interview:
ILLUMINATE "Viel Feind - viel Ehr!"
Ende September erschien das neue Album von Illuminate, auf
das viele gewartet haben. Grund genug für mich um per Mail mit Johannes
mein überhaupt erstes Interview zu führen. Zurzeit ist er
natürlich sehr im Stress, umso mehr hat es mich gefreut dass er so schnell
geantwortet hat.
GW: Ihr
habt nun das neunte Album herausgebracht, was von den Fans auch
sehnsüchtig erwartet wurde. In Eurem Forum kann man lesen, das jeder der
erste sein wollte der das Album hören darf. Hattet ihr mit so einem
Ansturm gerechnet?
Johannes: :
Ach...mit einem "Ansturm" rechne ich in diesem Sinne eigentlich nie! Da fehlt
mir vielleicht die nötige Selbstverliebtheit, um von vornherein davon
auszugehen, dass sich unsere Fans um einen neuen Output reißen?! Dass es
aber tatsächlich so gekommen ist, und das neue Album wahnsinnig gut bei
den Leuten ankommt (sowohl vom Verkauf, als auch von den ersten Reaktionen
her), freut mich natürlich sehr! Das ist ja gewissermaßen auch die
"greifbare Messlatte" für eine/unsere erfolgreiche Arbeit!
GW: Ich persönlich bin eher
enttäuscht von dem Album und finde es schon zu ähnlich mit alten
Songs, was besonders die Refrains betrifft. Ist das einfach Euer Stil, dem ihr
treu bleiben wollt? Die Tracks sind doch sehr gleich, was den Aufbau angeht
finde ich und erinnern an alte Songs.
Johannes: Das tut mir natürlich echt leid,
wenn Du vom neuen Album "enttäuscht" bist, und trotzdem hier ein Interview
mit mir darüber führen musst! : Illuminate polarisieren seit elf
Jahren die Szene und die Hörer. Ich denke mal, dass es schon der Stil ist,
dem wir treu bleiben wollen - wenn es danach ginge, der Masse zu gefallen (was
ich für wenig erstrebenswert halte), hätten wir schon längst
anfangen müssen, andere Musik zu machen! Dass das neue Album ein wenig
nach den alten Songs klingt, ist beabsichtigt - viele Fans der ersten Stunde
haben das begrüßt; Dir gefällt es nun z.B. etwas weniger! Du
siehst...man kann es schlecht allen recht machen!
GW: Im Infotext zum Album wird Goethe zitiert
"Augenblick, verweile doch, du bist schön" und Eure Texte sind ja
teilweise recht poetisch. Beeinflussen Goethe oder andere Dichter Eure Texte,
bzw. Eure Ideen?
Johannes: Von
einer direkten Beeinflussung kann ich nicht sprechen. Aber bestimmt wird man
durch Lyrik und Literatur in gewisser Weise auch befruchtet, so dass Metaphern
und Bilder, die man einmal gelesen und für schön befunden hat,
hängen bleiben und irgendwann wieder aus der Schublade gekramt
werden!
GW:
Deine und Connys Stimmen hören sich klarer an als sonst,
habt ihr weiter an Euren Stimmen gearbeitet?
Johannes: Die Stimmen sind und bleiben die
wichtigsten Instrumente! Natürlich versuchen wir, qualitativ an unseren
Stimmen zu arbeiten (obwohl gerade Conny, als Sängerin am Staatstheater,
hier sicherlich kaum oder keine Defizite hat) - bei dieser Produktion wollten
wir die Stimmen ganz bewusst in den Vordergrund rücken. Ob man meine
Stimme nun mag oder nicht: Die Texte und die Gesangslinien sind eines unserer
ganz wichtigen Markenzeichen. Diese sollen klar verständlich und
prägnant im Vordergrund stehen. Manchem Hörer rückt bei
"AugenBlicke" nun die Musik ein wenig zu weit in den Hintergrund...das
gehört aber wieder in die Kategorie "Geschmacksache", die wir weiter oben
ja schon hatten!
GW: Wie
kam der Titel "AugenBlicke" zustande?
Johannes: : Dieser Titel soll einfach die
"Sammlung" der drei großen Hauptthemen des Albums verdeutlichen. Diesmal
ist kein Konzeptalbum im eigentlichen Sinne des Wortes entstanden, da viele
Begebenheiten während der Arbeit an "AugenBlicke" stattfanden, die das
Thema etliche Male in eine andere Richtung gedreht haben.
GW: Das Cover gefällt mir sehr gut, wie
ist das zustande gekommen oder was möchtet ihr damit aussagen im Bezug auf
das Album?
Johannes: : Das Cover
wurde von einem guten Freund von uns gemalt, der schon das Artwork für
"kaltes Licht" und "Narrenturm" gestaltet hat. Dieses Bild vereint in meinen
Augen viele Komponenten, die man auf dem Album wiederfinden kann: Die
verschiedenen Gesichter/Schicksale, das Meer, das Ufer (alles auch Metaphern,
die in den Stücken wieder auftauchen).
GW:
Das aktuelle Album hast du ja selber produziert. Gibt es
dafür einen speziellen Grund? Hat Dir die Produktion Spaß gemacht
und Dir persönlich etwas gebracht?
Johannes: Bis auf die CDs "Ein neuer Tag" und
"kaltes Licht", welche ja von Bruno Kramm produziert (besser: aufgenommen)
wurden, habe ich sämtliche Illuminate-Alben in Eigenregie aufgenommen,
abgemischt und produziert. Diese Arbeit war also weder etwas neues für
mich, noch hat sie mir konkret etwas "gebracht" - ich weiß auch gar
nicht, wie das zu verstehen sein sollte! Spaß hat mir die Arbeit
natürlich - wie immer! - gemacht! Ich lebe für und von der Musik, und
es gibt nichts schöneres als sein Hobby dermaßen zum Beruf machen zu
können, wie es bei mir der Fall ist!
GW: Wie entsteht ein Song bei Euch? Ist zuerst
der Text da oder erst eine Idee von der Musik? Wer bringt da was
ein?
Johannes: Ich bin in erster
Linie Musiker, daher ist das Lied meist vom Aufbau zunächst von der
musikalischen Seite fertig, bevor der Text hinzukommt. Ein Patentrezept ist
dies jedoch auch nicht - man kann das pauschal gar nicht beantworten. Das
läuft mal so, mal so...!
GW:
Wie nah möchtest Du Fans sein? Ich finde es schon
interessant, dass Du selber in Eurem Forum schreibst und Kontakt zu Dir
hergestellt werden kann. Das macht nicht jede Band.
Johannes: Ohne uns nun zu sehr zu loben, aber ich
kenne keine Band aus der Szene, die ähnlich erfolgreich ist und trotzdem
noch eine solch starke Bindung zu ihren Fans hat, wie es bei Illuminate der
Fall ist. Wir beantworten jede Frage im Forum (sofern sie sinnvoll ist) und
haben mit der FBI (FanBaseIlluminate) eine der meistbeachtesten und
hochgelobtesten Fanclubs innerhalb der Szene, der sich super vorbildlich (und
natürlich ausschließlich in ehrenamtlicher Arbeit) um die Mitglieder
und deren Belange, kreative Adern etc. kümmert. Zudem sind wir auf all
unseren Konzerten für die Fans "greifbar", da wir stets nach dem Auftritt
Autogramme geben und Rede und Antwort stehen. Ich finde es sehr wichtig, dass
man einen guten und persönlichen Draht zu den Leuten hat - sämtliche
Starallüren mit all ihren Auswüchsen sind mir zuwider!
GW: Im Grunde ist es wohl bei Euch so, das man
Euch entweder mag oder nicht, oder was meinst Du? Es scheint da keinen
Mittelweg zu geben. Irgendwie macht Euch doch auch das aus oder? Ist das ein
Problem für Dich?
Johannes:
Ach, ob das ein Problem ist, weiß ich gar nicht! Illuminate
hat schon immer polarisiert, und wenn eine Kritik konstruktiv und
anständig formuliert wird, habe ich dagegen nichts einzuwenden! Ich habe
schon einmal gesagt, dass ich gar nicht allen Hörern gefallen möchte!
Es gibt bei uns aber anscheinend wirklich keinen Mittelweg: Entweder wir werden
verehrt und mit Lob überschüttet, oder die Leute zerreißen uns
verbal in der Luft! Man muss aber immer beachten: "Viel Feind bedeutet auch
viel Ehr!" Mittelmaß ist doof!!!
GW:
Was sagst Du zu der Bezeichnung "Gothic-Schlager" aus dem Orkus
Eure Musik betreffend? Oder juckt Dich so etwas gar nicht
mehr?
Johannes: : Letzteres! Das
juckt mich nicht! Wenn die Leute eine solche Schublade benötigen, dann
sollen sie diese eben erfinden! Wir sitzen in der Szene doch alle in einem Boot
und arbeiten alle am großen Gesamtwerk "schwarze Kultur" mit! Warum sind
innerhalb der Szene so viele Leute so kleinkariert und engstirnig, dass sie
alles, was nicht in ihr dunkles Konzept passt, mit solcherlei Ausdrücken
belegen müssen? Ich verstehe das ehrlich gesagt nicht! Wenn meine Musik in
manchen Ohren Schlager ist, so soll es eben Schlager sein! Ich mache keine
Musik für die Sparte XY, sondern solche, die mir persönlich
gefällt! Wenn ich damit ein paar Leute erreiche, so finde ich das
schön! Ob diese Fans und Hörer aus der schwarzen Szene kommen, oder
eher aus einer "Schlager-Ecke", ist mir im Endeffekt piepegal! Wenn solcherlei
Attribute einen Menschen einordnen oder bewerten...dann gute
Nacht!
GW: Ich habe Euch dieses
Jahr das erste Mal in Essen gesehen und muss sagen, bei Eurer Show kommt die
melancholische Stimmung sehr gut rüber. Ist eine AugenBlicke-Tour in
nächster Zeit geplant? Immerhin wart ihr dieses Jahr erst mit eurem
"Best-Of"-Album unterwegs.
Johannes:
Wie Du schon sagst: Wir waren erst im März auf einer
großen Deutschland-Tournee. Es wird in der nächsten Zeit also keine
Tour o.ä. geben. Sicherlich spielen wir auf ein paar angesagten Festivals
im Frühjahr/Sommer 2005 - bislang gibt es aber diesbezüglich noch
keine konkreten Pläne!
GW: Wie sieht Dein Soloprojekt "Narrenturm"
zurzeit aus? Ist da noch weiteres in Arbeit? Das Album kam ja gut an bei den
Fans und Kritikern.
Johannes:
Der "Narrenturm" war eine ganz spezielle Geschichte, die mir schon
viele Jahre im Kopf herumgegeistert ist und endlich "befreit" (respektive auf
CD gebannt) werden musste. Momentan ist da kein weiteres Album geplant - nur
aufgrund des Geldverdienens möchte ich kein weiteres Soloalbum machen; das
würde m.E. nach den "Narrenturm" abwerten! Wenn ich eine ähnlich gute
Story im Kopf habe, gibt es eine zweite CD! Wenn nicht...dann
nicht!
GW: Du bist ja zum ersten
Mal Vater geworden, kriegst Du denn da alles gut unter einen Hut? Stelle ich
mir nicht einfach vor. Dazu habe ich gelesen, dass Du noch Medizin studieren
willst, ist das was dran? Mit welchem Ziel wäre das? Und würde
Illuminate nicht darunter leiden?
Johannes:
Das Medizinstudium existiert tatsächlich. Dieses hat im Oktober
begonnen und wird von mir mit dem Ziel verfolgt, eines Tages Arzt zu sein! : Ob
ich das alles mit Illuminate unter einen Hut bekommen werde, kann ich zu diesem
Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Das wird die Zeit zeigen - ebenso, wie
ich nie abschätzen kann, ob noch genügend Kreativität für
weitere, gute CDs vorhanden ist! Ich sage natürlich immer "Ja!", wenn ich
danach gefragt werde, aber eine Versicherung habe ich diesbezüglich auch
nicht! Wir werden sehen...
GW:
Vielen Dank für das Interview!
Johannes: Ich bedanke mich bei Dir für die
netten Fragen!
Linda
Holzer für GothicWorld
Review:
"AugenBlicke"
www.illuminate.de |