interview:
THERION "Der Sound stimmte nicht, oder wir waren
einfach zu betrunken auf der Bühne ..."
Zu später
Stunde erwartete ich einen Anruf von THERION-Sänger Christofer Johansson.
Gilt das Volk der Schweden als gemeinhin doch eher ruhige Zeitgenossen, war
Christofer jedoch enorm redselig und ein extrem netter wie humorvoller
Gesprächspartner, der dem deutschen durchaus mächtig ist!
Natürlich galten die ersten Fragen dem aktuellen famosen Live-Album:
GW:
Wann und wieso kamst Du auf die Idee dass es Zeit für ein
Live-Album ist? Christofer: Die
Idee zum Album kam nach der letzten Tour. Außerdem wird THERION dieses
Jahr 15 Jahre alt. Wir haben einiges an Alben veröffentlicht und die halbe
Welt umtourt, da wurde es einfach Zeit ein würdiges Live-Album zu
veröffentlichen. Natürlich habe ich schon früher mit dem
Gedanken gespielt, aber die damaligen Shows waren einfach miserabel. Der Sound
stimmte nicht, oder wir waren einfach zu betrunken auf der Bühne. Jetzt
hat einfach alles gepasst. Am schwierigsten war wohl die Wahl des Albumtitels.
Mir schwebte so was wie "Live from Earth" oder "Live from Terria" vor. Das
klang aber alles daneben und drückte nicht das aus was ich wollte.
Über unseren Online-Fanclub erreichte mich der Vorschlag: "Live in
Midgard" und ich war sofort überzeugt und begeistert.
GW: Von welchen Locations habt Ihr die Songs
gewählt? Gab es da gewisse Kriterien? Christofer: Hauptsächlich war
natürlich der Sound ausschlaggebend. Und da gab es viel, viel schlechtes
Material, weil wir schlicht zu betrunken auf der Bühne waren. Hehe. Aber
natürlich kam trotzdem genügend Material zusammen. Wir nahmen von
Locations quer über den Erdball verteilt auf. Zum Beispiel aus Holland,
Budapest und natürlich aus Hamburg von unserem Konzert in der Markthalle.
Da gab es richtiges Club-Feeling weil nur rund 500 Zuschauer da waren. Einiges
Material haben wir von unserer Show in Kolumbien genommen. Kannst Du dir das
vorstellen? Ein Land das ausschließlich wegen Drogen oder
Bürgerkrieg in den Nachrichten ist! Und wir spielten vor 30.000 Leuten!
GW: Nicht
schlecht! Wie habt Ihr diesen erstaunlichen Sound der CD hinbekommen? Habt Ihr
Soundtechnisch im Studio noch etwas nachgeholfen...? Christofer: Kannst Du Dich noch an diese
schweineteure Metallica Live-Box von Anfang der Neunziger erinnern? Ist zwar
ganz toll, aber wozu stand da "Live" drauf? Das war im Studio völlig
aufpoliert worden und klang völlig unnatürlich. Diese Box ist ein
Paradeexemplar für mich wie man es nicht machen sollte. Bei unseren
Aufnahmen sind rund 90% so geblieben wie es war. Nur von kleineren Locations
wie der Markthalle haben wir etwas nachgebessert, weil es einfach aus dem
Rahmen viel. Ansonsten ist alles so true wie möglich. Wenn ich teilweise
mit der Gitarre hinter dem Kopf gespielt habe, dann soll man das auch
hören!
GW: THERION feiert
ja dieses Jahr seinen 15-Jährigen Geburtstag. Siehst Du die neue CD als
eine Art Geschenk an die Fans? Christofer:
Ja, auf jeden Fall. Aber auch uns selber, als eine Art
nostalgischen Rückblick wo wir überall schon waren und was wir mit
der Zeit an Songs geschaffen haben.
GW:
Vor allem Dingen hast Du es jetzt geschafft ein stabiles Line-Up
um Dich zu versammeln. Du hast im Laufe der Jahre ja wirklich viele Musiker ins
THERION-Boot geholt und genauso viele wieder verloren. Christofer: Ja, da hab ich mehr als schlechte
Erfahrungen gemacht und ich denke das THERION nie eine richtige "feste Band"
haben wird. Momentan arbeite ich mit Kristian und Johan Niemann zusammen. Sie
sind Brüder und exzellente Musiker. Sami ist auf der Live-CD noch an den
Drums zu hören, er ist aber schon wieder ausgestiegen.
GW:
Scheinst ja wirklich Pech zu haben was Deine Mitstreiter
angeht... Christofer: Ohja, es lag
aber vieles nicht in meiner Hand. Ein damaliges Bandmitglied schnitt sich
plötzlich die Haare komplett ab und wollte unsere Musik nicht mehr
spielen, ein anderer verschwand plötzlich in die USA. Unser damaliger
Drummer wurde Vater und stieg ebenfalls aus. Dann gab es riesige Probleme in
der Band als der Alkohol bei einigen Mitgliedern außer Kontrolle geriet.
Sie soffen ständig und wurden schließlich zu Alkoholikern. Es tut
sehr weh Freunde nach 10 Jahren und mehr durch diesen Scheiß zu
verlieren. Eines Tages tauchten Sie völlig fertig im Studio auf und
bekamen keine Note hin. Das war's dann. Du siehst, ich habe meine Erfahrungen
gemacht.
GW: Dann lass uns
einfach nach vorne schauen, und über ein mögliches neues
THERION-Album sprechen. Wie sehen da Deine Planungen aus? Christofer: Wir haben über 50 Songs in der
Vorproduktion! Nicht schlecht nicht wahr? Wir gehen das alles aber ganz ruhig
an und treffen nach und nach eine Auswahl. Ich denke das so ungefähr im
Herbst nächsten Jahres die neue THERION-Scheibe in den Regalen steht.
GW: Du schon Vorstellungen
darüber wie Sie klingen wird? Was planst Du? Christofer: Momentan klingen die 50 Songs noch
unterschiedlicher wie es kaum sein könnte. Mal verdammt hart, dann wieder
softer. Mal mehr Pop, dann wieder mehr Klassik. Was ich vorhabe ist jedenfalls
wieder härter und mehr auf den Punkt zu klingen. Es soll wieder mehr auf
den einzelnen Künstler eingegangen werden.
GW: Hast Du vor auch mal selber wieder ans
Mikro zu gehen und wieder THERION-Sänger zu werden? Christofer: Wir haben gerade 2 Songs aus
Spaß mal wieder mit mir am Mikro aufgenommen. Aber meine Stimme passt
einfach nicht mehr zur ausgefeilten Musik von THERION, meine Death Metal-Growls
würden alles kaputt machen.
GW: Wie stehst Du zu den
vielen anderen Bands die ebenfalls klassische Elemente einbauen. In Zeiten des
Erfolges schießen solche Bands ja wie Pilze aus dem Boden. Christofer: Ich sehe das eigentlich ganz
gelassen. Ich mag vor allen Dingen Nightwish´s "Oceanborn". Ich mag die
sehr gerne hörn, da offensichtlich auch unser "Theli" Album ein
großer Einfluss bei Nightwish war. Haggard find ich auch klasse, ein sehr
tolle Band mit außergewöhnlichen Musikern. Ich habe da wirklich
keine Probleme.
GW: Siehst Du
THERION denn als Teil dieser "Szene"? Christofer: Nein, wir vereinen so viele Stile,
und da mag auch der Erfolg von THERION liegen. Wir finden im reinen Metal wie
auch im Gothik und sogar Progressive Bereich viele Fans. Es ist nicht leicht
uns irgendwo zuzuordnen.
GW: Hast
Du irgendwelche momentanen Favoriten deren neuen CD´s Du am meisten
herbeisehnst? Christofer: VOIVOID!
Definitiv Voivoid. Eine überirdische Band, die völlig unterbewertet
ist. Die neue Scheibe kann ich kaum abwarten. Ansonsten bin ich recht
konservativ was den Metal angeht. Ich hoffe auf neue und vor allem bessere
CD´s von Judas Priest und Halford. Bei haben wirklich großen
Schei*** mit Ihren aktuellen Scheiben verzapft. Vorsichtig ausgedrückt.
Priest sollten sich auf Ihre Wurzeln besinnen und Ihren Sänger
rausschmeißen. Bei Rob Halford ist es das gleiche. Am besten er kehrt zu
Priest zurück. So wird es auch kommen, da bin ich mir ganz
sicher.
GW: Planst Du momentan
eine Tour, vielleicht als Package? Christofer:
Aktuelle Planungen sind nicht im Gange, aber es wird von Nuclear
Blast eine Neuauflage der um Weihnachten letzten Jahres veranstalteten Konzerte
angedacht, bei denen Kreator, Sodom und Destruction zusammen tourten und immer
abwechselnd spielten. Vielleicht sind wir bei so was mal mit von der Partie. Es
ist aber noch nichts amtlich.
GW:
Letzte Frage, was sind Deine großen Träume mit
THERION? Was würdest Du tun wenn Geld und Zeit genügend da
wäre? Christofer: Eine Oper!
Eine echte Metal-Oper. Aber nicht im einem Operettenhaus, die Atmosphären
würden nicht passen. So richtig vor Publikum mit riesigen Chören,
Solo-Musikern und echten Sängern. Das wäre das ultimative
Erlebnis!
GW: Ich bin dabei und
vielen Dank für das Interview!
Alexander Treder für
GOTHICWORLD
Review zu
"Live In Midgard" www.nuclearblast.de
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