CD-REVIEWS:
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PROJECT
PITCHFORK: "Inferno" CD (WEA)
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Die
Erwartungen dürften bei Fans und Kritikern gleichermassen hoch gewesen
sein, was das neue Album der Hamburger anbelangt. Nach den Chartskrachern
"Eon:Eon" und "Daimonion" legen PROJECT PITCHFORK nun mit
"Inferno" ihren neuesten musikalisch und lyrischen Output vor, der
zumindest am Anfang mit einer Überraschung aufwartet. Ein melancholisch,
düsteres Klavier erhebt sich aus dem Dunkel, wird von einer
sphärischen Drumlinie aufgegriffen und zusammen mit der tiefen, leicht
rau-gebrochenen Stimme von Peter Spilles entfaltet sich ein astreine Ballade.
Von der man ständig erwartet das sie alsbald von hämmernden
Sequencern zerhackt wird, aber es passiert nicht.
Die Steigerung auf "Inferno" gestaltet sich nur langsam. Nach
und nach werden die Stücke. Lauter, härter und auch schneller. Bis
sie in einem fast punkigen, gitarrenlastigen Punkt gipfeln, der dann einer
Welle gleich, die eben noch mit voller Wucht gegen den Mauer brandete, sanft
zurück zu gleiten. Nach und nach wieder ruhiger werdend.
Es gibt
sie immer noch. Die typischen Zutaten eines Pitchfork Werkes, ihre Mischung aus
zu Rhythmen verarbeiteten Samples und Sequencerfetzen, hin und wieder von einer
E-Gitarre aufgegriffen, Kanonartige Vocallinien die sich unter dem Gesang von
Spilles schieben, die Elemente von Elektro, EBM, gar Techno mischend, ohne je
eindeutig eines dieser Genres zu bevorzugen. Überhaupt ist dies das
auffälligste Merkmal von "Inferno". Der fast schon
Literaturwissenschaftlich zu belegende musikalische Spannungsbogen, aus Prolog,
Höhepunkt und Epilog. Auch ohne detailliertes Studium des Booklets wird
somit sehr schnell klar, das es sich hierbei um ein Konzeptalbum handelt.
Kein Instrument, keine Linie, kein Gesang, kein Fragment steht im
Vordergrund. Alles bildet eine geschlossene Einheit ohne aber gleichförmig
zu wirken. Weit entfernt von den sehr abwechslungsreichen und unterschiedlichen
Stücken der "Eon:Eon", aber auch ohne die verwendeten Stilmittel
der "Daimonion". (Wie z.B. immer gleichklingende Intros zu den Songs.)
Es fällt schwer einen bestimmten Song aus dem
Album hervorzuheben. Viel zu perfekt, arrangiert wirken die Stücke in
ihrer bestehenden Reihenfolge, trotz aller Vielfalt eine fast schon
religiös wirkende Einheit bildend. Musikalisch erscheinen PROJECT
PITCHFORK geschlossener, in sich ruhender und ausgeglichener als je zu vor.
Jeder Ton sitzt, jede Gesangslinie ist genau da eingebettet wo sie sein muss,
die experiementellen Elemente ihrer Songs wirken gereifter, perfekter und fast
möchte man sagen professioneller. So als hätten Dirk Scheuber und
Peter Spilles eine lange Sinnsuche beendet und sich endlich da gefunden, wo sie
schon seit Jahren hinwollten.
Der nächste Überraschungspunkt
sind die oft, jedenfalls öfter, verwendeten deutschen Texte.
Spätestens an dieser Stelle greift man zum Booklet um sich damit zu
beschäftigen, und das Konzept hinter "Inferno" nicht nur emotional
zu erfassen. Hier wird klar, das es sich um eine lyrische Bestandsaufnahme des
menschlichen Verhaltens, Denkens und Handelns in unserer Zeit, auf diesem
unseren Planeten handelt. Ein wenig philosophisch wirkend, auf Grund der nur
allzu menschlichen Eigenschaften, oft auch düster, aber nie ohne den
letzten aufblitzenden Hoffnungsschimmer. Wir leben in einer zerstörten
Welt, zwischen unseren Lügen und Selbsttäuschungen, aber das
"Inferno" muss noch nicht unbedingt jetzt beginnen. Solange wie man sich
dieser Prozesse bewusst wird, besteht noch die Chance den Prozess des
schleichenden Untergangs aufzuhalten, das Rad herum zu reißen und
vielleicht klingt das von PROJECT PITCHFORK erschaffene "Inferno"
deshalb noch so vergleichsweise harmlos. Ohne Brutalität, ohne Depression,
ohne Zerstörung, nur warnend...
Ein vorsichtiges Album, auf einem
verblüffenden Niveau, mit dem Scheuber/ Spilles die Messlatte für
anspruchvolle, elektronische Musik verdammt hoch gehangen haben. Da
dürften nur wenige Bands rankommen, oder zumindest beim Strecken danach,
ein Knacken und Reißen in den müden Knochen spüren.
Thomas Sabottka für
GOTHICWORLD
"Inferno"-Tracklist: 01. Momentum 02. The deepest
place 03. Souls in Ice 04. (Mehr als) Der Absprung 05. Lead and
Feather 06. Zeitfalle 07. A cell 08. Awakening 09. Lightwave 10.
I am (A thought in slowmotion) 11. Sinus 12. Your cut feather 13. The
spoken mirror 14. Crespusculum
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