CD-REVIEWS:
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V.A.:
"Licht und Kraft" CD (Transmusic)
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Es
ist der 8. Oktober 2000. Sonntag Mittag. Ich sitze in jeder Beziehung
gesättigt am Mittagstisch. Das neue Handy - ich habe mich erst vor kurzem
entschlossen, mich dem Trend der Zeit nun doch anzupassen - liegt auf dem
elterlichen Fensterbrett, ca. 80 Kilometer entfernt von Dresden. Das Handy
klingelt. Ich gehe souverän ran. "Bemmann". Am anderen Ende der Leitung
ist André, Sänger der Band EXPRETUS und seit einigen Wochen einer
meiner besten Freunde. "Thomas ist tot", sagt er. "Wie bitte?", frage ich.
"Thomas ist tot", wiederholt André. "Welcher Thomas?", will ich wissen.
"Thomas Buhr, Indyfada", antwortet André. "Indy? Thomas? Willst Du mich
verarschen?", frage ich etwas druckvoller nach. "Mit so etwas mache ich keine
Scherze", kommt es von André zurück. Ich bin geschockt und ich
glaube ihm. Thomas ist tot.
Ein Jahr später. Seit dem Anruf
ist Vieles geschehen. Thomas' Freunde haben zusammen gesessen und
überlegt, was jetzt zu tun sei. Thomas' Beerdigung bezahlen? Ihm einen
Gedenkstein setzen? Zuviel der Ehre. Alles irgendwie seltsam. Was sollen wir
tun? Außenstehende werden das nicht begreifen. Wenn sie ihn
überhaupt gekannt haben, dann nur als DJ Indyfada; eine lokale
Berühmtheit. Thomas hatte bei fast allem, was die Schwarze Szene
betraf, die Hände drin und wenn nicht, kannte er wenigstens die Akteure
oder wurde nach seiner Meinung gefragt. Nicht, weil er irgendeine Macht- oder
Druckposition hatte, sondern, weil er eine wie auch immer definierte
Autorität für die Szene war. Für mich war Thomas über
die Jahre in erster Linie ein Freund geworden. Nicht, dass ich behaupte, ihn
besonders gut verstanden zu haben. Wir sprachen vor allem über Musik, wenn
wir uns zu irgendeiner beliebigen Gelegenheit trafen. Doch, genauso wie mir,
bedeutete ihm das mehr, als Manchem, der rückhaltlos über seine
Probleme, seine Vergangenheit, seine Familie, sein "Leben" sprach.Wir
verstanden uns auf einer Art "Metaebene", ohne wirklich über uns selbst zu
sprechen.
Thomas ist tot. Ich sitze hier und versuche eine
Rezension über den Sampler zu schreiben, für dessen Gestalt ich
wesentlich mitverantwortlich bin, ein Sampler der als
"Indyfada-Tribute-Sampler" unter die Menschheit gebracht werden soll.
Es hat mich über ein Jahr gekostet, diesen Sampler zusammen zu
stellen. Sein Titel war recht schnell klar: "Licht und Kraft"; der Inhalt
nicht. "Licht und Kraft?" wird sich Mancher fragen, das klingt
verdächtig nach völkisch nationalem Neofolk. War Indy ein
verhinderter Neofolker? Mitnichten. Der Titel ist vielmehr ein typisches
Beispiel Indy-schen Humors. "Licht und Kraft" ist der Name einer Dresdner PGH
(Produktionsgenossenschaft des Handwerkes für unsere westelbischen
Freunde), die zu DDR-Zeiten z.B. einen Großteil der Fahrstühle in
Dresdner Hochhäusern bewirtschaftete. Thomas wollte seine fiktive Band, in
der er sicher als Sänger und Gitarrist agiert hätte, so nennen. Als
Neofolk-geschulter Szenegänger amüsierte er sich über die
Doppeldeutigkeit des Namens und die Assoziationen, die dieser beim Konsumenten
auslösen würde.
Es ist der 5. Januar 2002. Endlich sind
die Arbeiten abgeschlossen. Heute ist die Record-Release-Party das Samplers.
Auch wenn ich persönlich nicht daran geglaubt habe, die Location ist
gut gefüllt. Indy scheint nicht vergessen. Selbst komme ich erst am
nächsten Tag dazu, den Sampler zu Hause anzuhören. Ich bin
audiophil - es gibt viele Dinge, die mich stören. Die Qualität der
Aufnahmen ist zu verschieden, als das man sie auf einem Sampler vereinen
könnte. Und trotzdem ist es der Indyfada-Sampler. Mehr als ein Jahr
Enttäuschungen und Freude. Korrespondenz mit denen, die ich verehre.
Absage, unerwartete Zusagen. Kein Zwang. Fünfzehn mehr oder weniger
zufällige Songs, die am Ende doch irgendwie Thomas' Credo
repräsentieren: "Sein offener Geschmack und die umfangreichen auditiven
Interessen sind ebenso hervorzuheben, wie das permanente Engagement für
lokale Bands. Stets bevorzugte er das Individuelle vor dem Klischee, das
Originale vor der Kopie, Qualität vor dem Erfolg", schreibt Matthias aka
DJ Warholy, einer seiner Wegbegleiter seit den Anfangstagen. In diesem
Sinne ist "Licht und Kraft" gelungen. Mehr vermag ich nicht zu sagen.
Außer eins vielleicht zum Schluß: Ich vermisse Dich, Thomas!
disorder für
GOTHICWORLD
offizielle
Pressemitteilung von TRANSMUSIC
Bestellen könnt Ihr den Sampler
unter www.tolkewitz.de tolkewitz - home of the
debile
"Licht und
Kraft"-Tracklist: 01. The Legendary Pink Dots - Twilight Hour (NL,
PsychRock) 02. Yipotash - Gossips (DD, Ambient) 03. Montana Peach Club
- Sleepy Head (DD, SurfPop) 04. Bevis Frond - Crown (GB, Guitarrock)
05. Rawpower - I Wanna Be Your Dog [Iggy & The Stooges-Cover] (DD,
Punk) 06. T.A.G. - Destination (DD, IndustrialRock) 07. Scatology.de -
No Seperation [Nocturnal Emissions-Cover] (DD, technoid Industrial) 08.
Putrefy Factor 7. - Transitoriness (B, Vancouver-Industrial) 09. Eternal
Noise - Phase Zwei (DD, Techno-Industrial) 10. SARDH - Martyr (DD,
Psycho-Industrial) 11. Lore Of Asmoday - J.T. (DO, Gothic-Rock) 12.
Coil - Love Secret Domain (GB, StrangePop) 13. Expretus - Endzeittraum (DD.
Mystic-Wave) 14. Balog - Brap With The Cow (DD, Ambient) 15. Fragments
- These Voizes (B, Ambient)
B=Berlin DD=Dresden |
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