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Die Aggro Ansage Tour #4 tagt in
der Nachbarhalle. Hiphopklischees treffen auf ebensolche bei den Goten und
Metallern. Man beäugt sich misstrauisch aber nicht ohne Neugier. Und so
stehen Merchandisestände von Aggroberliner SIDO und Gnomband MORTIIS in
trauter Zweisamkeit nebeneinander, irgendwie kommt man zu dem Schluss dass sich
alle Menschen hinter einer Verkleidung verstecken und irgendwie alle
nebeneinander wunderbar klarkommen
Die
zahlenmäßig eindeutig unterlegene Gruppe zieht sich dann nach langem
Warten ins Marx zurück als die MORTIIS Landsleute SUSPERIA den
Knüppel aus dem Sack holen. Ein riesiges Drumset auf der Bühne,
hübsch in Leder gewandete Band, allesamt mit langen Mähnen und mit
einem sehr schnell sehr aufgeweckten Publikum fegten sie ihren Metal durch den
Saal.
Deutlich heavier als auf dem letzten Album und gleichzeitig mit
extrem fittem Gitarristen erkannte man jeden Song sofort, jede Melodie
saß auf den Punkt genau, Sänger Athera ließ sein Haar
kreiseln, dass es selbst den schwedischen Wikingerkollegen zur Ehre gereicht
hätte. Während an ihm und seinen im Wind der Ventilatoren wehenden
Haaren ganz klar ein Thrasher und Metaller der alten Schule verloren gegangen
ist, thronte ex-DIMMU BORGIER Drummer Tjodalv mit konzentrierter Mine hinter
seinem Drumungetüm und tackerte präzise wie ein Uhrwerk. Auch wenn an
diesem Abend viele nicht ganz zu wissen schienen, weswegen sie überhaupt
hier waren, feierten einige mitreisende Fans durchweg lautstark.
Den
Rest konnten neue Songs wie Chemistry oder Home Sweet
Hell durchaus erwärmen. Gesanglich konnte die Band aber bei
darüber hinaus nicht allzu gutem Sound nicht gänzlich
überzeugten, machten aber durch ihre Show einiges wett. Obligatorisch
endetet ihr reguläres Set mit dem Hit ihres letzten Albums: Devil
May Care. Und because this is the last show in germany on this
tour gaben sie mit dem A-HA Cover von The Sun Always Shines On
TV - den Song haben sie übrigens bei jedem Konzert gespielt - die
Bühne für MORTIIS frei.
Im Mikrokosmos Marx warteten
nun also verschwitzte The-Cure-lookalike-Gothics, aufgetakelte Mädels mit
skeptisch guckenden Begleitungen, biertrunkene Metaller und ein von der ersten
Minute an besoffen in der Ecke liegendes Etwas auf den Gnom aus dem hohen
Norden. Programmatisch läuft in der Umbaupause NINE INCH NAILS. Nase
angeklebt und los.
Dass Songs wie das MINISTRY Pseudocover
Gibber live recht gut Arsch treten war abzusehen, dennoch schien es
so, als habe es sich nicht zu allen herumgesprochen, dass MORTIIS härtere
Töne anschlagen und Industrialrock zelebrieren. Von Lagerfeuerromantik
keine Spur, ausschließlich Songs der letzten beiden Alben stehen auf dem
Programm. Oft lange Intros bringen neben den harten Gitarren viel Elektronik
ins Spiel, Decadent&Desperate kommt live erstaunlich gut
rüber.
Weniger prickelnd dagegen, dass MORTIIS ohne die
Studioeffekte auf seiner Stimme ebendiese kaum variiert und selbst Balladen wie
The Loneliest Thing ziemlich aggressiv ins Mikro brüllt.
Während MORTIIS also rockt wie Hölle, gehen einige Mikroständer
über den Jordan, aber auch Smell The Witch oder der
Übersong Parasite God des letzten Albums können das
Publikum nicht wirklich aus der Reserve locken. Und wie lange dauert ein
MORTIIS Konzert? Bis die Nase abfällt. Amen.
Torben (
metal-inside )
für GOTHICWORLD (
mehr Bilder bei www.metal-inside.de )
CD-Review:
"The Grudge" Interview mit
MORTIIS |