
Deutsche Goth-Rock-Bands gibt es mittlerweile
wie Sand am Meer. Auch als hartgesottener Fan dieser Musikrichtung fragt man
sich dabei schon manchmal, was diese Band nun von der anderen unterscheidet und
wieviel Innovation es in diesem Sektor überhaupt noch gibt. Eine positive
Antwort auf diese Frage gibt die Musik der GOLDEN APES, die kürzlich mit
"Structures - The Inner Scars" ihr viertes Album fertig gestellt haben. Doch
auch wenn die Berliner seit sechs Jahren fleißig gute Musik machen,
gelten sie immer noch als Insider-Tip. Warum dies so ist und was es
Interessantes über das neue Album zu wissen gibt, erzählte uns
Sänger und Texter Peer Lebrecht in einem Interview.
GW:
Ihr habt vor kurzem Euer mittlerweile viertes Album
veröffentlicht. Wer auch Eure ersten Veröffentlichungen kennt,
weiß, daß Ihr schon sehr früh Euren eigenen Sound gefunden
habt, diesen aber stetig verbessert. Das Resultat hört man auf dem
aktuellen Longplayer "Structures - The Inner Scars". Könnt Ihr ein
bißchen über die Arbeit zur neuen CD erzählen?
Peer: Zurückblickend war "[Structures]";
neben dem "Stigma" Debüt 2000, das Album, in das wir bisher die
längste Arbeitszeit gesteckt haben. Den Opener "At Least" hatten wir das
erste Mal live auf der Record Release Party zu unserem "Helianthos" Album vor
über einem Jahr gespielt! So gesehen hatten wir relativ zeitig eine Ahnung
in welche Richtung wir mit der neuen Arbeit gehen wollten und zu gehen hatten.
Wir hatten bis dato drei wirklich sehr unterschiedliche, doch sich selbst
beeinflussende Alben gemacht und "[Structures]" sollte für uns eine neue
Richtung definieren, eine neue Stufe der "Evolution". Nicht nur lyrisch,
sondern auch musikalisch entwickelten die neuen Songs eine ungeheuer intensive
emotionale Tiefe, die den Entstehungsprozeß des Albums im Studio
maßgeblich beeinflußte. Wenn man sein viertes Album einspielt
muß man niemanden mehr etwas beweisen oder gar beeindrucken oder so waren
wir selbst der einzige Filter, durch den wir äußere Erwartungen an
unsere Arbeit zuließen. Songs wie "Cardinal Points" oder "Lightyears"
sind keine Stücke die großartig Club-Hit Potential besitzen oder
extrem dunkel und düster sind, aber sie besitzen die Intensität an
Atmosphäre, die uns für das Album wichtig war. Es ging nicht um Tempo
und Lautstärke, sondern um die Verbindung zwischen Text und Musik, um die
Kongruenz zwischen Hören und Fühlen. Normalerweise entsteht ein
Albumtitel nachdem die Stücke eingespielt sind und als Komplex eine
Wirkung assoziieren, aber diesmal wußte ich fast vor allen Songs wie
unser neues Album heißen würde und so hatte jeder von uns die
Möglichkeit sich auf ganz persönliche Art und Weise damit
auseinanderzusetzen und eigene Interpretationen in die Musik mit
einfließen zu lassen. Wir hatten letztendlich an die zwanzig Songs
komplett fertig, von denen die Hälfte dann komplett verworfen wurde und
wirklich nur die Stücke auf "[Structures]" zu hören sind, von denen
wirklich jeder von uns sagen konnte :"Ja, das ist es!" Ich wollte, daß
dieses Album frei von Kompromissen unsererseits ist, weil ich denke, daß
die momentane Besetzung der Band die ist, die ich mir immer schon
gewünscht habe.
GW:
Mitgewirkt an dem Album hat auch Hardy Fieting von Scream
Silence. Wie kam es dazu?
Peer:
Die Zusammenarbeit mit Hardy war von vorneherein nicht geplant, aber
da wir uns schon länger kennen und sämtliche Drums fürs Album in
seinem Studio einspielten, war es einfach der optimale Zeitpunkt die schon
länger ins Auge gefaßte Kooperation auch praktisch umzusetzen. Von
unserer Seite war es nicht nur Neugier, die dazu führte, daß er zwei
Songs des Albums produzierte, sondern auch eine willkommene Möglichkeit
die Sichtweise auf die eigene Arbeit neu zu definieren. Gerade bei "Ewigheim",
dem Song, der es von allen anderen Stücken bis dato am längsten
geschafft hat in unserem Repertoire zu bleiben, war es wirklich spannend und
inspirierend zu sehen (bzw. zu hören), wie jemand anderes so etwas
"Intimes" interpretiert.
 GW: Auf der "Structures - ..." findet sich
auch eine wie ich finde sehr gelungene Coverversion vom Joy Division Klassiker
"Atmosphere". Warum gerade dieses Lied? Was verbindet Euch
damit?
Peer: Bis dato hatten wir
Coversongs immer nur als unsere spezielle Hommage an Künstler gesehen,
deren Arbeit wir schätzten und verehrten (z.Bsp. Bowie oder Sisters) . Bis
auf "The Figurehead" von Cure haben wir diese Songs auch immer nur live
gespielt, ohne jegwelche Intentionen sie auf ein Album zu packen. Hinter
"Atmosphere" stand für mich aber, neben der Adoration von Joy Division,
noch ein viel persönlicherer Gedanke, da der Song für mich für
einen ganz bestimmten Menschen steht, der mir sehr am Herzen liegt und Teil
meiner Erinnerungen ist, dem ich auf diese ganz spezielle Art Danke sagen
wollte. Daß er mit aufs Album gekommen ist, verdankt er der
Persönlichkeit von "[Structures]", der Ehrlichkeit, die jeder von uns in
die Arbeit hat mit einfließen lassen. Eben die intime Ehrlichkeit, die
eine solche Widmung verdient hat.
GW:
Gibt es noch andere Songs, die Ihr gerne interpretieren
wollt?
Peer: Mit Sicherheit wird
immer wieder mal einen Song geben, der solch eine Faszination auf uns
ausübt und inspirierend auf uns wirkt, daß wir ihn in unsere
musikalische Sprache adaptieren, aber welchen, wann und warum kann man
definitiv nicht voraussagen. Es hängt auch immer stark von dem eigenen
Material ab, an dem man gerade arbeitet. "Atmosphere" paßte auch
wunderbar in die Atmosphäre (sic!) des Albums, es war quasi der perfekte
letzte Song. Jedes andere Stück hätte höchstwahrscheinlich nur
live funktioniert.
GW: Ihr
habt Euch nach einem Nietzsche-Zitat benannt. Spielen der Zarathustra oder
allgemein die nitzscheanische Philosophie eine Bedeutung für die Texte der
GOLDEN APES?
Peer: Wenn man sich
mit den Texten der letzten Alben auseinandersetzt, wird man merken, daß
es auf jedem Lyrics gibt, die stark von der Philosophie Nietzsches
beeinflußt wurden, eine Faszination, die mich bis heute nicht losgelassen
hat. Ursprünglich war es nur ein Song, dessen Titel zu unserem Bandnamen
wurde und der später auf dem "Stigma" Album wiederzufinden war, aber ich
merkte daß die Thematik ungeheuer tief und inspirierend für mich war
und ist und auch wenn ich es nicht als Konzept bezeichnen würde, glaube
ich, daß sich auch zukünftig Spuren von Herrn N. in unserer Arbeit
wiederfinden werden.
GW: Ihr
vertreibt Eure CDs noch selbst. Seid also bei keinem Label.
Warum?
Peer: Auch wenn es
sicherlich etwas merkwürdig klingen mag, aber bis dato hatten wir die
Arbeit an und mit der Band fast vorrangig nur nach Innen gerichtet. So etwas
wie eine PR-Maschinerie gab es bei uns einfach nicht. Es ist uns bisher immer
wichtiger gewesen kreativ und produktiv zu sein, als unsere Alben "offiziell"
in einem Plattenladen erwerben zu können. Sicherlich ist ein Nachteil
dessen, daß unser Bekanntheitsgrad eher regional begrenzt ist,
andererseits können wir so auf unsere Arbeit mit dem Wissen
zurückblicken, daß jede Entscheidung immer von uns selbst zu
verantworten war und wenn es etwas gibt, daß uns und unsere Arbeit noch
nie beeinflußt hat, dann ist es Reue.
GW: Dann an dieser Stelle mal ein richtiges
Lob für das besonders gelungene Artwork Eurer CD. In wie weit ist es durch
die Musik inspiriert?
Peer: Die
eigentliche Idee zu dem Artwork hatte ich, als mir ein altes Photoalbum in die
Hände fiel, in dem neben Photos auch allerhand Zettel, Notizen und anderes
persönliches Zeug eingeklebt war. Mich faszinierte der Gedanke wieviel
Erinnerungen und wieviel Leben so komprimiert und archiviert auf einem
Stück Zeit Platz finden, quasi kodierte Geschichte, die nur dessen
Protagonist zu dechiffrieren weiß. Da auch "[Structures]" sehr viel mit
Erinnerungen zu tun hat, fand ich den Bezug wahnsinnig passend und treffend.
Jeder einzelne Song hat seine eigene Geschichte, resümiert in oftmals nur
wenigen Worten und vielleicht für nicht jeden erkenn- und begreifbar. Fast
wie ein Photo der eigenen Erinnerung. Im übrigen sind die meisten der im
Booklet verwendeten Bilder nicht etwa fürs Album entstanden, sondern
tatsächlich Teil persönlicher Geschichten.
GW: : Ich hatte jetzt
schon zwei mal die Möglichkeit, Euch live auf der Bühne sehen zu
können. Dabei ist mir aufgefallen, daß Eure Songs noch emotionaler
klingen und irgendwie noch mehr Kraft besitzen. Was haltet Ihr persönlich
von Live-Auftritten?
Peer:
Konzerte sind für uns insofern sehr bedeutend, weil man hier
nicht nur direkte Resonanz auf die oftmals lange und intensive Arbeit bekommt,
sondern weil die emotionalen Tiefen und Bezüge unserer Songs live für
uns selbst am stärksten sind. Man denkt nicht mehr in kompositorischen
Schritten, sondern man spielt einfach und nimmt die Stücke oftmals viel
bewußter und persönlicher war, was zu einer ungeheueren Energie
führen kann, die nicht nur auf die Songs, sondern auf die gesamte Band
übergeht. Man vergißt die Ratio und fühlt einfach nur noch. Im
Studio ist man meistens Teil der Arbeit, Teil der Musik, aber auf der
Bühne wird die Musik zu einem Teil von einem selbst.
GW: Wie sieht die Zukunft der Apes
aus?
Peer: Durch einige kleine
zeitliche Differenzen und die damit verbundene Verschiebung von Terminen,
hatten wir ausreichend Zeit, um uns um die Fertigstellung unseres ersten
Videoclips zu kümmern, bevor wir im Januar und Februar des neuen Jahres
auf Tour mit dem Album gehen wollen. Dessen geographische Ausdehnung
läßt sich im Moment noch schwer einschätzen, aber
sämtliche Fragen werden rechtzeitig auf unserer Homepage beantwortet. Und
alles, was da noch kommen mag, liegt selbst für uns noch im
Dunkeln
Silvio
Wolff für GothicWorld
Review:
"Structures / The Inner
Scars"
www.goldenapes.de |