exclusive interview:
Claire Voyant - Berauschende Töne
Claire Voyant's Alben sind ein Panoptikum der Sinne, ein
Sammelsurium unterschiedlichster, meist melancholischer Grundstimmungen,
mitreißender Gefühlsaufwallungen und einer lyrischen Prosa, die das
Innere in umschmeichelnden Worten nach Außen kehrt und den Zuhörer
teilnehmen läßt an einer Welt, die jeder schon einmal durchlebt und
durchlitten hat.
Einer Welt, in der die Liebe die Sinne betört,
nur um in einer Kakophonie der Enttäuschungen, gegenseitiger
Schuldzuweisungen, des Unverständnisses oder der gekränkten
Eitelkeiten zu versinken. Einer Welt, in der sich Sinnfrage der Liebe jeden Tag
auf's Neue stellt, ohne daß wir es jedoch wagen würden, sie - die
Liebe - wirklich in Frage stellen.
Was wäre die Welt ohne Liebe,
ohne das Gefühl der Vertrautheit oder der vollkommenen Hingabe zu einem
Menschen, den wir achten, den wir tagtäglich an unserem persönlichen
Freud und Leid teilhaben lassen; den wir aber vor allem in den Mittelpunkt
unseres Daseins stellen, um selber die Gefühle zu empfangen, die wir
bereit sind zu geben?
Eingebettet in etherische
Soundgebilde voll zerbrechlicher, zur gleichen Zeit aber auch kraftvoll
anumtender Noblesse sind Claire Voyant's Alben, viel mehr wie bei vielen
anderen Bands, vor allem aber auch Zeugnisse der Zeit, in der sie entstanden,
so daß die Wiederveröffentlichung dieser Alben auf Accession Records
Sängerin Victoria Lloyd erneut mit den Stimmungen und Gefühlen vor
und während der Aufnahmen konfrontiert und sich in den Augen der
Protagonistin sicherlich die Frage gestellt hat, ob diese den "Test Of Time" zu
bestehen in der Lage sind.
Claire Voyant
: "Wir versuchen die Alben als Momentaufnahmen der Zeit zu sehen,
in der sie aufgenommen wurden. Natürlich würden wir uns wünschen
bestimmte Dinge anders gemacht oder ein höheres Aufnahmebudget zur
Verfügung gehabt zu haben, aber im Großen und Ganzen sind wir sehr
mit dem zufrieden, was diese Alben für die Geschichte der Band
darstellen."
Versehen mit Bonustracks ("Time And The Maiden"),
einem komplett überarbeitetem Artwork sowie den Texten bietet diese
erneute Veröffentlichung, Jahre nachdem sie ursprünglich entstanden,
auch die Chance, die vertretenen Songs aus einer anderen, mittlerweile sehr
viel distanzierteren Perspektive zu betrachten, so daß eine objektivere
Betrachtungsweise sehr viel wahrscheinlicher scheint, als noch unter dem
Einfluß der Aufnahmen bzw. der Monate unmittelbar danach.
Claire Voyant : "Ich denke, es ist wirklich
sehr schwierig seine eigene Arbeit objektiv zu betrachten. Songs, mit denen ich
mich während des Songwritings nicht sonderlich verbunden fühlte,
können mich Jahre später sehr viel mehr berühren. Auf der
anderen Seite können Songs, die ich wirklich großartig fand, sich
auf einmal nicht mehr ganz so perfekt darstellen. Die Stimmung ist aber immer
noch präsent und die Erinnerungen an den Prozeß des Songwritings und
die Aufnahmen lassen mich meist lächelnd zurückblicken. Künstler
können sich wirklich glücklich schätzen, ihre Stimmungen und
Meilensteine durch ihre Kunst zu dokumentieren."
Wobei die Kunst,
die Claire Voyant mit ihrer Musik zum Leben erwecken, nicht nur von den Fans
sondern auch von den Kritikern geschätzt wird, wurde die Band - nicht ganz
zu unrecht - bereits als einer der besten Dark Wave-Bands überhaupt
bezeichnet, worin neben der Bewunderung für die Musik der Band auch eine
Verpflichtung für zukünftige Projekte der Band mitschwingt.
Claire Voyant : "Ich finde, das
ist ein sehr großes Kompliment. Es stammt von Bryan Reesman vom
US-Magazin "Magnet" und seine Meinung war und ist uns sehr wichtig. Wir
respektieren seine Meinung. Außerdem ist er ein ausgezeichneter Author.
Wir unterwerfen uns dadurch aber nicht zwingendermaßen einem Druck. Viel
mehr inspiriert solch eine Äußerung uns, unser Potential voll
auszuschöpfen und uns der Tatsache bewußt zu werden, daß wir
mit unserer Musik wirklich jemanden bewegt haben. Wir betrachten dies als ein
sehr großes Geschenk."
Fortsetzung soll dies mit einem neuen
Album finden, an dem Victoria zusammen zusammen mit Chriss Ross (Keyboards) und
Benjamin Fargen (Gitarre) bereits arbeitet, und dessen Grundkonzept nur
unwesentlich von dem abweichen wird, was "Time And The Maiden" sowie das
selbstbetitelte Debüt zu solch exzellenten Werken reifen ließ.
Claire Voyant : "Das Album
scheint eine, für Claire Voyant logische Weiterentwicklung zu werden. Das
Material ist melodisch, lyrisch und sehr kraftvoll, aber es gibt nebenher noch
eine sehr große Bandbreite unterschiedlichster Stimmungen, an denen wir
sehr hart gearbeitet haben. Wir haben mit einer Dynamik gearbeitet, die der
Band sehr gut zu Gesicht steht. Im übrigen sind wir nicht bewußt
durch irgendwelche vorherrschenden musikalischen Trends beeinflußt
worden. Es gibt einen Track, der radiofreundlich scheinen mag, aber das war
einfach Zufall. Er ist einfach nur sehr, sehr
eingängig."
Ohnehin fällt die musikalische Zuordnung
Claire Voyants zu einem bestimmten Genre nicht ganz einfach. Von der Stimme
zwar im "Heavenly Voices"-Bereich angesiedelt, gehen die Songs zum Teil doch
weit über diesen musikalischen Bereich hinaus, so daß die Band gerne
als Gothic-Band bezeichnet wird. Ein Genrezuordnung, mit der Claire Voyant
durchaus leben können, die den Nagel aber nicht wirklich auf den Kopf
trifft.
Claire Voyant : "Ich
finde, Claire Voyant haben einen leichten Touch von Gothic. Was ich damit
meine, nun, wir haben Gothic-Elemente, sphärische Synths, stimmungsvolle
Texte, aber ich würde uns nicht als "Gothic" klassifizieren.
Natürlich sind wir sehr dankbar für unsere Fans, die häufig aus
dieser Szene stammen und auch die DJ's und Journalisten behandeln uns sehr
wohlwollend. Unsere Fans sind die Besten, die uns immer vorwärts treiben.
Wir fühlen uns in dieser Szene auch sehr wohl , sind uns aber der Tatsache
bewußt, auch andere Leute erreichen zu müssen, wollen wir einen
größeren Erfolg haben. Wenn ich also ehrlich bin, wüßte
ich gar nicht, wo ich Claire Voyant einordnen sollte...hmmmm."
Die
Naturverbundenheit Claire Voyants drückt sich nicht nur im Artwork der
wiederveröffentlichten Alben aus, sondern auch und gerade in der Musik mit
ihren sehr warmen Tönen. Dabei steht die Natur jedoch nicht nur als
Synonym für das Leben an sich, sondern auch für den Prozeß der
Erneuerung, eingeleitet durch Tod und den Zerfall; Themen, die zur der
etherischen Musik Claire Voyants im krassen Gegensatz stehen und sich auch
nicht in den lyrischen Texten der Band ablesen lassen, so daß die
Zuordnung der Band in ein, häufig von der Todessehnsucht und morbid
eingefärbten Texten geprägtes Genre, der Band kaum gerecht
wird.
Claire Voyant : "Was ist
denn berauschender als die Natur? Unsere Musik ist nicht so dunkel wie so
vieles andere dieses Genres. Ich bin eine Romantikerin, eine Idealistin, wie
ich aber auch sehr verrückt und sehr leidenschaftlich sein kann. Ich hoffe
und bete jedoch voller Verzweiflung auf eine geschmackvolle und mir angemessene
Fröhlichkeit. Jeder Mensch hat eine andere Art sich auszudrücken.
Manche von ihnen besitzen sehr viel Wut und Zorn, die sie durch ihre Musik zum
Ausdruck bringen, während unser Weg eher der einer heilenden Reise ist."
... die zu begleiten und zu verfolgen ein jeder herzlich eingeladen
ist.
"Viel mehr inspiriert solch
eine Äußerung uns, unser Potential voll auszuschöpfen und uns
der Tatsache bewußt zu werden, daß wir mit unserer Musik wirklich
jemanden bewegt haben. Wir betrachten dies als ein sehr großes
Geschenk." (Victoria über die Belastung, mit der Bezeichnung
der Besten Dark Wave-Band leben zu müssen)
Michael Kuhlen (OBLVION) für
GOTHICWORLD
Das CD-Review zu "Time And The Maiden" gibts
hier !
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