CD-REVIEWS:
 |
|
ALEC EMPIRE
"Futurist" CD (Digital Hardcore)
|
Hier gibt's keine
nihilistische Science Fiction, dass ist energetischster Punk-Rock & wer's
nicht gleich rafft soll kacken gehen! ALEC EMPIRE skelletierte schon
Punk, Techno, Jazz & kredenzte uns den digitalen Hardcore. Er ist einer der
wenigen Deutschen den man auch im Ausland kennt & verehrt, auch ohne seine
"Atari Teenage Riots". Nach der Härte seiner letzten vielbeachteten Platte
"Intelligence and Sacrifice" gibt's jetzt noch feste einen oben drauf. Der
splatterhafte Noise von Nic Endo hält sich dezent im Hintergrund, nur das
volle Brett mit stählernen Saiten kann Gleiches mit Gleichem vergelten.
Klar gemacht wird dies bereits zu Anfang: "I'm talking about the death
of rock'n'roll". Diese emotionale & inhaltliche Ansage entspricht seinem
tiefstem psychischen Bedürfnis. Kalt gemacht wird in ,Kiss of death' nicht
die alte Legende vom Schweinerock - the children of the revolution sind das
Problem als solches! Chaos-Outfit & Anti-Studiengebühren-Demo hat
heute rein gar nichts mehr mit Bewußtsein zu tun. Viva sagt was tre chic
ist, mit Viacom im Rücken & ohne Charlotte Roche kommt da nicht mehr
viel, was ambitionslosen Twens den nötigen Arschtritt verpaßt.
"Media is telling you to adjust, friends look at like you must
".
Industrial-Rock & Shout-Vocals vom Besten hämmern unablässig von
der Notwendigkeit etwas zu tun bevor wir alle vor Langeweile sterben, in der
Night of Violence'. Pulp-Fiction-Pogo wird zerhackt von schweren Riffs a
la Tim Skold. Die fetten Jahre sind spürbar vorbei & trotzdem ist die
Generation der Zukunft politisch träge, geistig fett & moralisch
handzahm. Overdose' - "i pay you & i betray you... Delusion"!!!
Danach weist Singleauskopplung 'Gotta get out' mit Glam, Punk & immer noch
Industrial die Richtung. Doch der Weg ist keine lautstarke Neuauflage eines
irgendwie gearteten Crossover. Alec zerlegt Stile mit Stil & würfelt
sie überraschend neu zusammen. K steht nicht nur für Krawall,
ausgefeilte Kompositionen sind des Agitator's Trumpf. Am Point of no
return' spürt jeder das, was einen die Angst bisher nicht hat spüren
lassen "the final day has come...". Konsequent wie Che & radikal wie Jesus,
jedoch inzwischen ein paar Takte ruhiger. Durch diesen benommen-verwirrten
Zustand zerrt es einem ja förmlich den Boden unter den Füßen
weg. Ein elektronisches Vertigo' wie es schon der gute alte Hitchcock
aufzeigte.
Make em bleed' dagegen klingt sehr nach Rammstein in
ihren Anfangstagen & wahrscheinlich sind das Nebenwirkungen von seinem
jüngsten Remix für "Amerika" ;) In Hunt You Down' macht er ganz
in Ska allen Verräten den Garaus. "My mind is a weapon
" was
braucht's da eindrucksvolle Kanonen im Straßenkampf. Exzellent gelungen
ist In disguise'. So & nicht anders hätten die Ramones
geklungen, hätten sie 3 Sattelschlepper Bühnentechnik mehr dabei
gehabt. Doch sind die Ramones nicht auch gerade Zeitgeist? Dem Schlagwort, mit
dem man sie alle kriegt & keiner hinterfragt es! Einige halten sich ja
für so verdammt aufgeschlossen & verwechseln Orientierungslosigkeit
mit Toleranz in jede Richtung. Punk-Rock bedeutet zwar noch immer geistige
Freiheit, hat aber auch was mit Abgrenzung zu tun Terror Alert: High'!
Doch Revolution ist inzwischen ein Markenname, ist Attitüde & Mimikry.
Während in der Glotze ein Spot für eine Billigfummel-Firma mit
Grätenlogo läuft, der schon wieder zu kalifornischen Pinup-Motiven
"children of the revolution" plakatiert
schreit sich Alec meine Hoffnung
aus dem Hals: "i've come to destroy what's accepted & no longer
questioned..". Diese Zukunftaussicht auf CD ist das notwendige
Navigationsgerät für die Generation Smart-RedBull-iPod!
Ivo Klassmann für
GOTHICWORLD
Tracklist: 01. Kiss Of Death
02. Night Of Violence 03. Overdose 04. Gotta Get Out 05. Point
Of No Return 06. Vertigo 07. Make Em Bleed 08. Hunt You Down
09. Uproar 10. In Disguise 11. Terror Alert: High 12. XXV3
www.alecempire.com
|