exclusive interview:
Chris McCarter (IKON): "Ich wollte nie ein
großer Rockstar sein ..."
Ein Interview mit Chris McCarter, dem Sänger und
Songwriter der australischen Kultband IKON, geführt am 08.August vor dem
Gig im Heidelberger Schwimmbad Musikclub.
GW: Hallo Chris. Mein Gott es hat ja warhaftig lange
gedauert, bis IKON endlich wieder auf der anderen Seite des Globus auf der
Bühne stehen! Und wie fühlt es sich an bisher? Chris: Oh, wir hatte eine sehr gute Zeit bisher
hier in Deutschland. Fantastisch. Wir haben ja schon mehrere Anläufe nach
Europa zu kommen, aber die Transportkosten um die halbe Welt macht es nicht
gerade zu einem leichten Unterfangen. So bin ich sehr froh darüber,
daß es diesmal geklappt hat.
GW:
Neben den Cubgigs war das EURO-ROCK letztes Wochenende ein Highlight der
Tour. Wie lief es aus Eurer Sicht? Chris:
Nun, wir hatten erst ein paar Warmup-Gigs in kleineren Clubs, auf
dem Euro-Rock ging es dann richtig gut ab vor einem großen Publikum. Das
macht schon sehr viel Spaß, hier in Europa auf der Bühne zustehen
und vor allem auf einem so wichtigem Festival wie das
EURO-ROCK.
GW: Habt ihr auch Probleme
mit dem Wetter gehabt? Es hat ja wohl eine ganze Bühne gekostet.
Chris: Nein wir hatten Glück
und waren am Vorabend des Sturmes schon dran. Ich habe gehört, daß
sie die Location wechseln mussten.
GW:
Ihr habt ja auch eine lange Auszeit hinter Euch. Von Juni 1996 bis
September 1999 gab es ja kein einziges IKON-Konzert! Warum habt Ihr so lange
pausiert? Chris: Das ist richtig.
Wir hatten einfach eine lange Zeit keine richtige Live-Band. Als Michael die
Band verließ, übernahm ich die Gesangsrolle und er war zunächst
nicht leicht für mich, sich darauf einzustellen. So haben wir uns erstmal
darauf konzentriert, neue Songs zu schreiben, damit das erst einmal auf Platte
gut rüberkommt. Ich habe damals neben den Gitarren auch die Keyboards und
das Programming gemacht. Dann auch noch singen, live auf der Bühne, das
war einfach nicht drin. Erst als 1999 Anthony und David zur Band stießen,
war wieder an eine Liveumsetzung zu denken und so spielten wir dann auch einige
Gigs in Australien.
GW: Dann kam auch
Dino Molinaro zurück zur Band ... Chris:
Ja Dino ist 1998 für eine Weile ausgestiegen, um sich auf
andere Dinge zu konzentrieren. Ich bin sehr froh darüber, daß er
wieder dabei ist. Ich denke, daß wir in der jetztigen Besetzung die beste
Live-Konstellation bilden, die wir jemals hatten. Jetzt hier in Europa zu
spielen ist ganz fantastisch.
GW: Wir
hatten vermutet, daß Ihr hauptsächlich Songs aus Eurem aktuellen
Album "On the Edge of Forever" spielen werdet, aber ihr bietet uns ja das
komplette IKON-Spektrum aus einer ganzen Dekade IKON-History! Chris: Ja natürlich spielen wir auch viele
alte Songs, denn das Besondere an ihnen ist ja, daß sie früher von
Michael gesungen wurden und sie sich nun mit meinem Gesang sozusagen in neuer
Version vorliegen. Ich habe ja, die meisten Songs selbst geschrieben und bin
sehr froh darüber, daß ich nun in der Lage bin, sie auch selbst zu
singen.
GW: IKON, das ist 80'er
Darkwave! Oft werdet ihr von den Medien an Bands wie Joy Division oder den
Sisters gemessen. Stören Euch solche Vergleiche? Chris: Ich weiß nicht, für mich
bedeuten solche Kategorien nicht besonders viel. Der Vergleich mit Joy Division
zum Beispiel kommt vielleicht ein wenig durch die Ähnlichkeit, wie Michael
früher die Songs gesungen hat. Natürlich liebe ich vieles was in den
80ern gespielt wurden ist, und in diesem Feeling haben wir damals ja auch
angefangen mit unserer Musik. Wir haben ja ziemlich viel unterschiedliche
Sachen gemacht. Sachen mit akustischen Gitarren, Sachen mit viel Elektronik und
Drumcomputer. "On The Edge Of Forever" ist nun eigentlich ein sehr straightes
Rockalbum und wir müssen es den Hörern überlassen ob sie das nun
mehr mit dem IKON-Sound oder dem Sound der 80ern in Verbindung bringen oder mit
Darkwave oder was auch immer.
GW: Wie
die IKON-Fans aus? Alles "Alt-Gothics" oder habt Ihr auch Anhänger der
jüngeren Generation? Chris:
Nunja, die Leute die uns gerade hier in Europa überhaupt
kannten, sind wohl sicher über 20. Wir werden sehen, wie das jüngere
Publikum hier auf unsere Shows reagieren. Gewissermaßen haben wir ja eine
komplette Generation übersprungen. Wir hatten das gleiche Phänomen ja
auch schon in Australien, als wir wieder begonnen haben live zu spielen. Das
ist aber ein Problem, das nicht nur wir haben, sondern alle Bands, die eine
Weile von der Bildfläche verschwunden waren. Mittlerweile gibt es eine
breite Electro- und Dancefloorszene und da ist es gerade für eine
Gitarrenband nicht einfach, zumal wir auch nicht so spektakulär wie zum
Beispiel ein Marilyn Manson sind.
GW:
Ein paar Fragen zu Euerem aktuellen Album "On The Edge Of Forever". Was
hat dich zum Titel inspiriert und das ägyptische Artwork der Platte?
Chris: Vor dem Album haben wir ja
eine Single gemacht mit dem Titel "Lifeless", die sich mit Artefakten auf dem
Mars beschäftigt. Die Pyramiden und dem Marsgesicht und so. Ich hatte ein
Buch gelesen mit dem Titel "On The Edge Of Forever", das sich mit der Thematik
befasste und Vergleiche mit Ähnlichkeiten in der Ägyptologie machte.
Ist eine wirklich interessante Thematik.
GW:
Wie funktioniert bei Euch das Songwriting? Chris: Ich schreibe selbst die Songs und stelle
sie dann der Band vor. Die Jungs bringen ihre Vorschläge und Beiträge
dazu, aber es ändern sich eigentlich nur Details. Jeder von uns hat noch
andere Bands und andere Jobs, deßhalb hat es für uns wenig Sinn
großartig loszujammen und zu sehen was dabei herauskommt. Dafür
haben wir schlicht keine Zeit.
GW: Lebt
ihr weit voneinander getrennt? Chris:
Eigentlich nicht, so im Umkreis von einer halben Stunde Autofahrt.
GW: Gibt es schon neue Songs,
Pläne für ein neues Album? Chris:
Wir lassen uns da eigentlich immer sehr viel Zeit. Besonders ich
brauche einfach meine Zeit für gute Texte. Es gibt schon ein paar Demos,
ein paar Ideen, aber vor Ende nächsten Jahres wird es wohl kein neues
Album geben.
GW: Chris, du bist jetzt
schon eine ganze Weile im Musikbussiness. Gibt es irgendwas, was du unbedingt
mal machen willst, vielleicht ein Künstler mit dem du gerne mal zusammen
arbeiten würdest? Chris:
Weißt du, ich bin einfach glücklich damit, meine Musik
spielen zu können. Wenn dann noch Leute kommen und sagen, daß ihnen
meine Musik gefällt ist es das Größte für mich. Und wenn
Sie dann auch noch ein paar CDs von uns kaufen, ist es natürlich noch
besser. Ich wollte nie ein großer Rockstar sein, bin ich gar nicht der
Typ dazu. Außerdem hab ich noch viele andere Dinge, die mir mindestens
genau so wichtig sind wie die Musik, zum Beispiel meine Familie und meine
Freunde. Viele von ihnen haben überhaupt nichts mit der Musik zu tun. Ich
find es okay, daß es so läuft.
GW: Okay, vielleicht
noch ein paar freundliche Worte an die IKON-Fans in Germany? Chris: Also zunächst sind wir begeistert
darüber, wie uns das Publikum hier in Deutschland bisher aufgenommen hat.
Wir waren wirklich überrascht, wieviele Leute unsere Songs kennen und
sogar mitgesungen haben. Wir kommen ja aus einem Land, in dem es so eine Szene
wie hier praktisch überhaupt nicht gibt. Und so ist es natürlich
toll, so viele Leute zu treffen, mit den man irgendwo auf einem Level ist. Auch
mit den CRÜXSHADOWS ist es ganz toll zusammen. Schade daß wir nur so
wenig Gigs zusammenhaben. Heute und morgen noch, dann geht es getrennt weiter
in andere Städte.
GW: Vielen Dank
für die Zeit, die Du dir genommen hast. Viel Spaß noch heute Abend
und die weiteren Tage in Europa und kommt anschließend wieder gut nach
Hause! Ritchie für die
GOTHICWORLD
Einen Live-Bericht vom IKON-Konzert in Heidelberg gibts
hier.
Das Review zu "On The
Edge of Forever" findet Ihr hier.
IKON im Netz:
Homepage: http://home.powertech.no/ikon/ Label:
www.apollyon.de Booking:
www.wod.de |