Live-Review:
  FESTIVAL
- 30.04. Hanau,
Audion
Mit viel
Idealismus und Enthusiasmus ein Festival auf die Beine zu stellen, sollte man
an sich erst mal honorieren. Das die Halle des Audion in Hanau am letzten
Maitag (in "Szenekreisen auch Walpurgisnacht genannt!) dann nicht mal zur
Hälfte gefüllt war... ob es an dem relativ hohen Eintrittspreis
oder den inflationären Getränkepreisen lag, der schlechten
Eigenwerbung?... Sei einfach mal dahin gestellt. An den auftretenden
Bands lag es sicherlich nicht. Bot sich dem
geneigten Hörer doch ein recht abwechslungsreiches Programm das
auf Grund der Menge fast pünktlich um 21:00 begann und sich trotz dem in
streckenweise recht schleppender Langsamkeit bis weit nach 04:00 hinzog.
Den schwierigen und meist recht undankbaren ersten Auftritt hatten
WESTWERK die dann auch noch eine Stagepremiere hinlegten.
Unterstütz von der Sängerin von Stunden später noch
erscheinenden) ANUBIS boten WESTWERK eine sehr ruhige,
besinnliche Musik die ohne weiteres das Etikett "Gothicrock" tragen
könnte. Langsame, getragene Songs, durch den Einsatz von Gitarre und
Schlagzeug etwas treibender gestaltet, mit Hilfe des Cellos verfeinert und von
der tiefen Stimme des Sängers zusammen gehalten. Schade nur das die
Techniker zu diesem Zeitpunkt noch arge Probleme mit dem Mischpult hatten und
die männlichen, wie auch weiblichen Vocals unter den Drums und der
E-Gitarre untergingen.
Als nächstes boten
WEENA MORLOCH ihre blutverschmierte Avantgarde-Show des gepflegten
elekronischen Geräuschsuniversums, bei dem man sich fragte, ob das
später erscheinende Ordnungsamt die Unterbindung der Show nun wirklich
wegen der potentiellen Gefahr auf arme Gemüter als Konsequenz von Erfurt,
oder doch des guten Geschmacks wegen anstrebte. Insgesamt betrachtet boten die
beiden "Künstler" ein wüstes Sammelsorium aus Samples und
Soundcollagen das nur gelegentlich von Gesangseinlagen aufgelockert wurde und
auf mich eher den Eindruck plakativer Provokation denn guter Musik machte. Auch
der Rest des Publikums schien eher überanstrengt denn begeistert zu sein.
Egal.
Jede Form hat ihre Daseinsberechtigung, was auch die
nachfolgenden
DUST OF BASEMENT zu spüren bekamen. Denn
ihr recht poppiger Electro, getragen von den immer wieder an Anita Lane
erinnernden, lasziven weibliche Vocals und den nicht ganz so perfekten Einlagen
des Sängers, schien in erster Linie nur den eigens aus Berlin angereisten
Fanclub zu tänzerischen Höchstleistungen anzutreiben. Während
der Rest des doch eher metal-gothic-lastigen Publikums den Auftritt mit etwas
Argwohn betrachtete. Die sich immer mehr in die Länge ziehenden
Umbaupausen konnte man getrost nutzen um sich am TRISOL-Stand mit CD's und
Merchandising aller Bands dieses Labels zu versorgen, oder einfach durch die
übersichtliche Menschenansammlung treiben lassen und nach Promies Ausschau
halten.
Schon nach Mitternacht betraten dann ANUBIS die
Hanauer Lokalmatadoren die Bühne und boten, zumindest für mich, den
überraschendsten Auftritt des Abends. Nach Umbesetzung und
Neuorientierung, gaben sie hier ihren ersten Gig nach einem dreiviertel Jahr
und ein gewisse Nervosität war den Jungs und dem einen Mädel schon
anzumerken. Nichts desto trotz boten sie eine eindrucksvolle, musikalische
Darbietung ihres wunderschönen von Melodien nur so strotzenden Metals mit
ausschließlich weiblichen Vocals. Einer Musik die schön, traurig,
melancholisch und doch hart und sehr rhythmisch daher kam, weit ab aller
Klischees und Schubladen. Vor allem die tiefensinnigen, poetischen, deutschen
Texte, die man auf Grund der beachtlichen Leistung der Sängerin, und der
inzwischen besseren Abmischung, sogar verstehen konnte, waren etwas das zu
überzeugen wusste.

Hut ab, das es die
kleine, zierliche Person, trotz etwas übertriebenen Zigarettenkonsums
schaffte, eindrucksvoll gegen zwei Gitarren, einen Bass, einem Schlagzeug und
Syntheziserflächen zu bestehen. Wie gesagt für mich der Tipp des
Abends, nur die Frage übrig lassend, warum ANUBIS noch keinen
Plattenvertrag haben und der Aufforderung an alle, doch bitte deren aktuelle CD
"Kassandra" zu kaufen!
Nach etlichen Stunden, leicht schmerzenden
Beinen (ich bin nun mal ein alter Sack!*g*) betraten gegen 02:30 dann
ASP die Bühne. Und trotz der sicherlich gleichberechtigten
Erscheinung aller Bands, handelte es sich hier eindeutig um den Höhepunkt
der Nacht. Nicht einfach weil ASP
inzwischen fast Popstars sind, sondern weil es ihnen gelang, zu
vorgerückter Stunde, das inzwischen doch recht müde wirkende Publikum
dermaßen hochzupeitschen, das man einfach nicht stillstehen konnte. So
wie ASP den kaum gefüllten Raum vor der Bühne zum kochen brachte,
zwanzig Leuten die Lautstärke einer gefüllten Halle abrangen und alle
noch mal richtig munter machten.... Man kann nur sagen das ASP eine sehr
unterhaltsame, charismatische Erscheinung auf der Bühne sind, die eine
optisch wie technisch perfekte Show lieferten, was nicht nur an ihren eigenen
Technikern gelegen haben dürfte. Und nicht von irgend woher, kam
sicherlich die Idee den Song "teach me war" als "aus aktuellem Anlass wieder
ins Programm genommen" zu präsentieren. (s.o. WEENA MORLOCH und das
Ordnungsamt!) Zu dieser Stunde waren brave Gesetzteshüter aber schon
im Bett, sonst wäre ihnen bei dem geballten "scharzen" Selbstbewusstsein
zu dieser nachtschlafenden Zeit sicherlich der Angstschauer über den
Rücken gelaufen. "Und ich tanz auf meinem Graaaaaaaab!!!!!"
Thomas Sabottka für GothicWorld
Ja und hier übernimmt Sir Ritchie mal
wieder das Livereporter-Mikro (hehe Thomas, nicht schwächeln ;-), denn
nach dem phenomenalen Auftritt von ASP (man spürte förmlich
wie die Tour mit UMBRA ET IMAGO / TANZWUT die Band zu einem "vernichtendem"
Energiebündel zusammengeschweißt hat) gab doch glatt noch eine Band
die Ehre! Unsere alten Bekannten vom der ANUBIS "HeroinE"-
Live-Releaseparty ADVOCADUS DIABOLI ließen sich es nicht nehmen,
den ersten Mai-Morgengrauen musikalisch ausklingen zu lassen.
Die
Frage, ob nach der ASP-Show (schon eine Meisterleistung um drei Uhr eine
Handvoll Publikum derart zum Kochen zu bringen) das noch viel Aufsehen erregen
könnte, beantwortet sich Angesichts der Uhrzeit von selbst. Also machte
mich so um fünf auf den langen Heimweg, da haben sie immernoch gespielt.
Nun soll mir noch einer behaupten, unsere Gothicbands hätten keine
Ausdauer!
Alles in allem wars ein schöner Abend, es gab Musik die
begeisterte und genug Gelegenheit sich mit alten Freunden zu treffen und neue
kennenzulernen.
Sir
Ritchie für GothicWorld
Photos vom entARTet-Festival von
Thorsten Richter und vom
ASP-Fanclub www.singchild.de - dort gibt es auch einen Bericht und noch
mehr Bilder!
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