interview:
FUNKER VOGT "Wer sich von den Worten angesprochen
fühlen muß, muß jeder selbst für sich herausfinden
..."
Ohne unnötig lange Einleitungsworte zum
zukünftigen Tanzflächen-Überflieger "Survivor" von FUNKER VOGT
zu verlieren, lassen wir Gerrit Thomas, seines Zeichens Chef-Klangmeister des
orange-schwarzem Dreamteams einige Fragen zum in Kürze erscheinenden Album
persönlich beantworten:
GW:
Hallo Gerrit - schön mit Dir zu telefonieren! Thema ist
natürlich das neue FUNKER VOGT Album "Survivor" das am 21.Oktober in die
Läden kommt. Ja, schwarz und orangene Streifen sind wieder angesagt! Eure
Vorabsingle "Date Of Expiration" hat ja schon einiges erwarten lassen, aber mit
so einem fetten Mörderteil hätt ich wirklich nicht gerechnet!
Gerrit: Na vielen Dank, freut mich
natürlich immer so was zu hören. Ich würde sagen wir haben
unsere Hausaufgaben ganz gut gemacht. Bisher sind die "einschlägigen"
Meinungen durchweg positiv.
GW:
Die Beats sind noch viel gewaltiger, die Songs selbst aber auch
wesentlich ausgewogener und abwechlungsreicher, selbst der Gesang kommt ja fast
ohne Verzerrer aus. Es scheint als hätte sich Eure Produktionsweise
geändert und Ihr viel Herzblut in die Arbeit gesteckt habt? Gerrit: Ja wir haben zunächst eine Menge in
unser Studio investiert und uns sehr intensiv mit den nötigen technischen
Möglichkeiten auseinandergesetzt unsere Ideen optimal rüberzubringen.
Das ist einfach wichtig, zum einen für uns selbst, um wirklich so klingen
zu können wie uns schon immer innerlich gehört haben und für die
Hörer des Albums zum Nachvollziehen dessen, was wir ausdrücken
wollen. Außerdem für die Besserwisser, die uns oft genug
irgendwelche technische Unzulänglichkeiten vorgehalten haben.
GW: Es hat ja auch gut zwei Jahre nach eurem
letzten regulärem Studioalbum "Maschine Zeit" gedauert, vom
"T"-Doppelalbum, der "Subspace"-Single und weiteren Re-Mixen mal abgesehen.
Habt ihr kontinuierlich an dem Album gearbeitet oder war auch eine Auszeit
zwischendurch von Nöten? Gerrit:
Eigentlich waren wir die letzten zwei Jahren 24 Stunden am Tag mit
FUNKER VOGT beschäftigt. Wir haben letzes Jahr ja auch die "Code
7477"-Geschichte veröffentlicht, daraus war ja "Subspace" die
Auskoppelung. Und waren in den USA auf Tour, was natürlich auch
nichtgerade mal so einen Katzensprung ist, aber eine tolle Erfahrung. Total
andere Szene, trotzdem sind sehr gut aufgenommen worden.
GW: Außerdem habt ihr ja das Label
gewechselt. Hat sicher auch Arbeit und Energie gekostet? Gerrit: Ein wenig vielleicht, aber es war da
kein großer Ärger oder sowas, halt die üblichen
Formalitäten und Verhandlungen. Hat uns jedenfalls nicht in unserem Weg
beeinträchtigt. Im Gegenteil es läuft eigentlich alles wie geplant
und hat uns ein gutes Stück an Möglichkeiten
weitergebracht.
GW:
Zurück zum Album. Neben den typischen Elektro-Klopfern, dies
ja zum Freude der Fans reichlich gibt, sind mir aber auch zwei andere Dinge auf
dem neuen Longplayer aufgefallen: erstens, höre ich zwischendurch echte
Gitarrensounds ("Fallen Man" und "Red Queen") und zweitens ist letzteres
Stück ja eine richtige Schmuseballade mit Piano, Streicher und so
geworden. Sind ja ganz unerwartete Züge von einer bisher kompromisslos
harten EBM-Combo? Gerrit: Ja es
war für uns wohl an der Zeit, ein bisschen mehr als nur die erwarteten
harten Viertel zu dreschen und zu zeigen, daß wir uns auch in anderen
Klang- und Gefühlswelten bewegen können. Kein Mensch kann auf Dauer
immer nur das Selbe tun, das macht krank. Dazu braucht man allerdings die
Möglichkeit zur Veränderung, die wir uns in den letzten Jahren
erarbeitet haben, um uns musikalisch von der Seele sprechen zu können und
dabei glaubhaft rüberzukommen. Jens hat viel an seiner Ausdruckskraft
gearbeitet. Gitarren wollten wir schon immer, aber bisher einfach keine
geeigneten Leute dafür gefunden. Jetzt ist es der Sound der mir schon
immer vorgeschwebt hat und auch auf der Bühne macht das sehr viel
Spaß.
GW: Bei FUNKER VOGT
scheint es eine klare Aufgabenteilung zu geben, Gerrit zuständig für
die Musik, Jens verantwortlich für den Gesang, aber die Texte werden von
Eurem Manager Kai Schmid geschrieben, eigentlich eher ungewöhnlich, aber
es scheint ja zu funktionieren.... Gerrit:
Diese Konstellation hat sich bei uns schon sehr früh ergeben
und ist mittlerweile zu einem ganz toll zusammengeschweißten Team
geworden. Klar ist meine Aufgabe in erster Linie der ganze soundtechnische Kram
und Jens singt unsere Songs, aber in der Praxis vermischt sich das immer. Kai
hats einfach am besten drauf unsere Ideen in Texte zu formen, Jens kann besser
singen als ich und Kai. Aber die Ideen entwickeln wir schon zusammen. Und wenn
ich einen Sound liefere, mit dem die anderen nix anfangen können, bin ich
wieder gefragt, es besser zu machen. Ich bin halt der Technik-Freak in der
Truppe.
GW: "Survivor"
erzählt ja auch eine Geschichte. Und alles dreht sich wie schon so oft bei
FUNKER VOGT um die Grauen des Krieges. Die Figur des "Überlebenden" der im
Verlauf des Albums seine Lebensgeschichte in einem düsteren
Zukunftsszenario erzählt. Magst du einen groben Umriß um die Story
und Eurer Intuition geben? Gerrit:
Eigentlich ist die Geschichte eher die Geschichte der Band, zumindest was den
Titel des Albums angeht. Dar Titel stand schon lange bevor die Tracklist fest
stand. Also eigentlich kein wirkliches Konzeptalbum oder so was. Der "Survivor"
sind wir und jeder einzelne selbst im täglichen Kampf ums Überleben.
Als Band haben wir es sicherlich nie leicht gehabt, von unserer Musik leben zu
können. Wir haben viel Kritik einstecken müssen, doch wir sind
unseren Weg weitergegangen. In Gegensatz vieler anderer sind wir uns selber
treu geblieben und haben mit harter Arbeit überlebt. Das spiegelt sich in
vielen Aussagen der neuen Songs wieder. Die Figur auf dem Album, der in einem
Endzeit-Szenario, das teilweise in der Erzählform und sowie in der
persönlichen Ansprache an den Hörer sein Anliegen richtet sind eher
symbolisch. Wie das Amulett, das zum Meeresboden sinkt, aber das FUNKER VOGT
Symbol trägt. Wer sich von den Worten nun angesprochen fühlen
muß, muß jeder selbst für sich herausfinden.
GW: Euer martialischischen
Bühnenshows und die sehr plakativ eingesetzte Kriegsthematik haben Euch
zwar sicher ein unverkennbares Image gegeben, allerdings besteht nicht doch
auch die Gefahr falsche Assoziation zu wecken, jedenfalls für den, der
sich nicht näher mit den Inhalten Eurer Songs beschäftigt, sondern
sich nur von Eurem aggressiven "Gunman"-Style blenden
läßt? Gerrit: Was soll
ich dazu sagen? Wir sind und wollen beileibe keine Superhelden sein oder so
was. Noch verherrlichen wir die Gewalt des Krieges in irgend einer Art. Was wir
wollen ist aufzeigen, wohin dieser Wahnsinn führt. Wer sich unser Video
"Live Execution" angesehn hat, wird nichts anders von uns halten. Dem Rest ist
auch nicht mehr zu helfen. Da scheint genau die selbe Sache falsch zu laufen im
Kopf, wie bei denen, die uns in diese grausame Realität geführt
haben.
GW: Naja, jedenfalls
werden die Mädels bei den Klängen von "Red Queen" ganz neue Seiten an
Euch endecken, ich hab gehört, der Song soll ja vielleicht sogar die
nächste Single-Auskopplung des Albums werden, stimmt das? Gerrit: Ja das wollen wir doch schwer hoffen,
dafür machen wir ja schließlich das alles hier (lacht!) Aber, wo
hast du das denn her mit der Single?
GW:
Irgendwo gelesen? Irgendwo aufgeschnappt ... Gerrit: Ja eine Single wird geben, aber erst im
Frühjahr und der Inhalt steht noch nicht fest. Aber für dieses Jahr
ist noch eine DVD-Box geplant. Außerdem werden wir viel live unterwegs
sein. Ab Ende November in Spanien, dann im Dezember in Holland und im
Januar/Februar 2003 dann sehr ausgiebig quer durch Deutschland.
GW: Ja, dann bedanke ich mich herzlich
für das interessante Gespräch und wünsche Euch viel Erfolg mit
dem neuen Album. Erfolgreiches "Weiterüberleben" sozusagen. Gerrit: Ja, vielen Dank! Das kann heutzutage
wohl jedem nur wünschen!
Sir Ritchie für
GOTHICWORLD
Review zu
"Survivor" www.funkervogt.de
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