CD-REVIEWS:
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STEPHAN
EICHER: "Hotel *S" Limited Doppel CD
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Die
Schweiz hat ja tatsächlich ein paar gute Dinge zu Stande gebracht.
(Nummernkonten, Swatchuhren, Schokolade?) Und sogar musikalisch gibt es einige
erwähnenswerte Geschichten. (Young Gods, Yello, Irrlicht, Lacrimosa?...
nee nicht DJ Bobo!!!) Und Stephan Eicher.
Stephan Eicher ist ein
musikalischer Zigeuner, der neun Monate im Jahr irgendwo auf der Welt unterwegs
ist um zu spielen. Da tritt er schon mal in einem afrikanischen Land am Strand,
in Berlin im "Lucky Strike" oder irgendwo in Asien einfach auf der Straße
auf, während er in Frankreich regelmäßig die Charts
anführt und riesige Hallen füllt. Anfang der Achtziger konnte man ihn
noch zusammen mit seinem Bruder bei einem Projekt namens Grauzone
("Eisbär") hören, dann widmete er sich die Jahre danach einer Art
elektronischen Pop Chanson ("Combien de Temps") mit dem er die Herzen
der Franzosen eroberte. Bis er sich Anfang der Neunziger plötzlich darauf
besann das es ja noch andere Instrumente gibt. Wie Akkordeon, Gitarre, Violinen
und diverse folkloristische Elemente, die er in aller Welt aufschnappte.
Seit dem lässt der schöne Schweizer seine leicht rauchige,
melancholische Stimme in allen möglichen Konstellationen und vor allem
Sprachen erklingen. Da gibt es schon mal klassische schwitzerdütsche
Volkslieder, ("Guggisberglied") die manchmal auch zu einer genialen
Swingnummer umfunktioniert werden. ("Hemmige") Aber auch englische,
deutsche und italienische Texte. Und immer wieder natürlich
französisch. Die Texte dafür stammen fast alle von dem
französischen Star Schriftsteller Philippe Djian ("Betty Blue") und
musikalisch bewegt sich Eicher irgendwo zwischen traurigen Weisen, rauen
Chansons, rockigen Nummern mit wilden Streichern ("Dejeuner en Paix"),
oder diversen Perkussion und Kuhglockensolos.
Nun legt er nach
über zwanzig Jahren musikalischen Schaffens eine Art "Best Of"CD vor, die
einen guten Überblick über diese Zeit bieten. Ganz seiner
Lebensmaxime treu bleibend, die meiste Zeit in Hotels zu verbringen, und in
diesen vor allem auch seine Platten aufzunehmen, vermittelt die CD uns eine
Ahnung von dem melancholischen Gefühl in diesen alten, ehemals
prachtvollen Gebäuden. Hier wo der Putz von der Wand bröckelt, und
der Stuck fleckig ist. Der Page uralt und der Fahrstuhl stets kaputt ist. In
dieser Welt voll vergänglicher Schönheit ist Stephan Eicher zu Hause,
hierher kehrt er immer wieder zurück.
Für Neueinsteiger bietet die Scheibe
einen guten Überblick, für Fans dürfte vor allem die zweite
(limited) CD interessant sein, die ganz in der Manier des Albums "Non ci
badar, guarda e passa..." etliche Aufnahmen bietet, die bisher
unveröffentlicht waren und meist an den unmöglichsten Orten
aufgenommen wurden. Allen voran das geniale an Badalamentis düsteren
Twin-Peaks-Sound erinnernde "My funny Valentine".
Auch wenn es
keine typische Platte für die "Schwarze Szene" ist. Für Leute die
aufgeschlossen sind, ist es die perfekte Musik um an einem regnerischen,
düsteren Tag mit einer Flasche dunklem, schweren Rotwein in einem Sessel
am Fenster zu sitzen, in die flackernde Flamme einer Kerze zu starren und vor
sich hinzuträumen.
Es lebe die Melancholie!!
Thomas
Sabottka für GOTHICWORLD
Tracklist CD1: 01. La Chanson Bleue Remix 02.
Combien de Temps 03. Two People in A Room 04. Le Silence 05.
Guggisberglied 06. Dejeuner en Paix 07. Pas d'ami (comme toi) 08.
Hemmige 09. Tu ne men dois rien 10. Elle Vient Me Voir 11. Des
Hauts et des Bas 12. Manteau de gloire 13. Ni Remoros Ni Regrets
14. Riviere 15. Rien a voir (live) 16. Oh Ironie 17. 1000 Vies
18. Venez Danser 19. In Wolken
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