino (Bass) und,
neu hinzugekommen, Cliff (Gitarre/Gesang).
25.
& 26.08.2004, On the Road Man sagt, alle Wege führen nach
Rom. Das stimmt auch, denn die Fahrt in die ewige Stadt war recht angenehm, vor
allem weil der Weg aus dem verregneten Deutschland in den sonnigen und warmen
Süden führte. IKON waren von Australien aus direkt nach Rom geflogen.
Allerdings ist es in der Stadt zwischen den sieben Hügeln gar nicht so
einfach die richtige Straße zu finden, aber bei der Suche hat man die
Gelegenheit zufällig (fast) alle Sehenswürdigkeiten (zumindest im
Vorbeifahren) zu sehen. Als ich dann die Straße doch gefunden hatte
zeigte sich auch gleich das nächste Problem: Wo ist die Hausnummer? Nach
mehrmaligem Auf- und Abgehen wurde es mir dann doch zu dumm und ich
bemühte einen Taxi-Fahrer um Hilfe. Prompt kam auch die Erleuchtung: In
Italien zählt man von auf der einen Straßenseite die Nummern hoch
und auf der anderen wieder runter - da hätte ich lange suchen können.
Morgens um fünf Uhr hatte ich dann auch keine Lust mehr zu
klingeln, also machte ich mich auf die Gegend zu Fuß zu erkunden und
entdeckte dabei am Ende der Straße einen Platz mit großer
Säule. Am Ende des Platzes ging es eine lange Treppe den Hügel
hinunter, von oben herab hatte man freien Blick auf den Petersdom - den
Vatikan-Staat. Sieht bei Sonnenaufgang sehr nett aus.
27.08.2004, I-Rom, Jungle Club
Gegen 10 Uhr
in der Früh hab ich dann doch mal geklingelt und das Portal öffnete
sich. An der Wohnungstür gab es dann erst mal die Begrüßung und
Vorstellungsrunde. Anschließend hieß es dann die Instrumente aus
dem sich langsam aufheizendem Bus zu laden und zu begutachten, ob sie den Flug
gut überstanden haben und den Merchandise zu sortieren. Ein paar Stunden
Schlaf taten auch ganz gut.
Das Jungle ist ein gemütlicher Club im
Herzen der Stadt, bestehend aus zwei Gewölben. In dem einen ist bereits
alles für das Konzert vorbereitet und der erste Aufbau für diese Tour
beginnt - wenn auch mit ein paar Schwierigkeiten durch nicht wirklich
funktionierende Kabel. In der Nebenröhre befindet sich ein kleines
Café, die Theke und für den Disko-Betrieb noch eine kleine
Tanzebene. Das Catering war bereits durch die freundliche Crew
aufgebaut.
Zum eineinhalbstündigem Konzert erschienen ca. 140
Gäste und ich muss sagen, dass die Römer ein doch recht angenehmes
Völkchen sind, auch wenn ihnen der Begriff "Straßenverkehrsordnung"
noch nicht so ganz geläufig zu sein scheint: "Is this a One Way?" "Si"
sprachs als uns der Gegenverkehr entgegen kam. Von dem Konzert habe ich leider
nicht viel mitbekommen, da sich mein Bereich, der Merchandise, in eben besagten
Café befand. Zu meinem Missfallen wurde die zweite Röhre auch noch
mit Musik aus dem CD-Spieler beschallt, so dass von dem Konzert nur
Bruchstücke zu mir durchdrangen - schade eigentlich.
Die
anschließende Party war überraschend angenehm, eine Mischung aus
Koma Kino und Gothic Society - für jeden der es ein wenig anders mag genau
das Richtige und das alles noch in zwei Areas. Früh am Morgen ging es dann
aber doch endlich wieder in die Federn, denn Fahrt und Flug steckte uns noch
ziemlich in den Knochen.
26.08.2004 bis 31.08.2004,
Touristen Es standen uns nun vier Tage Rom zu Verfügung, also
eigentlich genug Zeit die Stadt und die damit verbundene Geschichte in aller
Ruhe zu bestaunen. Aber bedingt durch die Zeitverschiebung und
unerträgliche Hitze haben wir es doch vorgezogen uns tagsüber von
Flug und Fahrt zu erholen, zudem stand noch eine lange, quer durch Europa
führende, Tour vor uns.
Zwischenzeitlich verabredeten wir uns mit
unserem Gastgeber zur Erkundung anderer Clubs - die Zeiten richteten sich nach
"Italy Time". Als Mitteleuropäer muss ich schon sagen, dass italienische
(schwarze) Discos nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen sind: Das
Publikum ist bunter, man ist toleranter, freundlicher und die Musik ist auch
nicht nur "schwarz" - man geht aus um zu feiern.
In unserer privaten
Unterkunft gab es dann noch ein paar versorgungstechnische Probleme: Die
Stromversorgung der Steckdosen war zusammengebrochen, was zur Folge hatte, dass
z. B. das Duschen ein wenig kalt ausfiel. Auch der Energievorrat der
Mobil-Telefone oder Notebooks begann langsam zu schwächeln. O-Ton unseres
Gastgebers: "Ich habe eine SMS an den Hausmeister geschickt, er wird sich dann
drum kümmern" - bei unserer Abreise waren die Steckdosen immer noch
stromlos - italienische Gelassenheit
Die berühmte
italienische Gastfreundschaft konnten wir an einem Abend in vollen Zügen
genießen: zusammen mit unserem Gastgeber sind wir mit ca. 20 Leuten aus
dem Jungle-Dunstkreis in eine Pizzeria und anschließend in was auch immer
für einen Stadtteil auf der Suche nach einer gemütlichen Kneipe. Mit
zugegen war auch der Schlüsselträger vom Jungle Club, aber als die
Idee aufkam dann doch ins Jungle zu ziehen hat dieser leider gestreikt. So
fanden wir uns in einer brasilianischen Pinte, mit italienischem Wirt und
Südsee-Flair wieder - eine interessante Zusammenstellung. Wie bereits in
der Pizzeria fand die Gastfreundschaft keine Grenzen, was vor allem Dino zum
Verhängnis wurde: "Dinooooo, einer geht noch
".
01.07.2004, D-Frankfurt a. M., The Cave Rom, Toskana,
Brenner- und Fernpass (letzter mit Blick auf die Zugspitze), Allgäu,
Frankfurt - mit Übernachtung in der Nähe von Innsbruck waren wir nach
langer Fahrt in der Messestadt am Main angekommen und fanden uns wiederholt in
einem Gewölbe wieder, nur diesmal in der Frankfurter Innenstadt, wenige
Schritte von der Zeil entfernt. Hier war der Keller allerdings deutlich dunkler
gestaltet als der in Rom. Der Soundcheck verlief ohne Probleme, auf der anderen
Seite war es gar nicht so einfach ein bezahlbares Hotel zu finden - aber man
findet immer eine Lösung.
Die Vorband [
] ließ sich
recht angenehm anhören. IKON hatte vor den ca. 40 Gästen leichtes
Spiel und konnte das Publikum mit ihrem ca. einstündigem Set schnell
für sich gewinnen. Nach dem Abbau gab es was warmes und leckeres zu essen.
Bis gegen drei Uhr hatten wir uns noch ein wenig an der Theke festgequatscht.
Was mich nur noch interessiert ist, warum man, fern der Heimat, auf Leute
trifft, auf die man ja überhaupt keinen Bock hat.
 02.09.2004, D-Duisburg, Trash4Cash (Autogrammstunde)
Der nächste Termin führte uns am darauffolgenden Tag in
den Gothic-Shop "Trash4Cash" in Duisburg. Hier war eine Autogrammstunde und
Verlosung angesetzt. Leider erschienen nur fünf Interessierte, obwohl sich
acht für die Verlosung eingetragen haben. Also wurde die Zeit zum Shoppen
und für nette Gespräche genutzt.
03.09.2004, D-Krefeld, Kulturfabrik (Waves Of Darkness
Festival) Diesmal war die Anreise nun wirklich nicht weit, denn von
Duisburg aus mal eben über den Rhein nach Krefeld sind's nur 20 Minuten -
und das sogar staufrei.
Den Auftakt machten die Mönchengladbacher
IN MITRA MEDUSA INRI, die, mittlerweile verstärkt durch einen weiteren
Keyboarder, ihre düsteren, von Joy Division und New Order beeinflussten
Dark Wave Hymnen den leider nur knapp zweihundertfünfzig Zusachauern an
diesem Abend zu Gehör brachten. Inmitten von Nebelschwaden und mystisch
anmutenden Lichteffekten boten IN MITRA MEDUSA INRI einen mitreissenden
Auftritt, dem die deutlich gewonnene Live-Routine der letzten Monate anzumerken
war. Der Ausblick auf das im Frühjahr des nächsten Jahres
erscheinende neue Album fiel sehr verheissungsvoll aus und auch die
retrospektiven Stücke der Gladbacher sorgten in der gute Stunde Spielzeit,
die zur Verfügung stand, für Begeisterung, so dass IN MITRA MEDUSA
INRI sich genötigt sahen, eine Zugabe zu spielen. Wo könnte diese
Band nur stehen, wenn nicht ausschliesslich Electro die Szene in den letzten
Jahren dominiert hätte.
Die Australier IKON legten in Krefeld einen
Zwischenstopp ihrer Psychic Vampire Tour 2004 ein, wobei vom Line
Up der letzten Jahre nur noch Chris McCarter und Bassist Dino Molinaro
übrig waren. Auf einen Schlagzeuger verzichteten IKON gleich völlig
und so kam der digitale Kollege zum Einsatz. IKON waren nie eine wirklich
grosse Live-Band, so auch an diesem Abend, doch mangelndes Showtalent gleichen
McCarter und seine Band in konstanter Beständigkeit durch zeitlose
Gothic-Songs aus, von denen die Australier im Laufe ihrer Karriere mehr als
genug geschrieben haben. Selbst auf grosse Lichteffekte verzichten die
Australier, so dass sich die Aufmerksamkeit nicht nur auf Klassiker wie
Blue Snow Red Rain oder Fall Apart beschränken
konnte, sondern auch auf die Songs des in unseren Breitengraden bislang noch
unveröffentlichten Psychic Vampire-Albums, das hoffentlich
auch bei uns bald erhältlich sein wird.
Headliner des Abends waren
GARDEN OF DELIGHT, die den Sprung herüber aus ihrer Düsseldorfer
Heimat gemacht hatten und Gothic in R(h)einkultur zelebrierten. Nebelschwaden
hüllten die Bühne vom ersten bis zum letzten Ton in eine schier
undurchdringliche weisse Wand, nur erleichtet durch die wechselnde und
ausschliesslich durch helles Licht bestimmte Lightshow.
Bereits nach
einem Song hatten GARDEN OF DELIGHT die beinahe schon traditionell zu nennenden
technischen Probleme, doch als diese behoben waren, folgte einer der wahrlich
besseren Auftritte der Band, die sich nach dieser Tour eine Auszeit von den
Bühnen nehmen wird. Ihre grossen Momente hatten GARDEN OF DELIGHT auch an
diesem Abend vor allem dann, wenn sie sich in epischen Nummern ergehen konnten
und Artaud mit seiner Fahne oder mystisch von unten angestrahlt stimmungsvolle
Akzente setzen konnten, während die Gitarren der York-Brüder immer
neue Wände aus sphärischen Klängen aufeinander schichteten.
Warum GARDEN OF DELIGHT im Verlaufe ihres Sets allerdings auf Klassiker wie
Necromanteion oder Shariah verzichteten wird alleine
das Geheimnis Artauds bleiben. Dennoch, GARDEN OF DELIGHT halten die Fahne
traditionellen Gothics nach wie vor hoch und es bleibt zu hoffen, dass die
jetzt folgende selbstauferlegte Bühnenabstinenz nicht das Ende der Band
bedeutet.
04.09.2004, D-Roßlau, Wasserburg
Roßlau (Autumn Days Festival) Einmal von ganz im Westen bis in
den tiefen Osten der Republik, das macht mal eben sechs Stunden Fahrt. Das
zweitägige "Autumn Days"-Festival rief zur Wasserburg in Roßlau,
eine kleine Stadt bei Dessau in Sachsen-Anhalt. Im Innenhof der Burg haben sich
ca. hundert Besucher eingefunden was, bei der nicht vorhandenen Werbung auch
kein Wunder war. Aber zumindest spielte das Wetter bei dieser Open
Air-Veranstaltung mit.
Bei unserem Eintreffen standen gerade PAINBRAIN
[?] auf der Bühne, eine Band mit viel elektronischem Krach und lautem
Geschrei - nicht so ganz mein Ding. Es sollten noch THE DUST OF BASEMENT (D),
E-CRAFT (D), ORDEAL BY FIRE (I) und TERMINAL CHOICE (D) als Hauptakt folgen.
Der Zeitplan war bereits um eine halbe Stunde überschritten, was bei
Festivals ja bekanntlich nichts ungewöhnliches ist. Da wir also noch mehr
Zeit als genug hatten ging es also erst mal ins Hotel zum frisch machen und
ausruhen.
Wieder zurück zum Festival-Gelände standen gerade
THE DUST OF BASEMENT auf der Bühne. Das eine oder andere Stück von
ihnen kennt man als tanz- und hörbar aus der Disko oder von dem einen oder
anderen Sampler, aber die meisten Titel sind einem westdeutschem Ohr doch nicht
so ganz geläufig. E-CRAFT hingegen, auch eine reine Ost-Band, waren wie
gewohnt eingängig und tanzauffordernd. Schade das sie im Westen der
Republik keinen wirklichen Erfolg haben, dafür interessanterweise in den
USA. Nachdem nun der Zeitplan um mittlerweile bescheidene zwei Stunden
überzogen war, hatten IKON ihren Auftritt. Da es sich in der Zwischenzeit
etwas abgekühlt hatte waren leider nicht mehr allzuviele Besucher vor der
Bühne, was bei der geringen Besucherzahl doch schnell auffiel. Trotz
alledem boten die drei Australier ein sehr schönes
Konzert.
05.09.2004, D-Berlin, K17 Gute
zwei Stunden Fahrt lagen zwischen Roßlau und Berlin-Friedrichshain. Das
K17 liegt in einem Hinterhof und erstreckt sich über drei
Veranstaltungsebenen. Im ersten Stock sollte das Konzert stattfinden - zum
Glück gibt's vor Ort einen Fahrstuhl, also mussten wir vor allem die
schweren Verstärker nicht die Treppen hoch schleppen.
Wie auch
zuvor in Krefeld und Roßlau war auch wieder eine Video-Crew vor Ort um
Aufnahmen für eine im Sommer 2005 erscheinende DVD zu machen. Da es vor
allem in Berlin nicht an Industrieruinen mangelt, nutzten IKON und die
Film-Leute die Gelegenheit und wir fuhren in einen nahegelegenen stillgelegten
Schlachthof. Neben einer idealen Location fanden sich auch alte
Produktionsdokumente aus Vorwendezeiten, Computerteile aus DDR- bzw.
UdSSR-Produktion und ein alter Rinderknochen.
Wieder zurück am K17
war auch die Support-Band eingetroffen. ORDEAL BY FIRE aus Italien, die wir
bereits einen Tag zuvor in Roßlau kennengelernt hatten, befanden sich auf
kleiner Club-Tour durch Deutschland und Polen und machten mit uns gemeinsam
Station in der Hauptstadt.
Liebhabermusike
Die Europatour der australischen Gothiclegende führte am 5.
September 2004 endlich auch nach Berlin. Die Frage nach kulturellen
Alternativen stellt sich da gar nicht erst. Gegen "Die Männer vom K3" in
der ARD mussten IKON im K17 einfach besser aussehen. Zumal es für schlappe
10 Euro auch noch eine Vorband dazugab, die überraschend gut war (dass die
gewohnt grummeligen K17-Einlasser den Namen auf der Gästeliste nicht
finden konnten oder wollten sei hier nur ganz am Rande bemerkt - ging
schließlich dem Zillo genauso).
Vielleicht brauchte man auch nur
jeden Euro, denn fünf Minuten vor Konzertbeginn waren es der
Konzertbesucher (K) gerade einmal 17 - huaaar, ein Schenkelklopfer, K17.
Letztlich wurden es dann aber doch noch etwa 70, laut Olaf von WOD, und somit
für die passende Stimmung ausreichend. Ganz ungezwungen bewegten sich die
Musiker der beiden Bands durch das Publikum.
Mit geringer
Verzögerung begaben sich dann ORDEAL BY FIRE auf die Bühne. Im Sommer
hat die junge italienische Band ihr erstes Studioalbum "Untold Passions"
veröffentlicht - Unbekannte im Musikgeschäft sind sie dennoch nicht.
Hervorgegangen aus der Formation "Burning Gates" fahren sie denselben
musikalischen Stiefel. Schön lauter, gitarrenlastiger Gothicrock der Marke
"Fields of the Nephilim" mit schnellen Basslinien und wummernden Drums. Die
Kraft hinter der Musik schien den kleinen Saal sprengen zu wollen. Die
Bühnenshow, wenn man sie denn so nennen wollte, setzte auf viel Nebel und
eine herzliche Nähe zum Publikum, das wie fast immer im K17, einen gut
zwei Meter breiten "Sicherheitsabstand" zu Bühne hielt. Warum nur? War
doch die Kippe im Mund des Gitarristen nicht mal angezündet.
Beim
vorletzten Titel betrat der Sänger von IKON, Chris McCarter, die
Bühne und gemeinsam spielte man "Shadowplay" von Joy Division - hach, wat
war dat schön. Und es gab zugleich einen Vorgeschmack auf Kommendes, sind
doch IKON irgendwie die Schuhe, die in Joy Divisions Fußstapfen passen,
gewürzt mit einer Note Neo Folk, einer Prise gutem alten Gothrock und
einem Löffelchen Synthieklängen.
Nach einer entspannend
kurzen Umbaupause ging es furios los: Sirenen forderten die Aufmerksamkeit
für die Band des Abends. Statisch zelebrierten sie den ersten Titel und
sofort fühlte man sich unsagbar wohl. Bereits mit dem zweiten Song boten
sie ein großes Stück aus ihrer musikalischen Historie an: "Ghost in
my head". Der Sound stimmte, das Publikum war gefangen und IKON sichtlich gut
drauf. Wer vorab die Setlists der letzten Jahre im Internet nachgeschlagen
hatte, konnte, wenn er wollte, wetten, wann wohl die Coverversion des Death in
June-Klassikers "Fall apart" an der Reihe ist - irgendwann zwischen dem dritten
und fünften Song. Für den vierten Titel griff Chris McCarter erstmals
zur Akustikklampfe und das musikalische Fahrwasser wurde zunehmend ruhiger. Wer
auf Titel fünf getippt hatte lag richtig. Leider etwas leidenschaftslos
spielten IKON "Fall apart" herunter - in der früheren, dunkleren Version
samt früherem Sänger gefällt sie mir eindeutig besser. Direkt im
Anschluss folgte das balladenhafte "Crucified" vom aktuellen Werk "Psychic
Vampire".
Offensichtlich angesteckt von der Atmosphäre
ließen sich IKON nicht lumpen und spielten sich quer durch den Garten
ihrer Veröffentlichungen und boten ausgiebig Gelegenheit in ihr
frischestes Material hineinzuhören. Dank Perlen wie "Subversion" vermisste
man Klassiker wie "Condemnation" und "Lord of Darkness" nicht
wirklich.
Zu insgesamt drei Zugaben wurden IKON zurück auf die
Bühne gerufen und mittlerweile bewegte sich das Volk vor der Bühne
sogar. Nach dem mein All-time-Favorit "Black roses" erklungen war, war ich
wirklich erfüllt, restlos begeistert und froh dieses Konzert erlebt zu
haben. Klein, aber sehr fein - eben Liebhabermusike.
Im Anschluss an
die Show fand noch eine leider viel zu kurze Party statt, da alle gleich
abgehauen sind.
06.09.2004, D-Greifswald, The Black
Box Der Weg zum nächsten Gig führte diesmal fast
ausschließlich über die Landstraße. Wir verließen Berlin
und fuhren über kleine Dörfer in Richtung Ostsee in der Hoffnung,
dass zumindest die Ostsee-Autobahn schon weiter ausgebaut war als auf der Karte
eingezeichnet. Aber leider hatten wir Pech und es war noch weniger
fertiggestellt. Trotz alledem haben wir die Black Box in einer Greifswalder
Plattenbausiedlung schnell gefunden, nur nach dem eigentlichem Eingang mussten
wir noch ein wenig suchen. Empfangen wurden wir dort von einer
äußerst freundlichen und hilfsbereiten Crew.
Für die
kleine Stadt Greifswald, kurz vor dem Ende der Welt, war der Besuch von IKON,
einer australischen Band, schon ein besonderes Highlight. Um so mehr freue ich
mich immer, wenn sich diese Menschen dann als besonders freundlich
herausstellen. Doch nicht nur mit den drei Jungs von IKON selbst, sondern auch
mit dem mitreisenden Mischer und dem Fahrer/Organisator/Merchandise-Mann
verlebten wir einen entspannten Aufbau, Soundcheck und Warten auf die
Gäste. Diese kamen auch überraschender Weise, trotz des Montags. Auch
wenn es nicht richtig voll war, wollten einige Gäste sich diese Chance
nicht entgehen lassen und nahmen teilweise auch etliche Kilometer Fahrt in
Kauf.
Es sollte sich für sie auch lohnen, denn IKON wußten
mit ihrer Musik absolut zu überzeugen. Die Forderungen nach zwei Zugaben
sprechen für sich. Im Anschluß kamen auch zwei Gäste, die extra
aus Rostock zum Konzert gekommen waren, auf mich zu, um mir zu sagen, daß
sie den Auftritt wesentlich besser fanden als auf dem WGT. Das kann ich nicht
beurteilen, aber ich denke, daß es IKON an diesem Abend geschafft haben,
ihre ureigene IKON-Aura auf den gesamten Club zu übertragen.
Doch
war der Abend damit noch nicht beendet. Eigentlich dachte ich, daß die
gesamte Band auf Grund der anstrengenden Tour etwas Schlaf nötig hat und
sofort ihre müden Knochen niederlegen möchte. Weit gefehlt! Es
dauerte nicht lange bis sich einzelne und schließlich alle Bandmitglieder
auf der Tanzfläche wiederfanden. Die Aftershow-Party war natürlich
musikalisch auf IKON abgestimmt, was auch die Gäste durchaus positiv
aufnahmen. Da am nächsten Morgen das Aufstehen auf 8.00 Uhr angesetzt war,
mußte irgendwann doch Schluß sein, damit alle wenigstens noch ein
wenig Schlaf bekamen.
Am nächsten Morgen, wieder in der Box
eingetroffen, gab es ein herzhaftes Frühstück und viel Kaffee - genau
das richtige für die vor uns stehende Fahrt.
07.09.2004, D-Kiel, Böll 2 Es gibt Tage, da
wünscht man sich eine gut ausgebaute Autobahn, vor allem wenn der
eigentliche Weg über lange Alleen und viele kleine Dörfer mit
lustigen Namen führt und sich Baustelle an Baustelle reiht. Aber kurz vor
Rostock gab es sie dann doch, die lang ersehnte Ostsee-Autobahn,
durchgängig bis kurz vor Lübeck
Man nehme mehrere
Etagen einer alten Tiefgarage, ziehe dort ein paar Wände und Treppen ein
und fertig ist ein kleines Diskothekenzentrum mit verschiedenen Clubs und
Kneipen im Herzen von Kiel. Empfangen wurden wir sehr freundlich und das
örtliche Team war äußerst hilfsbereit.
Anders dagegen
das Publikum, das machte eher einen doch recht verschlossenen und kühlen
Eindruck auf mich und die Stimmung war auch nicht unbedingt die beste.
Vielleicht war man auch eher wegen der Vorband gekommen, diese hatte aber am
Abend zuvor aus gesundheitlichen Gründen abgesagt.
08.09.2004, On the Road Fünf Länder an einem
Tag: Deutschland, Niederlande, Belgien, Frankreich und Großbritannien -
das Routing für diesen reinen Fahrtag. Zum Glück gibt es keine
wirklichen Grenzen und somit keine Passkontrollen mehr und man kann von einem
ins nächste Land fahren ohne das man durch eine begrenzte
Höchstgeschwindigkeit ausgebremst wird. Nur Chris hatte, als einziger mit
ohne EU-Pass, vor der Fähre ein wenig Papierkram zu erledigen, aber danach
ging es ungehindert auf die Fähre in Richtung Dover. Calais bot in der
Dunkelheit der Nacht eine schöne Kulisse, die Einfahrt in den Hafen von
Dover habe ich leider verpasst - na ja, man hätte von den Kreidefelsen eh
nichts gesehen.
Auf der Insel hieß es dann erst mal die Uhren um
eine Stunde zurück stellen und sich an den Linksverkehr zu gewöhnen:
"Stefan, links!!!" Die Auffahrt auf den Motorway war narrensicher und hier bot
sich auch ein kleiner Blick auf die weißen Felsen an der britischen
Küste.
Nach gut 15 Stunden Fahrt war uns dann doch nach einem Bett,
also ging die Suche los was, bei Nacht nicht sonderlich einfach war, denn erst
mal die Schilder finden. Hier und da haben wir dann an einem Hotel gehalten,
das aber leider schon ausgebucht oder für insgesamt fünf Leute
einfach unbezahlbar war. Aber irgendwann findet sich immer noch ein
Plätzchen für die Nacht.
09.09.2004,
GB-Sheffield, Corporation Nightclub Viel zu früh war der
Aufbruch in den englischen Norden angesetzt, aber es half nichts. Vom
Hotel-Parkplatz ging es wieder über die Landstraße ("Stefan,
links!!!") in Richtung Autobahn, London ließen wir links liegen, die
Themse wurde unterquert.
Man kann nicht unbedingt sagen das Sheffield
eine schöne Stadt ist, ok, offen gesagt, sie ist hässlich, dafür
war die Crew vor Ort doch wiederum sehr freundlich und der Veranstalter
präsentierte uns erst mal seinen privaten Wagen: einen schwarzen 1978er
Ford Granada - selbstverständlich als Leichenwagen.
Für
jemanden vom Kontinent ist es schon recht ungewöhnlich, dass Konzerte sehr
früh anfangen und man sehr darum bemüht ist den Zeitplan einzuhalten.
Verzögerungen sind vernünftig zu begründen und unter
Umständen wird einer Band etwas von ihrer Zeit abgezogen.
Als
Support traten ROME BURNS auf, für meinen Geschmack schon zu gitarrig,
aber dem Publikum schien es zu gefallen, denn die Zugabe wurde energisch
eingefordert. IKON verstand es aber auch den Gästen, trotz schlechten
Sounds, einzuheizen. Die ca. 40 Anwesenden wollten mehr und traten auf den
Holzboden um ihrer Forderung nach noch mehr Zugaben Nachdruck zu verleihen.
Aber um kurz vor 23 Uhr war dann doch Feierabend, denn der strenge Zeitplan sah
auch einen pünktlichen Feierabend des Club-Teams und damit unseren
Rausschmiss vor.
10.10.2004, GB-London, Camden
Underworld Und wieder war von den hinteren Reihen der Ruf auf dem
Weg zur Autobahn zu hören: "Stefan, links!!!" - aber alles kein Problem.
Nach ein paar Stunden Fahrt, aber trotzdem zu früh, war der Norden des
britischen Empires, Camden Town, erreicht. Also erst mal einen Parkplatz
suchen, viel zu viel Geld in den Parkautomaten werfen und shoppen gehen, denn
Camden Town gilt als das Einkaufsviertel der Stadt. Ramschläden,
Fressbuden, Record-Shops und Gruftläden reihen sich auf engsten Raum
aneinander, wer hier nichts für sich findet ist selber schuld bzw. ihm ist
nicht mehr zu helfen. Leider, oder doch zum Glück, hatte ich keine Pfund
mehr in der Tasche.
Gegen 16 Uhr hieß es dann auf zum Club und
den Wagen ausladen. Das Parken in London stellt sich etwas schwierig dar, aber
wir waren dann doch froh das gleich vor der Tür Platz zum halten war. Kaum
war die Hecktür des Busses geöffnet war auch gleich ein etwas
unfreundlicher Polizist zur Stelle und forderte uns auf umgehend den Wagen weg
zu fahren, eine Alternative zum Ausladen bot er uns aber nicht an. Also einmal
um den Block fahren, schauen ob der Polizist zu sehen ist, wieder anhalten,
Türen auf
Das Underworld ist ein relativ bekannter Club,
auch über die britische Küste hinaus. Gemütlich eingerichtet und
mit einer angenehme Atmosphäre. Für diesen Abend waren insgesamt drei
Bands angesetzt. Die erste, DIGITAL, versuchte sich als JOY DIVISION-Coverband,
wobei die Betonung hier auf versuchen liegt, denn ich habe noch nie so schlecht
nachgespielte Titel gehört. RE-ORDER, eine NEW ORDER-Coverband, dagegen
waren recht angenehm zu hören. IKON hatten an diesem Abend leichtes Spiel,
schnell war das Publikum begeistert und ging mit der Musik mit.
Der
Zeitplan sah auch hier wieder ein pünktliches Ende vor, nur wurde, im
Vergleich zu Sheffield, energischer darauf hingearbeitet die
Räumlichkeiten pünktlich zu verlassen. Also hieß es für
mich binnen zwei Minuten meinen Stand zusammen zu packen und den Bus zu holen.
Die Straßenführung in Camden ist tückisch, denn einmal falsch
abgebogen und schon hängt man in einem Gewirr aus Einbahnstraßen
fest, aber irgendwann hab ich es dann doch geschafft den Wagen vor dem
Underworld zu parken. Allerdings ließ es sich nicht vermeiden den Van so
zu stellen, dass sich der Verkehr ein wenig gestaut hat - *ups*. Wir waren
müde und brauchten dringend ein Bett, aber vor uns lag noch eine Strecke
von eineinhalb Stunden, denn wir hatten ein Hotel kurz vor Dover für uns
reserviert.
11.11.2004, B-Gavere, GCC Racing (The
Invitation 2005 Pre-Session) Viel zu früh wurde zum Aufbruch
geblasen, denn wir mussten bereits um ca. 13 Uhr im belgischen Gavere in der
Nähe von Gent sein. Also ohne Frühstück ab ins Auto und auf nach
Dover. Wir hatten das Glück das wir eine Fähre früher nehmen
konnten als geplant und mit den Kreidefelsen im Rücken schipperten wir auf
den Kontinent zu.
Im GCC Racing war ein kleines Festival mit ELUSIVE
(N), PLASTIC (D), IKON und KIRLIAN CAMERA (I) angesetzt. Beim Betreten der
Halle bekam ich erst mal Augenkrebs: Die Wände gelb gestrichen und die
Holzverkleidung stach mit dem giftigsten Grün ins Auge was wohl im
Baumarkt zu bekommen war, die Polstersitze auf dem Rang waren in einem
strahlenden Blau gehalten - eine wirklich nette Farbkombination. Ansonsten war
die Halle recht gemütlich und es versprach bei diesem Line-up ein
schöner Abend zu werden.
Nach dem Ausladen fuhren wir erst mal zum
frisch machen ins Hotel in Gent. Von der Crew fuhr uns einer voraus um uns den
Weg zu zeigen. Er bog in eine Zufahrt zu einer Tiefgarage ein und meinte dann
zu uns wir könnten den Wagen dort parken. Es gab dabei nur ein Problem:
Wie bekomme ich einen 2,50 m hohen Wagen in eine für zwei Meter
zugelassene Garage? Das Hotel war mehr als rustikal eingerichtet, aber
gemütlich. Der Fahrstuhl hatte auch seine Tücken: Bei mehr als zwei
Personen konnte es passieren das er stecken bleibt.
Zurück am GCC
war bei unserer Ankunft bereits Einlass, ELUSIVE spielten bereits. Also schnell
alles für den Auftritt vorbereiten und den Merchendise aufbauen. Als
zweites betraten PLASTIC auf die Bühne, eigentlich für jeden
Elektroniker der noch Sinn für Spaß hat ein Muss, auch live bestens
anzuschauen, denn Matthes macht Party. Hier wurden auch Titel von dem neuen
Album vorgestellt. Auf das Nebenprojekt SHNARPH! hat man aber leider vergeblich
gewartet. Anschließend Stilbruch, denn nach viel Bass gab es dann viel
Gitarre für das Publikum - IKON hatten ihren Auftritt. Wie auch bei
PLASTIC forderten die Besucher ihre Zugaben. Als Highlight des Abends gab es
KIRLIAN CAMERA zu sehen, für mich zum ersten Mal. Im Hintergrund wurde
eine Video-Show projiziert und in den Vordergrund traten die vier KIRLIANs mit
weißen Hemden und Sturmmaske die Bühne. Ich muss sagen, ein sehr
gelungener Auftritt und als Zugabe durfte natürlich Eclipse nicht
fehlen.
12.09.2004, B-Mechelen, Theatrium (The Invitation 2005
Pre-Session) Gleicher Veranstaltung, anderer Spielort - der Musikzirkus zieht
weiter. Der Weg von Gent ins belgische Mechelen ist nicht weit. Ok, was liegt
in Belgien schon mehr als eine Stunde auseinander? Am Abend zuvor gab es schon
kleinere Probleme mit dem Sound auf der Bühne. Grund hierfür war der,
na ja, sagen wir mal nicht ganz klare, Monitor-Mixer. Auf die Frage wo denn der
Licht-Mixer sei gab es dann den Spruch des Tages: "Das ist der andere der
kifft!"
Wieder eröffneten ELUSIVE den Abend, äh, den
Nachmittag. Bis dahin hatten sich leider nur etwa 50 Besucher in der Halle
eingefunden. Die Norweger, alle drei mit Hut, boten dem leeren
Veranstaltungsort angenehmen Gothic Rock. Vor immer noch nicht vorhandenem
Publikum hatten dann PLASTIC wieder ihren Auftritt und ich muss sagen, egal ob
nun 300 oder nur 30 Besucher vor der Bühne stehen, Matthes macht die
gleiche Show und lässt sich dadurch nicht beeindrucken. Zum letzten Mal
betraten dann IKON für diese Tour die Bühne. Das Opening war diesmal
kein Sirenenton, sondern Glockenschläge. Die Halle war mittlerweile ein
wenig gefüllter, aber es blieb den Leuten in den vorderen Reihen immer
noch genug Platz zum tanzen. Der Abend wurde mit KIRLIAN CAMERA beendet, leider
war ich viel zu müde zum genießen.
Nach vielen Abschiedsfotos
und nach der Verabschiedung vom Tour-Techniker hieß es dann zum letzten
mal packen und es ging ab ins Hotel - wo dieses war wusste aber keiner so genau
und die Beschilderung in Mechelen lässt auch zu wünschen übrig,
vor allem im Dunkeln.
13.09.2004, On the Road - ab nach
hause Schnell duschen, schnell frühstücken und schnell das
Gepäck und die Instrumente flugtauglich zu verpacken - warum müssen
Touren immer so hektisch sein? Um 17 Uhr hatten IKON ihren Flieger in Richtung
Heimat zu bekommen, also ab in Richtung Brüssel, Aachen, Köln und
Frankfurt. Wirklich fit war keiner mehr, aber nach knapp vier Stunden Fahrt war
dann der Flughafen erreicht - und damit auch das übliche Problem: Wo kann
man denn hier parken, vor allem mit einem Wagen der in kein normales Parkhaus
passt? Aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Parkplatz, auch wenn er für
ca. 20 Minuten 2,50 kostet. Das Ausladen verlief zügig, ebenso die
Verabschiedung - bis zum nächsten Jahr
Fazit Zusammengefasst sei gesagt das die Tour vom
Publikumszulauf her erfolgreicher hätte sein können. IKON stehen
bereits seit gut 20 Jahren auf der Bühne, konnten sich trotzdem nur in
"Insider-Kreisen" einen Namen machen. Die Australier gehören zu den
wenigen Bands die ihrem Stil treu geblieben sind.
Stephan Durt,
Silvio Wolff,
Daniel "Bela" Bartsch,
Michael Kuhlen für
GOTHICWORLD
Livefotos (alle vom WOD-Festival): Michael
Kuhlen (OBLIVEON)
Review "Psychic Vampire"
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