exclusive interview:
ZEROMANCER-
Eurotrash klont den Lover?
Der Erfolg Zeromancers kam sicherlich nicht für
die Presse, sondern auch für die Plattenfirma und die Band selbst
überraschend. Nur ein Album der ehemaligen Seigmen reichte aus, sich eine
solide Fanbase zu schaffen und bei allen Konzerten und Festivalauftritten ein
zufriedenes Publikum zu hinterlassen. Eine schwere Hypothek, die die Norweger
sich da selbst hinterlassen haben. Bange machen gilt jedoch nicht, und so
gelingt den Norwegern mit dem zweiten Album "Eurotrash" das, was nur
kühnste Optimisten zu hoffen gewagt haben. Zeromaner haben sich noch
einmal gewaltig steigern können und trumpfen, stärker als noch beim
Debüt "Clone Your Lover", mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung auf,
die sich gewaschen hat. Daß die neuen Songs auch beim Publikum ankommen,
zeigten die Resonanzen der Fans beim "M'era Luna"-Festival. Wie beurteilt man
im Bandlager die bisherigen Reaktionen?
Zeromancer >> Gut, sofern ich das bislang
beurteilen kann. Mir fehlt allerdings noch etwas der Abstand zum Album. Wir
haben es gemischt, die Masterbänder abgeliefert und eigentlich noch nicht
die Zeit gehabt, uns mit ein wenig Abstand damit auseinanderzusetzen. <<
Was war eure Erfahrungen im Hinblick auf die Tour mit Project
Pitchfork und all den nachfolgenden Festivalauftritten hier in Deutschland?
Zeromancer >> Es war wirklich
unglaublich. Wenn man bedenkt, daß die Band jetzt vielleicht gerade mal
ein Jahr existiert und weiterhin betrachtet, was wir in dieser kurzen Zeit
alles erreicht haben und jetzt schon wieder ein neues Album am Start haben, ist
das einfach unglaublich. Wir sind überall wirklich gut behandelt worden,
auch wenn wir mit Bands getourt haben, die aus einem anderen Genre stammen.
Offensichtlich scheinen Zeromancer aber eine Band zu sein, die überall
spielen kann. Zeromancer funktionieren auf einem Metalfestival offensichtlich
genau so gut, wie auf einem Pop-, einem Industrial- oder einem
Alternativfestival. <<
Was bereits zu Seigmen-Zeiten eines der
hervorstechendsten Merkmale der Norweger war, wie bereits damals Tourneen mit
Paradise Lost oder den Dreadful Shadows bewiesen haben. Was also ist das
Geheimnis der Band, daß sie vor jedem Publikum zu bestehen in der Lage
sind? Zeromancer >> Jeder in
der Band besitzt andere Einflüße, die wir versuchen in unsere eigene
Musik umzusetzen. Alleine mein Freundeskreis ist unterschiedlich, wie er anders
nicht sein könnte. Ich könnte diese Leute niemals zusammenbringen,
weil es sofort einen Riesenkampf geben würde. Wir lieben es,
unterschiedliche Leute zusammenzubringen, denn es ist sehr viel schieriger, ein
gemisches Publikum zum Mitmachen zu animieren. Hat man das aber erstmal
geschafft, so ist das einfach nur super. <<
Zeromancer sind,
ungeachtet der Seigmen-Vergangenheit, eine neue Band, die neben etlichen
Festivalauftritten und der Support-Tour mit Project Pitchfork so nebenbei
innerhalb eines Jahres noch zwei Alben veröffentlicht hat. Ergebnisse
einer hart arbeitenden Band, die so manch andere Band in ihrer gesamten
Karriere nicht vorzuweisen hat. Zeromancer >> Das liegt aber auch daran,
daß wir, seitdem wir mit Zeromancer begonnen haben, überhaupt kein
Privatleben mehr haben (lacht). Wir haben uns als Ziel gesetzt, hart zu
arbeiten und viel unterwegs zu sein. Zwischendurch wollten wir an neuen Songs
arbeiten, um den Leuten mit unserem Album etwas Neues zu geben. <<
Entstanden die Songs für "Clone Your Lover" noch weitestgehend
in den USA, erscheint es aufgrund der Terminenge und der ständigen
Tourneen beinahe wie ein Wunder, daß die Band bereits jetzt wieder in der
Lage, mit "Eurotrash" ein komplettes Album abzuliefern. Zeromancer >> Wir leben derzeit im Norden
von Oslo, wo wir auch die Songs geschrieben haben. Wir haben dort auf dem
Grundstück von dem Vater unseres Keyboarders in verschiedenen Hütten
direkt im Wald an den Songs gearbeitet, sie dort geschrieben und zum Teil auch
aufgenommen. Immer, wenn wir von einer Tour zurückgekommen sind, sind wir
dorthin gefahren und haben weiter an dem Album gearbeitet. Wir sind also
ständig zusammen gewesen und haben zusammen gelebt, obwohl jeder eine
eigene Wohnung hat. Wir haben das Album zwar in Schweden gemischt und auch
Teile dort aufgenommen, aber der größte Teil ist bereits dort in
Oslo zwischen den Tourneen entstanden. <<
Der USA-Aufenthalt
war demnach nur ein kurzzeitiges Intermezzo? Zeromancer >> Wir mußten damals hier
weg und was anderes sehen. Zeromancer wurden in L.A. gegründet, das ist
der Ort, wo alles begann. Kim und Eric sind in die USA gegangen, um Freunde in
Oregon zu treffen und haben dort begonnen, mit Ideen herumzuspielen. Dann
erhielt ich einen Anruf von denen beiden und wurde gefragt, ob ich nicht in die
USA kommen und mir diese Ideen anhören wolle. Also haben wir uns in L.A.
getroffen, drei Demos im Schlafzimmer produziert, diese an unseren Manager
geschickt und auf einmal hatten wir einen Plattenvertrag mit Eastwest in der
Tasche. Wir mußten uns daraufhin ein Appartement mieten und ein Album
machen. Einfach so, aus dem Bauch heraus, aber es war wohl der richtige
Zeitpunkt für uns. <<
Dabei scheint es schon eine Ironie
des Schicksals zu sein, daß sich Zeromancer als Band mit überwiegend
norwegischen Musikern in den USA trifft, um sich dort zusammen mit einem
amerikanischen Gitarristen zu gründen und daran zu gehen, die "alte Welt"
zu erobern. Zeromancer >> Ja,
das klingt schon komisch. Wir mußten damals aber erstmal unsere
Köpfe frei bekommen, um wieder ganz von vorne anzufangen. Wir haben uns
dabei wie die Kinder gefühlt, genau so, wie wir uns Jahre zuvor
gefühlt haben, als wir angefangen haben Musik zu machen. Es war
gigantisch, dieses Gefühl wieder zu verspüren. Sich jung und frisch
und voller Energie zu fühlen. Hinzu kommt, daß unser Gitarrist
Amerikaner ist und wirklich großartig zur Band paßte. Das ist
wahrscheinlich auch der Grund, warum wir uns nicht gegenseitig bereits
umgebracht haben (lacht). Außerdem gibt es niemanden mit einem Ego in der
Band. Wir harmonieren und arbeiten sehr gut zusammen und bedienen uns der
Dinge, die am besten zur Band und den Songs passen. <<
Seigmen
haben sich just zu dem Zeitpunkt aufgelöst, als sich endlich auch
außerhalb Norwegens, wo die Band absoluten Starstatus genoß,
kommerzieller Erfolg einstellte. Was waren die Gründe für diesen
Split? Zeromancer >> Es gab
nach dem Seigmen-Split keine Pläne, Zeromancer zu gründen. Der Grund
war ganz einfach der, daß unser Gitarrist sind dazu entschieden hatte,
die Band zu verlassen. Wir hatten uns geschworen, sobald einer von uns Seigmen
verlassen würde, würden wir die Band auflösen, und das haben wir
getan. Natürlich war das ein sehr harter Moment für uns, aber heute
bin ich sehr stolz darauf. Es war genau richtig, das zu tun. Wir hatten die
Spitze dessen erreicht, wozu wir musikalisch in der Lage waren. <<
Trotzdem ein merkwürdiger Augenblick, oder nicht? Zeromancer >> Der Grund war so simpel, wie
gerade geschildert. Ich mache unseren Gitarristen dafür in keinster Weise
verantwortlich, Im Gegenteil, ich respektiere seine Entscheidung und die
Offenheit, mit der er uns seine Entscheidung mitgeteilt hat. Er hat das Feuer
nicht mehr in sich verspürt und wollte sich nicht vor ein Publikum stellen
und dieses hintergehen. Ich galube nicht, daß ich den Mut dazu
aufgebracht hätte. Ich weiß, das er es hinterher auch bereut hat,
aber er war nur ehrlich zu sich selbst und dazu gehört sehr viel Mut,
für den ich ihn repsektiere. Als alles dann vorbei war, war es
natürlich ein sehr trauriger Moment. Wir haben noch eine Farewell-Tour in
Norwegen gespielt, die einen Riesenspaß gemacht hat und eine einzige
Party war, denn wir mußten uns und den Fans nichts mehr beweisen. Kim ist
damit zunächst nicht klar gekommen und mußte raus Norwegen, so wie
Eric, bei dem mehrere Gründe zusammen kamen und er daraufhin ebenfalls
Norwegen in Richtung USA verließ, um ihn zu besuchen. Wir haben die ganze
Zeit miteinander in Verbindung gestanden und als wir dann in die USA geflogen
sind, wollten wir erstmal sehen, ob die Vibes überhaupt noch da waren.
Auch wenn wir uns lange schon kennen und vorher bereits zusammen gearbeitet
haben, heißt dies ja nicht zwangsläufig, das es nochmal so
funktioniert. <<
"Eurotrash", also Euromüll, lautet der
Titel des neuen Albums. Als Müll kann man das, was Zeromancer hier bieten,
jedoch keinesfalls bezeichnen, im Gegenteil. Reifer und kompakter
präsentieren sich die Norweger, so daß der Titel des Albums einer
näheren Erläuterung bedarf. Zeromancer >>Das ist ein ironischer Titel
und wir wollten allen zeigen, daß sich vieles mit einer Portion Ironie
besser ertragen läßt. Wir nehmen das, was wir tun, natürlich
sehr ernst, aber es ist wichtig zu zeigen, daß man Fehler macht und auch
in der Lage ist, für diese einzustehen, ohne das Ganze zu ernst zu nehmen.
Das Leben an sich ist ja häufig schon ironisch genug. Auf der
Pitchfork-Tour hatten wir auch diese Projektionen, durch die wir den Zuschauern
deutlich machen wollten, daß wir wirklich Spaß haben an dem, was
wir tun. Die Fans haben das richtig aufgefaßt, auch wenn wir im Vorfeld
der Tour unsere Bedenken gehabt haben und durch die Sprachbarriere eventuell
Mißverständnisse aufgetreten wären. Sie haben aber ihren
Spaß gehabt, was uns alle unglaublich erleichtert und gefreut hat.
"Eurotrash" ist pure Ironie, vor allem vor dem Hintergrund der Musik- und der
Filmindustrie in L.A., wo sich jeder als der Beste anpreist. Wir als
Europäer, die fest mit ihrer Kultur verwurzelt sind und mit beiden Beinen
auf dem Boden stehen, mußten dann aber erkennen, daß wir auch nicht
sehr viel besser sind. Wir schauen uns die amerkanischen Filme im Kino an und
tun die selben Dinge, die auch die Amerikaner tun. Nur benutzen wir andere
Methoden, um an unser Ziel zu gelangen. Unsere Fehler zu erkennen, war
vielleicht die größtmögliche Ironie für uns. <<
Wobei Zeromancer von den Amerikanern aber hoffentlich nicht als
"Eurotrash" abgestempelt wurden? Zeromancer >> Nein, überhaupt nicht.
Das hoffe ich zumindest (lacht). <<
Aufgenommen wurde das
Album in Schweden und während "Clone Your Lover" noch fremdproduziert war,
haben Zeromancer dieses Mal selbst Hand an die Produktion gelegt.
Zeromancer >> Wir haben selbst
produziert, da wir selbst am Besten wußten, was wir erreichen wollten.
Wir kennen all unsere Stärken und Schwächen und haben erst beim
Mischen auf fremde Hilfe zurückgegriffen. Wir haben dann Leute
hinzugezogen, denen wir vertrauen konnten und denen wir gut vermitteln konnten,
wie wir zu klingen haben. Wir hatten einen guten Überblick darüber,
wie das Album strukturiert sein sollte, so daß wir auch gar nicht das
Bedürfnis verspürt haben, mit einem Produzenten zu arbeiten. Hinzu
kam unsere Arbeitsweise während den Tourneen. <<
Wo
liegen in muskalischer Hinsicht die Hauptunterschiede zwischen den beiden
Alben? Zeromancer >> Wir sind
nun viel mehr eine Band, was uns bei "Clone Your Lover" verständlicher
Weise noch gefehlt hat. Wir haben die Erfahrung der Tourneen gehabt,
während wir damals unseren ersten Gig erst nach Beendigung der Aufnahmen
gespielt haben. Chris, der erst kurz vor Beginn der Aufnahmen zum ersten
Albumzur Band stieß, hat uns durch sein Gitarrenspiel nochmal viele neue
Einflüße mitgegeben. Das war vielleicht noch der entscheidende Kick,
der uns gefehlt hat. <<
Zeromancer definieren sich bislang
hauptsächlich über "Clone Your Lover" (dem Lied, d.Verf.), was
für einen Newcommer sowohl Fluch als auch Segen sein kann. Finden sich auf
"Eurotrash" Songs ähnlichen Kalibers? Zeromancer >> Sicher. Jede Band hat einen
oder mehrere Songs, anhand dessen man sie identifiziert. "Clone Your Lover" ist
häufig in den Clubs gespielt worden und viele Fans haben die Band live
gesehen und sich dann an diesen Song erinnert. Gerade als neue Band wird immer
wieder an solchen Songs gemessen. So funktioniert das Geschäft aber nunmal
und wir versuchen, den Kontakt zu unseren Fans zu halten und versuchen so viele
Fragen, die wir auf unserer Internetseite gestellt bekommen, wie möglich
zu beantworten. Wenn man sich mit diesen Fragen auseinandersetzt, dann scheint
es so zu sein, das jeder einen anderen Favoriten hat. So sollte es ja auch
sein, denn es wäre ja langweilig, wenn alle den selben Geschmack
hätten. "Clone Your Lover" stach zwar sicherlich hervor, aber ich bin mir
sicher, daß es auch noch zwei, drei andere Stücke gibt, die
ähnlich gut angenommen werden. "Dr.Online" zum Beispiel, für das wir
Ende August ein Video aufnehmen und wir das erste Mal wieder zusammentreffen
werden. Zwei von uns sind jetzt gerade hier auf Promotrip, einer ist in
Norwegen und einer irgendwo in Asien. Mit Ausnhame von Eric und mir haben wir
uns jetzt sechs Wochen Pause gegönnt. Wir haben jetzt ein Festival in
Schweden gespielt, was wir aber nicht ganz so ernst genommen haben. Wir waren
alle müde und ausgebrannt, auch wenn wir eigentlich vor dem Auftritt
hätten nervös sein müssen. Irgednwie haben wir diesen Auftritt
über die Bühne gebracht, aber in dem Bewußtsein, jetzt einmal
ein paar Wochen Pause voneinander zu nehmen. <<
Bislang
scheint sich der Erfolg Zeromancers auf Deutschland zu beschränken. Selbst
in Norwegen, dem Heimatland der Band, steht man der Band noch skeptisch
gegenüber, ganz zu schweigen von den USA, wo den Norwegern soundtechnisch
durchaus einiger Erfolg beschieden sein könnte. Zeromancer >> >> Wir haben die USA
bislang vollkommen außer vor gelassen. Um in den USA groß zu
werden, muß man voll einsteigen und sich voll einsetzen. Es reicht nicht,
hier und da mal ein paar Gigs zu spielen. Man muß ständig und
überall präsent sein. Wir haben entschieden, uns erst einmal ganz auf
Europa und hier vor allem Deutschland zu konzentrieren, denn hier sind wir
bislang am erfolgreichsten. <<
Warum klappt es bislang in
Norwegen noch nicht in dem Maße, wie man es von Nachfolgeband Seigmen's
eigentlich erwarten könnte? Zeromancer >> Sicher haben wir auch in
Norwegen Erfolg, aber wir werden immer an Seigmen und dem Erfolg von Seigmen
gemessen. Seigmen waen kommerziell erfolgreich und mit ihrer Musik etabliert,
während Zeromancer mit ihrer Musik kommerziell nicht in diesem Maße
akzeptiert werden. Sicherlich ist das Interesse an Zeromancer auch von Seiten
der Presse vorhanden, aber wir werden immer an Seigmen gemessen. Das ist normal
und etwas, das wir akzeptieren müssen. <<
Das Image
Zeromancer's ist sehr modern ausgerichtet, beinahe futuristisch, betrachtet man
die grandios gestaltete Internetseite der Band. Da scheint es, als ob
politische oder soziale Themen keinen Platz in den Texten der Band haben.
Zeromancer >> Weniger
politische Themen, als vielmehr Erfahrungen, die wir gemacht haben. Wir achten
allerdings schon sehr stark darauf, daß das Package und das Image, das
der Fan bekommt, in sich stimmig ist und über die Musik hinausgeht. Uns
ist wichtig, nicht die Kontrolle zu verlieren, denn wir leben Zeromancer
vierundzwanzig Stunden am Tag. Natürlich ist alles, was man tut, auf die
eine oder andere Art politisch, aber wir sind keine Moralisten und vertiefen
diese Themen auch gar nicht. Wir sind ironisch zu uns selbst, indem wir unsere
Schwächen aufzeigen. Wir stellen uns nicht hin und sagen "dieses oder
jenes ist falsch". Wir sind nicht anders wie jeder andere Mensch auch. Wir sind
auch nichts anderes als Opfer (lacht). <<
Michael Kuhlen (OBLIVION) für die
GOTHICWORLD

Das Review zu "Eurotrash"
findet Ihr hier.
ZEROMANCER im
Netz: http://www.zeromancer.com
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