exclusive interview:
NENIA C'ALLADHAN - "eine Begegnung der
sondersamen Art"
Bekanntlicherweise
ist´s sehr schwer bis unmöglich Anna-Varney zu einem Interview zu
bewegen. Wenn überhaupt führt er/sie Dialoge mit sich selbst, wie
zuletzt letztes Jahr im ORKUS-Magazin. Somit sind wir sehr froh Constanze
Fröhling, der eigentlichen Urheberin des Liedgutes auf dem mittelalterlich
klingenden SOPOR AETERNUS-Sideprojekt NENIA C'ALLADHAN für ein paar
erläutendere Worte zu gewinnen:
GW: Hallo Constanze! Bitte erzähle doch
mal, wie es zu NENIA C'ALLADHAN und zur Zusammenarbeit mit Anna-Varney gekommen
ist. Constanze: >> Eigentlich
war es eine Reihe von Zufällen, denn ursprünglich wurde ich von
Apocalyptic Vision angesprochen, weil Varney eine Lautenspielerin für das
damalige Album, für den Song "Memalon" suchte. Als wir uns dann
schliesslich das erste mal trafen, hab ich Varney was von meinen Stücken
vorgesungen und bekam spontan als Echo, dass es nett wäre, daraus ein
gemeinsames Projekt zu machen. Das ist jetzt sage und schreibe fast sechs Jahre
her. <<
GW: Die Texte und
die dazugehörigen Lieder waren schon vorher fertig? Constanze: >> Das ist unterschiedlich, ich
glaube drei der Lieder entstanden nach unserem ersten Treffen, die anderen sind
schon älter, aber das hat nichts mit ihrer Entstehung zu tun, ich habe
Varney immer gleich das neueste geschickt, was ich geschrieben habe, und nach
und nach entstand dann die Playlist für das, was jetzt "Sternblumennacht"
ist. <<
GW: Über
welchen Zeitraum sind diese Sachen entstanden? Constanze: >> Das Älteste Lied auf der
CD ist "Der See des Vergessens", er ist das erste 'richtige' Lied, das ich
geschrieben habe und schon acht oder neun Jahre alt, das Jüngste ist
"Schattengesang", das ich vor drei Jahren geschrieben habe, etwa der Zeitraum,
in dem sich herauskristalisierte, was denn nun auf die CD draufsollte oder
nicht. <<
GW: Wo nimmst Du
die Inspirationen für Deine Geschichten her? Constanze: >> Das ist vollkommen
unterschiedlich. Viele, vermutlich die meisten Lieder/Texte entstanden in der
Umsetzung selbsterlebter Situationen und Gefühle, manche durch eine
schöne Szene auf einem Mittelaltermarkt oder Rollenspiel, manche durch das
Betrachten eines Bildes .... <<
GW:
Was hörst Du selbst für Musik? Constanze: >> Mein Leben besteht aus Musik,
da kann man sich nur schwer auf eine Richtung festlegen. Grossgeworden bin ich
mit Klassik, ansonsten liebe ich die 80er, aber auch andere Sachen, ich
fände es seltsam, hier jetzt Bandnamen zu nennen. Das einzige, was mir
passenderweise und spontan einfallen würde, wäre Subway To Sally,
eben durch den mittelalterlichen Touch und die Art ihrer Texte ... Was ich auf
den Tod nicht ausstehen kann, ist dieses Einheits-Bumm-Bumm, was man heute in
den meisten Szeneläden vorgesetzt kriegt. <<
GW: Welches ist Dein Dir wichtigstes
Stück auf NENIA C'ALLADHAN? Constanze:
>> Da konkurrieren zwei miteinander, "Stimme im Sturm" ist
das, was mir von Text und Melodie am besten gefällt, "Sternblumennacht"
ist wohl das innigste und verbundendste, was ich je geschrieben habe. <<
GW: In wie weit haben sich Deine
Songs durch Anna-Varney´s Einbringen verändert? Constanze: >> Normalerweise spiele und
singe ich diese Lieder nachts an den Lagerfeuern der Mittelaltermärkte,
nur begleitet von meiner Laute. Durch Varneys Instrumentierung und sonstige
Einbringung haben die etwas von dieser leisen Träumerei eingebüsst.
Im Gegenzug dazu haben sie an Vielfältigkeit gewonnen und ich war
Überrascht, wie sehr sich der Charakter eines Liedes verändern kann
obwohl Text und Melodie gleich sind. Das war wohl das Spannendste an dieser
Produktion für mich. <<
GW:
War das Dein erstes größeres Studioprojekt, oder was
hast Du vorher gemacht? Constanze:
>> Ich habe schon eine CD im Alleingang aufgenommen, die ich
auf den Mittelaltermärkten verkaufe. Sie ist, im Vergleich zu diesem
Projekt, vollkommen minimalistisch, nur Laute und mein Gesang, aber teilweise
die gleichen Lieder. <<
GW:
Wie war Dein Eindruck von der Arbeit von Tobias Hahn (JANUS), der
das Album zusammen mit Anna-Varney produziert hat? Constanze: >> Ich muss zu meiner Schande
gestehen, dass ich Janus gar nicht kannte, geschweige denn wusste, dass Tobias
auch ein eigenes Projekt hat, das hab ich erst mitbekommen in der Zeit, die ich
mit ihm im Studio verbracht habe. Mein Eindruck war, dass er genau weiss, was
er tut, ausserdem hat er ein recht gutes Gespür für die Leute, mit
denen erarbeitet. <<
GW:
Mit Anna-Varney selbst scheint die Zusammenarbeit letzendlich
nicht so doll gelaufen zu sein? Constanze:
>> Varney ist ein musikalisches Genie und vollkommen
perfektionistisch, hat jahrelange Studioerfahrung und genaueste Vorstellungen,
von dem, was zu tun ist. Ich hingegen bin immer live aufgetreten und habe somit
eine vollkommen andere Arbeitsweise als Varney. Auf diese Art gab es die ein
oder andere Reiberei, der ich im Nachhinein keine grosse Bedeutung beimessen
will, was mich gestört hat ist, dass vieles Über meinen Kopf hinweg
entschieden wurde, dass meine Bedingungen nicht eingehalten wurden, so habe ich
mich zum Beispiel strikt dagegen ausgesprochen, dass "Sternblumennacht" von
einer männlichen Stimme (ganz gleich wie Varney jetzt sein/ihr Geschlecht
definieren mag, die Stimme in dem Stück ist männlich) gesungen wird
(das Lied bekommt dadurch irgendwie einen homosexuellen Touch, ich singe ja
auch keine Lieder, die für Männer geschrieben sind und in denen
Frauen angeschmachtet werden) und schlussendlich der Werbetext von Trisol, der
meine Mitarbeit an dem Projekt reichlich unter den Teppich kehrt, aber so ist
das nun mal ... << GW: Wie
wird das mit NENIA C'ALLADHAN Deiner Meinung nach weitergehen? Constanze: >> Gar nicht, zumindest nicht
mit mir oder meinen Stücken. << GW:
Hast Du sonst irgendwelche Zukunftspläne? Constanze:
>> Ich werde wie eh und je meine Musik auf den Märkten
machen, wenn sich etwas anderes ergeben sollte, ist das gut, auf der suche bin
ich immer und auch nicht festgefahren auf eine bestimmte Richtung aber meinen
Ursprüngen werde ich ganz sicher treu bleiben, wie könnte ich auch
anders? << GW: Gibt es
einen Künstler mit dem Du gerne mal zusammen arbeiten
würdest? Constanze: >>
Sicherlich, es gibt sogar gleich mehrere davon, aber da ist immer die Frage wie
sich was ergibt. Ich würde auch gerne meine Fühler mal in andere
Richtungen ausstrecken, wer weiss, was die Zukunft mir da noch bringt.
<< GW: Was denkst Du
über die Gothic-Szene und wie sie sich zur Zeit darstellt? Constanze: >> Wenn ich auf meine eigenen
Anfänge vor etwa 12 Jahren zurückblicke, runzel ich heute manchmal
ein wenig die Stirn, ein bisschen hat sie schon verloren.. irgendwie, aber das
muss die Szene nicht schlechter machen, so ist das mit Zeit und
Veränderung und zeig mir denjenigen, der nicht der Ansicht ist, dass zu
'seiner Zeit' alles besser war. << GW:
Bis Du religiös? Hast Du eine bestimmte
Lebensphilosophie? Constanze:
>> Meine Lebensphilosophie ist, dass es nie einen Grund gibt,
aufzugeben, egal was passiert, und die hab ich mir hart erarbeitet..
<< GW: Vielen Dank
für das freundliche Gespräch. Noch ein paar abschließende Worte
zum Schluß? Constanze:
>> Ich bin mehr als gespannt, wie die Szene auf diese CD
reagieren wird, da sie nun wirklich nicht dem Standard der Szene-Musik
entspricht, auf der einen Seite denke ich, dass gerade 'unter uns' noch
diejenigen zu finden sind, die Phantasie und Vorstellungsgabe genug haben, um
diese Musik mit ihrer Aussage in sich aufnehmen zu können, andererseits
habe ich feststellen müssen, dass es gerade die Anhänger 'unserer'
Szene sind, die auf dem Markt am schnellsten vorbeigehen, ohne auch nur einen
Moment lang zuzuhören... warten wir es ab. <<
Sir Ritchie für die
GOTHICWORLD
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