Live-Review:


Chamber ReleasepartyCHAMBER - Releaseparty
28.06.2002 - Sinkkasten, Frankfurt

Marcus TestoryEhrlich Leute, nach diesem Abend muß die Musikgeschichte definitiv neu geschrieben werden!!
Denn, was haben Songs wie "Where the wild Roses grow" von Nick Cave, "Hollow Hill" von Bauhaus, "Temple of love" von Sisters of Mercy, "Dancing Bearfoot" von Pattie Smith, "Rock me Amadeus" von Falco gemeinsam?

Erstens gelten sie alle durchweg als heilig und uncoverbar und zweitens wurde durch CHAMBER deutlich gemacht, das all diese Stücke nichts weiter sind als kammermusikalische Kunstwerke.
Nicht mehr, aber auch beileibe nicht weniger.



L'Orchestre De Chambre NoirGenau dies stellte das "L'Orchestre De Chambre Noir" äußerst beeindruckend an diesem Abend dar.
In der Besetzung zweier Akustikgitarren, einer Cellistin, einer Kontrabassistin, zweier Violinisten und einer Viola, verbreitete Marcus Testory mit seinem Orchester den Charme eines leicht verrückten, Kaffeehauspoeten mit typischem "Weaner Schmäh". Die obligatorische Rotweinflasche durfte genauso wenig fehlen wie die Zigaretten und die ironischen Ansagen.

L'Orchestre De Chambre NoirAuch die Anordnung im Sinkkasten, das ein Teil des Publikums, wie im Theater die Möglichkeit hatte, im Halbkreis vor der Bühne zu sitzen und die kleine Tür im Hintergrund, durch den die Akteure die Bretter, welche die Welt bedeuten betraten, verstärkten den Eindruck eines kulturell wirklich wertvollen Abends. So zeigte sich das zahlreich erschienene Publikum dem sehr angemessen, in seiner Mischung aus "normalen" Gästen und der "schwarzen Fraktion".

Rig (JANUS) und MaxDoch zurück zum Geschehen!
Das Hr. Testory ein sehr charismatischer Bühnenmensch ist, stellte er ja schon als Chorknabe bei ASP unter Beweis. Als Frontmann seines schwarzen Kammerorchesters noch um so mehr. Selten habe ich ein akustisches, eher klassisch anmutendes Set erlebt, das mit so viel Energie und Stimmung rübergebracht wurde, das die Menge im gut gefüllten Club, mehr wie eine wilde Schar von Rockfans agierte.



Matze (Producer/ASP) und MaxÜber zwei Stunden, präsentierten die Männer und Frauen, ihr Programm, bestehend aus Stücken ihrer aktuellen CD, älteren Werken und eben jenen oben genannten Coverversionen. Alle samt mit Perfektionismus und Enthusiasmus dargeboten, das nicht ein einziger Akkord langweilig wurde.


L'Orchestre De Chambre Noir u.a. ASP und Alexander Kaschte




Unterstützt von immer wieder durch die Tür schleichenden hochkarätigen Gästen, hatte man die ganze Zeit über den Eindruck einem wirklich besonderem Abend beigewohnt zu haben. So überraschte Rig von JANUS, einmal mehr mit seinem stimmgewaltigen Organ, das gut und gerne auf das Mikro hätte verzichten können. ASP ungeschminkt und mit schwarzer Nickelbrille, als humorvoller, doch stiller Zweitsänger, Alexander Kaschke (SAMSAS TRAUM, WEENA MORLOCH) als wenig auffälliger, guter Gesangskünstler. Marion von PILORI mit ihrer eher tiefen Stimme, genauso wie die singende Violinistin des Orchesters, oder alle anderen beteiligten Künstler. Selbst Mozart (UMBRA ET IMAGO) zeigte sich entspannt und humorvoll bei seiner Gesangseinlage, und ein versammeltes "Goth-Star-Ensemble" bei "Temple of Love" in einer APOCALYPTICA in Nichts nachstehenden Klassikversion, das alleine war schon den Eintritt wert.

ASP und MaxSo müssen eigentlich Livekonzerte sein!!
Überraschend, spannend, unterhaltsam, musikalisch einfach perfekt, nur charismatische Leute und gute Musiker auf der Bühne, denen man den Spaß an der Sache anmerkte und die uns (dem staunenden Publikum) einen Abend der Extraklasse bescherten, den man so schnell nicht vergessen kann!


Mozart


Wie gesagt:
Von dieser Präsentation kann sich so manches Projekt mehr als nur eine Scheibe davon abschneiden, und die Musikgeschichte muß neu definiert werden. Mehr noch als auf der grandiosen CD haben CHAMBER bewiesen, das Experimente sich immer noch lohnen und durchaus begeistern können.


Im Anschluß gabs noch eine fette Party bis in den Morgen mit den DJs Mozart, ASP und DIN8.
Und wer nicht abhotten wollte, konnte sich zu relaxten Talks in den ruhigen Café-Treibsand zurückziehen, wo die Akteure des Abends sich gerne in tiefsinnige Gespräche vertiefen ließen.
Bitte, bitte, mehr davon und eine Träne für alle, die dieses grandiose Event verpaßt haben!!


Thomas Sabottka für GOTHICWORLD

Photos von Marc Weisenberger (mehr davon auf www.DIN8.de)

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