Exclusive Interview:
SAMSAS TRAUM Interview mit Alexander Kaschte von Samsas Traum am
16.01.01 in der Batschkapp / Frankfurt a. Main
GW: Hallo
AK: Hi!
GW: Fangen wir gleich an. Zu eurem Album
"Oh Luna mein": Darauf ist eine Weiterentwicklung im Gegensatz zur "Liebe
Gottes" zu bemerken. Es ist viel weniger "Geschrei" und "Geknüppel". Es
gibt Leute, die sagen, dass ist "Scheiße" und andere finden es wiederum
ganz toll. Warum hast du diesen musikalischen Stilwechsel vollzogen?
AK: Weil das Gekreische kindisch ist und weil Black Metal
kindisch ist und weil Geknüppel unmusikalisch ist und weil die Musik, die
auf "Die Liebe Gottes" ist sowohl emotional als auch soundtechnisch nicht
unbedingt das ist, was ich heute unter guter Musik verstehe. Weniger ist
mehr - das macht die Lieder besser, durchsichtiger, das macht das ganze auch
druckvoller. Ich fühle mich einfach besser damit, jetzt solche Musik zu
machen, weil ich mich einfach weiterentwickelt habe. Ich will es musikalischer
Gestalten. Der Underground ist mir scheißegal. Deshalb.
GW: Ja
aber ich mein auch auf "Oh Luna mein" wird trotzdem hart vor sich
hingeknüppelt. AK: Ja, spärlich gesät. Und das
wird auch weiterhin spärlich gesät bleiben. Das wird immer weniger
werden.
GW: Das wollte ich dich gerade fragen: Neues Album in
Planung oder schon in Arbeit? AK: Das neue Album ist komponiert,
noch nicht getextet und wird im August/September veröffentlicht.
GW: Schon ein Titel? AK: Wird nicht genannt.
GW: Schade eigentlich... AK: Den Titel kenn ich, aber
ich sage ihn nicht.
GW: Ist ja in Ordnung. Was anderes: Im
Artwork von "Oh Luna Mein" sticht die Jungfrau aus dem ganzen heraus. Warum
hast du sie genommen? Mich hat es sehr gewundert, weil sie vom Stil her gar
nicht rein passt.
AK: Sie ist nicht von demselben
Künstler gezeichnet. Sie ist von Lydia gezeichnet und Lydia hat auch das
Gedicht geschrieben "Das verlorene Kind", welches neben dem die Jungfrau zu
sehen ist. Deswegen hab ich das Gedicht von Lydia und das Bild von Lydia auf
eine Seite gepackt. Außerdem passt es meiner Meinung nach perfekt
zueinander.
GW: Es war halt dieser stilistische Bruch, der mich
gewundert hat. AK: Es ist ein Bruch. Aber es gehört
für mich persönlich vom Herzen her dazu - es gehört einfach
rein. Da kannst du auch sagen, dass der RAF-Stern mit der Knarre ein
stilistischer Bruch ist und da nicht reinpasst, aber auch von da her ist das
alles aus einem Guss und gefällt mir das alles sehr gut.
GW: Was
mir immer auffällt sind in den CDs an den Seiten die Sprüche. Sind ja
manchmal sehr aggressiv. Sind das nur Sprüche, Phrasen oder willst du
damit was bezwecken? AK: Auf der ersten Platte stand ja
"Vernichte dich - der Tod ist unser". Ich hatte damals noch eine sehr
selbstzerrstörerische Zeit. Deswegen wollte ich die Leute dazu auffordern,
sich selbst zu zerstören und quasi diese dunkle, blöde Seite
auszuleben. Dunkelheit par Excellenze. Selbstzerstörung par Excellenze.
GW: Obwohl das Album vom Artwork her sehr hell war.
AK: Genau! Der Wiederspruch ist aber Absicht. Das Artwork haben
wir hell gemacht, damit die CD auffällt.
GW: Sie ist mir schon
ins Auge gesprungen.... AK: Und bei der zweiten Platte war diese
Phase beendet. Ich habe eine große Aufwertung in meinem Leben erfahren.
Mir ging es mit einem Mal viel besser als vorher - mir ging es sehr gut und ich
habe außerdem gemerkt, dass ich mit der ersten Platte Dinge getan habe,
in Menschen bewirkt habe, die ich ab dem Zeitpunkt nicht mehr gut heißen
konnte. Ich fühle mich nicht mehr dieser Szene zugehörig, die sich
selbst zerstört. Ich fühle mich auch nicht der Szene zugehörig,
die sich selbst verletzt. Ich habe mich jahrelang selbst verstümmelt. Ich
habe mich jahrelang geschnitten und mittlerweile bin ich ein bisschen
älter und reifer geworden und wenn ich jetzt darauf zurückblicke,
dann tut es mir leid, was ich mir damals angetan habe. Wenn ich mir meine Arme
anschaue, dann kommt mir die Galle hoch. Es haben sich außerdem Leute -
nicht wegen des Albums aber im Unkreis des Albums - umgebracht. Keine Leute die
wir kannten. Du weißt ja, wie das in der Szene so ist, Menschen, die
unsere Musik dazu benutzt haben, sich in ihrem Lebensgefühl zu
bestätigen und ich wollte nicht mehr in den Kisten der Kripo sein, die
sichergestellt werden von Leuten, die sich getötet haben. Das zweite Album
"Oh Luna Mein" ist ein sehr lichtes Album - ein Album, das sehr fröhlich
ist.
GW: Das aber wiederum ein sehr deprimierendes Artwork hat...
AK: Aber es ist sehr lebensbejahend. Und deswegen: "Entflamme
dich - das Leben ist unser".
GW: Jetzt nochmal schnell zu "Die Liebe
Gottes" etwas, wenn denn möglich... AK: Ja gerne.
GW: Am Anfang steht der Protagonist auf der Bühne, dann der
Kampf in Himmel und Hölle und dann wieder zurück auf die Bühne.
Warum konnte er nicht im Himmel bleiben, wo alles gestrahlt hat? Irgendwie find
ich das arg deprimierend, auch wenn du eine Selbstzerrstörerische Art
hattest. Warum kein Lichtblick? AK: Am Ende endet es ja positiv,
indem sich der ganze Käse selbst aufhebt. Und wenn du das so siehst, ist
es eigentlich egal, wo es endet. Ich hab den Schwerpunkt nicht darauf gelegt,
wo das Album endet, ob es irgendwie gut oder schlecht endet. Der Schwerpunkt
liegt darauf, dass im Endeffekt alles gegeneinander aufgewogen wird. Und
deswegen auch die Struktur: Wenn aufgewogen wird, muss dass, was auf der
Bühne anfängt auch dort enden, damit dieser Rahmen irgendwie gehalten
wird. Wobei der erste Track, der nicht zu dem Konzeptalbum gehört auch
wieder durch den Hidden-Track, durch den Remix, aufgehoben wird.
GW:
Ja danke schön. Ich hoffe ihr habt noch ne schöne Tour. Wie es war
habe ich leider nicht genau mitbekommen, habe nur gehört, dass es
teilweise aufgrund mangelnder Zuschauer nicht so toll war. AK:
Es ist sehr viel Scheiße passiert, die eigentlich nicht passieren darf.
GW: Inwiefern? AK: Wir sind bei der
größten Bookingagentur Deutschlands für härtere Musik -
Continental Concerts. Samsas Traum haben in Holland vor sechs Leuten gespielt -
Atrocity haben vor 20 Leuten gespielt. Wir erleben hier einen ganz großen
Haufen gequirlte Scheiße. Wir sind die kleinen Supportärsche, obwohl
wir besser behandelt werden, als auf jeder anderen Supporttour - um 100%. Aber
wir werden immer noch für meine Ansprüche 100% zu schlecht behandelt.
GW: So in der Art: Ab, da ist eure
kleine Ecke, oder wie? AK: Um es ganz direkt zu sagen: Wir haben
ein sehr gutes Verhältnis mit den anderen beiden Bands. Wir verstehen uns
sehr gut mit Atrocity, wir verstehen uns auch gut mit Pain. Es gibt zwar ein
paar, die unsere Musik nicht mögen. Atrocity geben auf uns acht. Doch das
Management ist schlecht. Ich rede nicht von Continental Concerts, die Chefetage
von CC macht sehr gute Arbeit. Die haben sich sehr gut um uns gekümmert
und uns gut eingewiesen. Das Vor-Ort-Management muss aber manchmal von oben
eins auf den Kopf kriegen, damit das so arbeitet, wie ich das verlange.
GW: Das waren klare Worte. So, jetzt endgültig vielen Dank
für das Interview und noch einen schönen Abend. AK:
Ja, danke auch. Ich will jetzt auch endlich mal raus hier (Anmerkung:aus dem
Backstage!)
Das
Interview führte SchwarzeTräne für
GOTHICWORLD Mehr Infos über Samsas
Traum: Hier ein Review zum aktuellen Album "Oh Luna Mein" Label:
www.trisol.de und demnächst auf der
Band-HP: www.samsas-traum.de (u.c.)
|