Live-Review: DIARY OF DREAMS / DIORAMA 16.11. Universal DOG, Lahr
Hab ich mich
gefreut, als ich hörte, daß nach über einem Jahr endlich auch
mal wieder ein GOTH-Event in meinen Breitengraden stattfindet! Denn eigentlich
endet der schwarze Horizont im Süden bei der Kulturruine in Karlsruhe,
immerhin noch 70 Kilometer Autobahn von meiner Gruft entfernt. Ansonsten ist
eine Reise nach Stuttgart, Frankfurt oder Heidelberg angesagt, den Rest hier im
südlichen Niemandsland kannste vergessen...
Bis Ende letzten Jahres gab es immerhin noch die DARK DANCE TREFFEN
im 20 Kilometer entfernten Univarsal DOG (eigentlich ein Techno-Schuppen) in
Lahr und wir erinnern uns an einige gelungene Events und Konzerte zurück:
DARK STORM FESTIVAL 1999 mit GOETHES ERBEN, IN EXTREMO u.a., 2000 mit AND ONE,
PHILIPP BOA, ZEROMANCER, LETZTE INSTANZ, u.a. Konzerte mit SUBWAY TO SALLY, THE
GATHERING, L'ÂME IMORTELLE, MILA MAR, ILLUMINATE, ... bis hin zu kultigen
Halloween-Partys war alles geboten, was das düstere Party-Herz begehrt.
Doch irgendwann war mangels Masse in der Kasse Schluß mit Lustig und der
Veranstalter der DARK DANCE-Events versuchte sich mit mehr oder weniger Erfolg
in anderen Locations, allerdings nicht mit allzuviel Erfolg.
Nun stand
am 16.November also das 5.DARK DANCE TREFFEN wieder an seinem Ursprungsort an
und wir wollten uns vor Ort überzeugen, ob es hoffentlich nicht nur ein
letztes Aufflackern der Höllenglut ist, sondern sich hoffentlich wieder
als festes Event in der gothichen Event-Landschaft zurücketablieren
kann.
Mittlerweile wurde das Universal DOG etwas umgestaltet, neben der
Mainhall (1st Floor) und dem bekannten Club (3rd Floor) ist der 2nd Floor
über zwei Treppen (vom Eingang und vom Club) auch von oben zu bewundern,
was es sicherlich noch schwieriger macht, den Laden für
Szene-Veranstaltungen voll zu kriegen.
Die Live-Events fanden, wie schon
bei den bisherigen DDTs im kleinen Club statt, wo diesen Abend Paul Kuska (KISS
THE BLADE) und Carsten Girke (Independance/Gothic Magazine) zwischendurch und
anschließend auflegte, während in der Mainhall hauptsächlich
Powerbeschallung angesagt war. Als DJs konnte Ronan von VNV NATION und Martin
Sprissler (Gothic Magazine/Extreme) verpflichtet werden. Zwischen durch gab es
Feuerschlucker-Shows und um 2 Uhr dann auch eine kleine S/M-Einlage. Auf dem
2nd Floor war Synthiepop angesagt. Hier gaben sich Steffen (De/Vision), Torben
Schmidt (Bloodline) und Albert Deal (Pluswelt/Markthalle HH) die Ehre als
DJs.
Zurück zu den Live-Events. Eigentlich fast Nebensache bei
so einer Abtanz-Party, aber nicht so, wenn es sich um solche Acts wie DIORAMA
oder DIARY OF DREAMS handelt. So wurde der Club zum pünktlichen Beginn der
Show von DIORAMA schnell proppenvolle. Das Trio überzeugt eigentlich von
Beginn mit ihren stimmigen Sythiepop-Nummern von ihrem aktuellen Album "The Art
Of Creating Confusing Spirits" und den Debutalbum "Her Liquid Arms" mit
glasklarem Sound, aber zum Kochen brachten sie das Publikum nicht wirklich.
Aber das liegt wohl weder an der Band, an den Songs oder dem Publikum oder der
Location. "Unsere Songs sind zwar tanzbar aber sie eigenen sich mehr für
die Disco oder die ruhigeren Sachen sogar am Besten fürs Wohnzimmer, bei
Konzerten stehen wir und das Publikum uns gegenüber, auf der
Tanzfläche wäre das alles einfacher..." erzählte mir Torben, der
sympathische Sänger der Truppe weiter. "Es ist nicht meine Art auf der
Bühne den Entertainer zu spielen, wir selbst sind während den Shows
mehr in unsere Musik versunken..." Ist ja auch voll in Ordnung,
schließlich ist DIORAMA nicht die neue schwarze Stimmungskanone, sondern
Garant für soliden Synthiepop und Darkwave zum Träumen und Tanzen mit
der Tendenz zu Steigerungsfähigkeit von Album zu Album.
Bei DIARY OF DREAMS verhält sich die Sache schon
etwas anders, schließlich sind Adrian Hades und seine Truppe schon ein
paar Jähren länger im Geschäft. So ist die Show einfach
prägnanter und einiges düsterer und erzeugt beim Publikum schon
merklich mehr Feedback, was sicherlich nicht nur an der markanten
"Kriegsbemalung" der Akteure liegt. Da ich mich während der Umbaupause in
den anderen Floors aufhielt um u.a. ein paar Worte mit Ronan (VNV Nation) zu
wechseln hab ich die DIARY OF DREAMS-Show nicht von Anfang an gesehen und hab
mich im Programm irgendwo zwischen "PaniK?", "Soul Stripper" und dem "Mankind"
/ "Chemicals"-Block in den zum Bersten gefüllten Club gezwängt. Und
spätenstens mit den besagten Hits aus dem "One of 18 Angels"-Album schien
das Publikum auch richtig mit dem harschen Groove mitzugehen. Souverän
beherrschte Adrian die Szene und die Band durfte erst nach drei
Zugabeblöcken die Bühne für diesen Abend verlassen.
Auch konnte ich mit Adrian nach dem Gig noch ein paar Worte
wechseln, in denen er mir versichete sich wirklich auf die noch anliegenden
Shows der Tour zu freuen. Eine Frage aber mußte ich ihm noch stellen,
nämlich zum Cover der aktuellen LACRIMOSA-Single, die ja verdammt der
Corporate Identity von DIARY OF DREAMS ähnelt: "Ach weißt du, wir
hatten da schon mal so ein ähnliches Problem mit einer anderen Firma, das
war viel heftiger. Tilo hat mir versichtert, daß es ihm nicht
bewußt war und zum Glück sind ja die Schriftzüge anders
gestaltet, also was solls. Bei den Alben hat er ja dann eh wieder seinen
eigenen Stil."
Nun, der Abend war noch lange nicht gelaufen, auf drei
Floors gab es von Electro bis Batcave irgendwo immer genau das Richtige um die
schwarze Seele herauszulassen. Nicht vergessen, daß die Veranstaltung
viele Gäste aus Frankreich und sogar aus der Schweiz anlockte. Alles in
Allem ein gelungener Neuanfang für die DankDance-Reihe, die in der
wundervollen Athmospähre des Universal DOG hoffentlich noch viele
Fortsetzungen finden wird.
Als Nächstes steht am 21.Dezember das 1.
DARK DANCE FESTIVAL an. Topacts: APOPTHYGMA BERZERK, MESH, SUBWAY TO SALLY,
DAS ICH, ... Wir sehen uns in Lahr!
Sir Ritchie für
GOTHICWORLD
Photos von Anja (www.darkview.de)
|