Live-Review: WOA 2002 "Land unter in Wacken!"
Das
ROCK HARD-Magazin kritisiert die Veranstalter und schreibt auf
www.rockhard.de:
"Wir haben auf die organisatorischen Mängel des diesjährigen
Wacken Open Air reagiert und werden das Festival nächstes Jahr nicht mehr
präsentieren, aber sehr wohl aufmerksam beobachten. Nähere
Hintergründe dazu sowie die musikalische Nachberichterstattung findet ihr
in unserem Oktober-Heft! Eure Rock Hard-Redaktion"
Hier eine
offizielle Stellungnahme des Veranstalters:
Liebe Metalheads, Liebe Partner und Freunde des Wacken
Open Air, das 13.Wacken Open Air ist vorüber und schon jetzt ist
vielfach zu hören "I survived Wacken 2002". Obwohl die Crew noch
eisern durch den knöcheltiefen Festivalschlamm stapft um Bauzäune,
Zelte und Bühnen in die Lager zu schaffen, wollen wir schon jetzt ein paar
resümierende Worte an euch richten.
Zu aller erst danken wir der
gesamten Crew für ihren unermüdlichen Einsatz, das
überwältigende Engagement und die wasser-, schlamm- und
stresstrotzende Ausdauer. Noch nie stand ein Wacken Open Air derart auf der
Kippe wie in diesem Jahr und noch nie war das Festival so viel mehr als die
Summe seiner einzelnen Teile.
Wir danken vor allem auch den
Behörden, der Polizei und den Rettungskräften für ihr besonnenes
und überaus professionelles Handeln in Anbetracht der verheerenden
Wettersituation. Während in Hamburg und Itzehoe der Ausnahmezustand
herrschte, konnte in Wacken trotz widriger Umstände ein sicheres und
für die Besucher nur wenig eingeschränktes Festival über die
Bühne gehen.
Ein großes Lob möchten wir
allen aufgetreten Bands aussprechen. Wir durften legendäre und
einzigartige Auftritte erleben, die uns gezeigt haben, dass sich die besondere
Atmosphäre des Wacken Open Airs auch positiv auf die Künstler
überträgt. Gerade die Bands haben am gelassensten auf
Verspätungen und das schlechte Wetter reagiert. Auf keinem der bisherigen
Festivals haben wir so viele Drinks und Kaffees auf dem Flughafen
ausgelöst. Für viele der unbekannteren Bands schien ein Traum zu
platzen, um so mehr haben sie sich gefreut überhaupt noch auf der
Bühne zu stehen. Tatsächlich konnte die Running Order besser
eingehalten werden denn je, alle Bands haben gespielt.
Weiterhin danken
wir all unseren Partnern, Dienstleistern und Lieferanten die beim 13.Wacken
Open Air die Extrameile für uns gegangen sind.
Nicht zuletzt gilt
unser größter Dank den vielen Besuchern, die zum Teil viele tausend
Kilometer Anreise auf sich genommen haben um "The Spirit Of Wacken" live zu
erleben.
Für uns steht fest, das
diesjährige Wacken Open Air war das friedlichste und von der Party das
Genialste überhaupt. Diese Sichtweise teilen Medien, Behörden,
Rettungskräfte und die Wackener Bürger gleichermaßen. Hunderte
Metalheads sind mit Bussen aus ganz Europa angereist, viele mit dem Flieger aus
aller Welt. Der Metal-Train und das Fußballturnier wurden begeistert
aufgenommen.
Umso mehr verwundert es uns, dass wir gerade jetzt von
vielen Besuchern dermaßen verbal in die Fresse kriegen.
Möglicherweise ist es die Anspannung der letzten Wochen und die sich im
Moment rasant verschlechternden Arbeitbedingungen für die Crew
draußen auf dem Platz, die uns etwas sensibel für die aktuell an uns
herangetragene Kritik machen. Bei aller Enttäuschung darüber, wollen
wir im Gegensatz zu manchen Mails, jetzt möglichst sachlich zu allen
Vorwürfen Stellung nehmen:
Parkgebühren Die
Parkgebühren sind in der Tat um knapp 25% von DM 30,- auf EUR 20,- pro KFZ
gestiegen sowie EUR 5,- für Motorräder. Dies wurde im Vorfeld klar
kommuniziert. Die Entkopplung von Eintrittspreis und Parkgebühr hat nicht,
wie vorgeworfen, das Ziel die Kosten des Festivalbesuchs zu verschleiern,
sondern ist gerecht. Warum soll ein mit der Bahn Anreisender die Infrastruktur
für die Anreise mit dem Auto bezahlen. Bei sinkendem Pkw-Anteil und stark
gestiegenen Kosten sahen wir uns zu dieser Erhöhung gezwungen. Wir bitten
zu entschuldigen, dass wir Ackerflächen zum Parken anbieten mussten, aber
die vorgesehenen grünen Wiesen waren hoffnungslos abgesoffen.
Steckengebliebene Fahrzeuge wurden kostenfrei aus dem Schlamm gezogen. Es gab
reservierte Flächen für Großgruppen, Metalcamps und ganz
nebenbei waren 4 Supermärkte mit einem zumutbaren Fußmarsch gut
erreichbar gewesen. Diese wurden förmlich überrannt. Ihr konntet
soviel Drinks und Food mitnehmen wir ihr wolltet und die Entfernung zum
Festivalgelände war absolut akzeptabel. Selbst das um die Ecke liegende
Schwimmbad wurde intensivst genutzt und konnte einen Besucherrekord vermelden.
Das man durch den zum Teil tiefen Matsch länger gebraucht hat, kann uns
niemand ernsthaft vorwerfen Auch im nächsten Jahr werden wir an einer
Parkgebühr festhalten.Aufgrund der auch konstruktiven Kritik werden wir
deren Höhe aber nochmals überdenken. Das Campen bleibt weiterhin im
Ticketpreis enthalten.
Bierpreise Eure Empörung
über den Bierpreis können wir verstehen. Die letztendliche Höhe
haben wir auch erst im Zuge der starken Regenfälle während des
Aufbaus festgelegt. Deutlich erhöhte Personalkosten waren uns zu diesem
Zeitpunkt garantiert. Böse Zungen munkelten sogar schon von einer Absage
des Festivals. Um die, mit Vokabeln wie "exorbitant" und "Abzocke" umher
werfenden Kritiker, auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen, gestatten
wir uns eine mathematische Unterweisung:
Bierpreis für ein Bier
2001 DM 4,- für 300ml = DM 13,33 je Liter Bierpreis für ein Bier
2002 DM 5,86* für 400ml = DM 14,65 je Liter *EUR 3,- x 1,95583
Dies ist eine nominale Erhöhung von 10%. Allerdings ist der
Bierpreis seit 2001 um 7,5% gestiegen, das weiß jeder der sich einen
Kasten Bier für EUR 11,99 statt DM 19,99 kauft und die Dose Premium Pils
gibt es schon lange nicht mehr für DM 0,89 sondern EUR 0,55. Das bedeutet
also, von den Erlösen aus dem Bierverkauf sind lediglich 2,5% mehr in den
Etat des Festivals geflossen als im Vorjahr. Diese Erhöhung liegt unter
den Lohnsteigerungen der in diesem Frühjahr abgeschlossenen
Tarifverträge. Trotzdem respektieren wir, dass dieser Tropfen das Fass zum
Überlaufen gebracht hat. Auch diese kurzfristig gefällte Entscheidung
werden wir überdenken. Wir halten es aber für unfair, uns hier
Leichtfertigkeit zu unterstellen, denn wir kennen beide Seiten des Tresens und
würden gerade deshalb lieber auf eurer stehen.
Unwetterwarnung
wurde verheimlicht. Schwachsinn - Kotipelto hat es angesagt, weil
während des Gigs die Bühnenbahnen heruntergelassen wurden. Gefahr
bestand für die Besucher zur keiner Zeit. All jenen unter euch, denen wir
die Tour vermasselt haben, weil sie gerne hektisch einen Graben um ihr Zelt
ausgehoben hätten, empfehlen wir lieber zu "Top Of The Pops" zu fahren. Es
war noch nicht ein Tropfen Regen gefallen, da haben wir uns bereits
bemüht, die Verteilung von gut 30 Anhängern mit Stroh auf 100 Hektar
Land vorzubereiten. Gleichzeitig wurde damit begonnen, Einfahrten mit
Recycling-Material zu befüllen und alle Rettungs- und Brandschutzwege
befahrbar zu halten Auch dadurch hat die Kommunikation auf dem Platz gelitten.
Änderungen des Line-Ups Sorry, aber die
Hauptzufahrtswege waren vom Unwetter schwer getroffen, die A23 war komplett
gesperrt. Dies ist die Hauptzufahrt zum Flughafen. Candlemass waren gezwungen
ihren Abflug vorzuverlegen. Obwohl wir versucht haben, euch über
Aushänge am Rock Hard- und Fanclubstand, den Duschcamps oder den
Supermärkten zu informieren, konnten wir nicht alle erreichen. Wir werden
dafür Sorge tragen, dass solch massive Änderungen besser auf dem
Gelände kommuniziert werden können wie z.B. durch
LED-Laufbänder.
Engpass bei den Toiletten "The same
procedure as every year Mrs. Sophie" Wenn wir 10% der Toiletten aufstellen, die
eine Stadt mit 30.000 Einwohnern zur Verfügung hat, dann stehen in Wacken
nur noch Toiletten. All eurer negativen Erfahrungen zum Trotze haben wir
tatsächlich ein zusätzliches Duschcamp und mehr Toiletten
aufgestellt. Wir können auch nicht neben jedes Zelt ein Klo stellen, es
stehen nur wenige Standorte zur Verfügung - ein Fußmarsch lässt
sich nicht vermeiden. Die Fahrzeuge zum Entleeren der Sanis sind leider absolut
nicht zu allen Bereichen vorgedrungen. Sie sind einfach im Matsch stecken
geblieben. Hier Abhilfe zu geloben, wäre aber geheuchelt. Auch wenn die
Wetterbedingungen optimal sind, werden wir nie so viele Toiletten bereithalten
können, um alle zufrieden stellen zu können. Toiletten "For
Metalgirls Only" waren im Innenraum vorhanden, wir werden dieses Angebot
ausweiten und auf die der Bühne nahen Bereiche ausdehnen. Bei allem
Respekt, die mitunter auch konstruktiven Hinweise zu den vorgenannten Punkten
rechtfertigen in keiner Weise die Zweifel an unseren Idealen mit denen wir 1990
das erste Wacken Open Air ins Leben gerufen haben. Wer mit uns darüber
diskutieren will, wie viel Idealismus wir uns zu leisten haben, der sollte
jetzt auch da draußen mithelfen den Dreck von 30.000 Menschen
wegzuwühlen. Es sind aber schon alle abgereist.
Gestattet uns
deshalb eure Zeit in Anspruch zu nehmen, um auf ein paar Dinge hinzuweisen:
Das Gelände Ein alternatives Gelände könnte
durchaus die Kosten senken, trotzdem halten wir an den historischen gewachsenen
Flächen fest. Wir kommen von hier und sind der Auffassung, das Wacken Open
Air kann nur in Wacken stattfinden. Nur in Wacken gibt es bis in den
frühen Morgen Metal ohne Ende. Nix Kinderbettzeit - sondern Party bis in
die Puppen.
Sponsoren Es freut uns, dass Aktionen wie etwa
der Paulaner Biergarten bei euch auf so großes Interesse gestoßen
sind. Wir haben zwischen den vollen Bänken sogar Japaner und Peruaner
gesehen, die hier das erste mal in ihrem Leben mit Weizenbier angestoßen
haben. Es bleibt aber unser erklärtes Ziel, das WOA nicht zum Jahrmarkt
verkommen zu lassen und uns von irgendeinem Sponsor ins Handwerk pfuschen zu
lassen. Daher verzichten wir bislang auf die großen Gelder aus den
Marketingtöpfen der Industrie.
Medienpower VIVA oder
MTV trailern das WOA nicht . Wir sind und bleiben Underground für die
Medien.
Internationale Bands Wir haben in der Vergangenheit
verstärkt auf ausländische Bands (Reunions!) gesetzt, auch wenn sie
nicht gerade auf Tour sind. Das hat zum internationalen Flair in Wacken
geführt. Was viele nicht wissen: Auf alle Gagen, Leistungen und
Zuwendungen wie Flüge oder Hotelzimmer, die eine Band aus dem Ausland
erhält, wird Ausländersteuer fällig. Diese beträgt
inklusive Mehrwertsteuer und Künstlersozialabgabe bis zu 35% . Spendieren
wir also beispielsweise Angry Anderson ein Fischbrötchen für EUR 3,-,
dann führen wir dafür noch mal mindestens EUR 1,- ab. Ein Hoch auf
die EU, Ausländersteuer wird auch für Bands aus allen Ländern
Europas fällig. In diesem Jahr haben wir erneut verstärkt
internationale Bands an den Start gebracht und damit auch
verhältnismäßig hohe Kosten und eben auch Steuern in Kauf
genommen. Eure Resonanz auf das Billing bestätigt uns aber in dieser
Entscheidung.
Sicherheit Wir sind, auch vor dem Hintergrund
tragischer Zwischenfälle auf anderen Festivals, bemüht die
Sicherheitsvorkehrungen kontinuierlich zu verbessern. Bei der Krisensituation
des diesjährigen WOA sind viele der installierten Mechanismen zum Tragen
gekommen. Fast stündliche Krisenmeetings habe Personal gebunden aber auch
einen Abbruch der Veranstaltung verhindert. Klar kostet das auch Geld. Leider
wird Sicherheit nicht bemerkt, solange sie da ist. Seid doch froh, euch
darüber keine Sorgen machen zu müssen!
Fazit
Die Basisleistung, der Eintritt zum Wacken Open Air, ist in den letzten
Jahren preisstabil und wird es auch bleiben. Auch wer wenig Geld hat, kann
immer noch dabei sein. Den Preis den wir schon 12 Monate vorher festlegen,
rühren wir definitiv nicht an. Das bedeutet aber auch, dass wir
Preissteigerungen in diesem Zeitraum nicht berücksichtigen können. So
haben sich die Preise für Dienstleistungen mit Einführung des EURO um
7% erhöht. Alleine für die zusätzliche Kohle, die wir mit
Einführung der zweiten Stufe der Ökosteuer rausgefeuert haben, muss
ein Zahnarzt ganz schön lange bohren. Unsere einzige Variable sind daher
die Getränkepreise - daran kann man aber das
Preis-Leistungsverhältnis eines Festivals nicht bewerten, so sehr es auch
dazu verleiten mag. Wer uns unterstellen will, wir könnten den Hals nicht
voll genug bekommen, der kann ja mal schätzen, auf wie viel Geld wir
verzichtet haben, indem wir das Festival vor Beginn für ausverkauft
erklärt haben.
Wer fürchtet auch nur einen Cent zuviel zu
bezahlen und das ganze Portemonnaie voll Rabatt- und Bonuskarten hat, der wird
auf keinem Festival der Erde glücklich werden, denn dafür muss man
auch feiern können, ohne Schiss zu haben, jemand könnte sich von
seinem ausgegebenen Geld Butter statt Margarine auf´s Brot schmieren.
Den Vergleich mit anderen Festivals brauchen wir aber absolut nicht zu
scheuen, nur es führt einfach zu nichts. Das Wacken Open Air ist
einzigartig, funktioniert anders und hat vor allem die geilsten und treuesten
Fans.
Weitere Infos, Fotos und Q + A auf unserer Homepage
http://www.wacken.com
In metal we trust!! Vielen Dank für euer Verständnis und
den grenzenlosen Support.
Holger, Sheree und Thomas & W:O:A
Team
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