interview:
MANTUS "Für mich ist die Welt traurig und
doch auch wunderschön..."
Nachdem MANTUS mit ihrem bereits dritten Album
"Fremde Welten" von sich hören machen, ist es an der Zeit den Schreiber
und Produzenten Martin Schindler selbst ausfühlich zu Worte kommen zu
lassen:
GW: Hallo, vielen
Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Gleich meine erste
Frage euer drittes Album "Fremde Welten" betreffend: Wo steht MANTUS jetzt? Wie
haben sich MANTUS entwickelt und wo ist beim Schreiben der Songs dein
gedanklicher Marsch durch die Welt? Martin:
MANTUS ist mir nach wie vor sehr wichtig und so verbringe ich einen
Großteil meines Lebens mit Komponieren und der dazugehörigen Lyrik.
In der Musik kann ich meine eigene Welt erschaffen mit allen Überzeugungen
und Absurditäten die ich idealisiere. Die Musik ist ein Teil von mir und
durch sie spüre ich lebhaft das ich existiere. Ich versuche die
Wirklichkeit durch eine erdachte Realität zu ergänzen und jede Note
und jedes Wort wird dadurch zu persönlicher Wahrheit. Ich lade die
Menschen ein, in mein Reich vorzudringen um ihnen eine Welt von grenzenlosem
Leid und Liebe näher zu bringen und es liegt an ihnen ob sie bleiben oder
verständnislos wieder gehen.
Auf "Fremde Welten" haben wir uns wie
auf jedem neuen Album weiterentwickelt, textlich wie musikalisch. Themen wie
Liebe, Existenzangst, Schmerz und Tod werden wohl immer eine wichtige Rolle bei
MANTUS spielen, jedoch versuche ich auch, mich der Welt da draußen nicht
zu verschließen um ihr zu sagen wie ich über sie denke, und so haben
diesmal auch Themen wie Krieg, Fremdenfeindlichkeit und Hass Einzug in die
Musik genommen.
Musikalisch geht es ein bisschen in die Richtung
klassischer Gothic Rock, aber mit der gewohnten Romantik. Gitarren, Schlagzeug
und Synthiesounds sind die wichtigsten Elemente in meiner Musik, gepaart mit
dem Wechselgesang von Thalia und mir. Sicherlich sind wir auch etwas
eingängiger geworden. Es kann aber durchaus sein, dass auf dem
nächsten Album die Kompositionen wieder anders ausfallen.
Die
Musik entsteht bei mir aus dem Moment heraus, Melodien kommen beim
experimentieren mir Arrangements und dann hab ich meistens schon den Text im
Kopf. Ich bin immer wieder selbst überrascht, was ich am Ende der
Produktion zu hören bekomme.
GW:
Was sagst du zu den Vorwürfen, dass MANTUS verkitschten
Gothic ohne Abwechslung machen? Martin:
Das ist mal wieder eine der üblichen Fragen und eigentlich
gebe ich darauf immer die gleichen Antworten, aber allmählich hab ich kein
Verständnis mehr für diesen Vorwurf. Ich will es mal so sagen, wenn
es um die Texte geht, hat derjenige entweder keine Ahnung von anspruchsvollem
lyrischen Ausdruck, überzeugter Romantik oder gotischer Lebenskultur, oder
er hat sich mit den Texten nicht wirklich beschäftigt, hat deshalb keinen
Bezug dazu und kann sie nicht verstehen.
Ich lass es nicht mehr gelten,
mich in eine Schublade stecken zu lassen, nur weil ich in deutscher Sprache
texte. Wer sich nicht auf die Texte einlassen will, der soll sich eine MANTUS
Platte erst gar nicht anhören, und wer mit besserwisserischen
Vorwürfen daherkommt, verdient höchstens meine Verachtung, mehr aber
auch nicht. Es gibt Leute die ihre Ideale versuchen auszuleben und viele Leute
mit ihrer verstocken Nüchternheit wissen gar nicht was ihnen im Leben
alles entgeht.
Musikalisch gesehen ist es sicherlich richtig, dass wir
keine allzu komplizieren Kompositionen verwenden. Das ist nun mal mein Stil und
ich lege mehr Bedeutung auf die Melodien und den Gesang. Abwechslung ist
zwischen den drei Alben dennoch zu spüren. Ich versuche nur, meinem Stil
treu zu bleiben, weil ich es so am besten kann und damit selbst zufrieden bin.
Außerdem ist das Feedback was ich von den Leuten bekomme fast durchweg
positiv, also scheine ich ja wohl auf dem richtigen Weg zu sein.
GW: Was willst du bei dem Hörer
bewirken? Martin: Mit meiner Musik
versuche ich, den Hörern eine Alternative zu bieten zur grauen und
verständnislosen Wirklichkeit, die uns da draußen jeden Tag
erwartet. Ich versuche die Leidenschaft in jeglicher Hinsicht wieder zu
erwecken, die in der Realität immer mehr verloren geht.
Oberflächlichkeit und Schnelllebigkeit sind die Markenzeichen unserer
Zeit, aber es geht auch alles viel bedachter und bedeutungsschwerer als uns
vorgegaukelt wird.
Die Welt von MANTUS ist romantisch und das Leid des
einzelnen steht im Mittelpunkt. Auch ist sie überaus traurig, denn das ist
das Gefühl durch welches ich am stärksten spüre dass ich lebe
und die Melancholie gibt mir viel an Kraft zurück. Für mich ist die
Welt traurig und doch auch wunderschön...
GW: Wie sehen deine weiteren Pläne mit
MANTUS aus? Martin: Mit MANTUS habe
ich noch viel vor. Meine Musik und ich entwickeln sich stetig weiter und es
gibt noch so viel Melodien und noch so viele Worte und Texte die ich noch gerne
loswerden möchte.
Manchmal reizt es mich, mal wieder traurige
Gedichtvertonungen zu machen, im nächsten Moment möchte ich schon
wieder harte Gitarren und eingängige Melodien einbauen. Mit MANTUS habe
ich die Freiheit alles zu verwirklichen was mir vorschwebt und ein neues Album
wird nie wie das vorherige klingen.
Außerdem werde ich in meiner
Tätigkeit als Produzent auch nach und nach besser, also reizen mich in
dieser Hinsicht auch noch viele Dinge die ich noch nicht gemacht habe. Ich
nehme mir sehr viel Zeit für die Musik, arbeite an den Songs und den
Texten aber relativ zügig.
Es wird also auch weiterhin neue MANTUS
Alben geben und manch ein Kritiker wird mir vielleicht vorwerfen wollen,
daß langsam der Geist und die Innovation in den Songs schwinden, aber das
ist Blödsinn, denn seine Seele kann man nicht von heut auf morgen
austauschen und das, wofür MANTUS steht, wird auch in Zukunft prägend
sein.
GW: Wenn du ein
Resümee über deine Musik ziehst, was ärgert dich dann besonders
bzw. wo sagst du: Toll, das hat verdammt gut geklappt? Martin: Alles in allem ist es gut so wie es ist.
Man geht seinen Weg, sammelt Erfahrungen und versucht sich zu verwirklichen.
Manchmal bin ich ein wenig stolz auf das was ich in relativ kurzer Zeit
geschafft habe, manchmal denke ich auch, hätte ich doch jetzt erst mit der
Musik begonnen, dann wäre alles viel perfekter geworden. Aber ich bin da
natürlich viel zu subjektiv und schön ist es, wenn Leute zu mir
kommen denen meine Musik gefällt und mir ihre Gedanken
mitteilen.
GW: Kurzer Seitenblick
noch auf BLACK HEAVEN, deinem zweiten Projekt? Martin: Wir gerade die Arbeiten zum neuen BLACK
HEAVEN Album abgeschlossen. Es wird "Obscurity" heißen und wohl Anfang
November erscheinen.....
Stephan Urbach für
GOTHICWORLD
Review zu
MANTUS : "Fremde
Welten" Review zu BLACK HEAVEN :
"Chapter One"
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