CD-REVIEWS:
Hurra - sie leben
noch (und wie!)
Im Nachfolgenden möchten wir für alle denen SILKE BISCHOFF kein Begriff ist, ein wenig Nachhilfteunterricht in Geschichte geben: Gut und Böse, Licht und
Dunkel, Liebe und Hass, Glaube und Aberglaube, das sind Themen, die eine
geheimnisvolle Faszination auf die Menschheit ausüben. Niemand kann sich
dieser Anziehungskraft widersetzen. Während der Normalbürger es bei bloßen Gedankenspielen beläßt, liefert diese Materie den Treibstoff für die magische Musik und die faszinierenden Bilder von Silke Bischoff. Den bisherigen audiovisuellen Höhepunkt ihrer Karriere liefern Felix Flaucher und Frank Schwer mit ihrem neuen Album "Phoenix From The Flames" ab. Perfekt verbindet das Duo darauf die bittersüße Melancholie des Wave mit der Leichtigkeit moderner, anspruchsvoller Pop-Musik. Eine ungewöhnliche Mixtur, die irgendwo im Spannungsfeld zwischen Joachim Witt und Wolfsheim anzusiedeln ist. Allerdings ist dieser Stil kein anbiedern an Trends sondern viel mehr seit 1990 typisch für die Band. Die bekannte Intensität von Silke Bischoff-Songs wird die Fans noch mehr als jemals zuvor tief in ihrer Seele berühren. Ungewöhnlich an dem neuen Werk ist sein Facettenreichtum. Die Grenzen zwischen Popkultur und Independentszene werden durch "Phoenix From The Flames" eliminiert. Mit verantwortlich dafür zeichnet sich Produzent John Fryer, der schon für Depeche Mode, HIM oder Paradise Lost tätig war. ,,Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass jemand in unsere eigentlich schon fertigen Songs noch so viel einbringen kann. Wir haben gelernt ,,loszulassen", weil wir von den Ergebnissen total beeindruckt waren. Wenn man als Künstler einen Roughmix mehr als 100 mal hört, dann kann man sich davon nicht mehr lösen. Es fehlt einem schlichtweg die Distanz. Es war aus meiner Sicht eine geniale Entscheidung mit John zusammen zu arbeiten", ist Flaucher überzeugt. Zu Recht. Noch nie waren die Gitarrenparts so druckvoll und die Keyboardsounds so abwechslungsreich. Neben der Musik sind es die Inhalte, welche die Band zu etwas ganz
besonderem machen. Sie berühren die Seele des Zuhörers. Der
Albumtitel "Phoenix From The Flames" hätte nicht besser
gewählt werden können. Die Thematik läßt sich mit
folgender religiöser Aussage ganz gut skizzieren. ,,Unser Herr Jesus
Christus spricht in dem göttlichen Evangelium: Ich habe Macht mein Leben
zu lassen, und habe Macht es wiederzunehmen." Symbolisiert wird diese
Beschreibung des ewigen Lebens und der Auferstehung, durch die Legende des
Vogels Phoenix, der Feuer an sein Nest legte und aus den Flammen auferstand.
Ein Mythos, der perfekt zur wechselhaften Historie von Silke Bischoff
paßt. Bereits mit dem 1991 erschienen Debütalbum "This Is The New
Religion" sorgte die Band für gewaltiges Aufsehen. Neben den beiden
Szenehits "On The Other Side" und "I Don't Love You Anymore"
waren die provokanten, erotisch morbiden Fotografien von Felix Flaucher sowie
der Bandname selbst echte Aufreger. Vor allem, das man sich als "Pate" für
die Bandtitulierung des Namens der am 18.8.1988, während des Gladbecker
Geiseldramas, im Alter von 18 Jahren ums Leben gekommen Silke Bischoff
bediente, schlug hohe Wellen. ,,Die ganze Aufregung um den Bandnamen und die
Photos habe ich nie verstanden. Es kommt mir oft so vor, als wollten die Leute
schockiert werden, um eine bißchen Thrill in ihr eintöniges Leben zu
bekommen. Es ging mir allerdings nie um vordergründige Schockeffekte,
sondern eher darum, größtmögliche künstlerische Freiheit
ausleben zu können. Ich denke, man hat nicht viele Möglichkeiten aus
seinem Leben auszubrechen. Schließlich reicht es schon, wenn man sich
gesellschaftlichen Zwängen unterordnen muß. Im künstlerischen
Bereich sollte man machen können worauf man Lust hat, ohne sich
ständig überlegen zu müssen, ob das jetzt "politisch " korrekt
ist. Gerade die Fotografie ist für mich eine weitere Möglichkeit mich
auszudrücken. Es geht mir immer darum eine Stimmung zu schaffen, die es
nur auf diesem einen Bild gibt. Dabei ist es egal, ob es sich um Models
für Silke Bischoff-Bilder oder um Künstler wie Love Like
Blood oder Christian Death handelt. Ich möchte zumindest im
kreativen Bereich nicht ständig eine Schere im Kopf haben, vielleicht kann
ich damit verhindern irgendwann Amok zu laufen." Dieser Linie blieb man auf den folgenden, sehr erfolgreichen Alben "The Man On The Wooden Cross" (1993), "To Protect And To Serve" (1995) und "Northern Lights" (1996) treu. Neben Deine Lakaien, Project Pitchfork und Wolfsheim hatte man sich längst als führende innovative Kraft der Independent-Szene etabliert. Der große Durchbruch schien nur eine Frage der Zeit sein. Leider kam damals alles ganz anders. Die Pleite der Plattenfirma
und interne Streitigkeiten mit Ex-Gründungs-Mitglied Axel Kretschmann
schienen das Ende zu bedeuten. ,,Es war eine verdammt schwierige Zeit. Kein
Geld, kein eigenes Studio mehr und nur Stress. Eines war aber immer klar: Frank
und ich wollten weiterhin Songs schreiben. Wir hatten Ideen ohne Ende und
wußten, dass wir einen Weg finden würden, weiter zu machen. Eine
große Hilfe war dabei Roman Schönsee (Ex-Pyogenesis, The
Dreamside, The Bloodline), der unseren alten Keyboarder mehr als nur ersetzt
hat. Es war wie das Ende einer großen Liebe. Du weißt im ersten
Moment nicht, wie es weiter gehen soll, aber nach einiger Zeit entdeckst du
neue Dinge in deinem Leben, neue Möglichkeiten. Irgendwann ist man dann
froh, dass alles so gekommen ist, weil man sonst eine Menge verpaßt
hätte. Ich bin mir sicher, dass wir sonst niemals ein so hochwertiges
Album hätten machen können." So erheben sich Silke Bischoff wie der Phoenix aus den verbrannten Ruinen der Vergangenheit. Aufregend, sinnlich und spannend. Silke Bischoff liebt euch intensiver als jemals zuvor! Silke Bischoff: Felix Flaucher (Vocals, Lyrics, Bass-Guitars, Keyboards) Frank Schwer (Guitars, Keyboards) Diskografie: CD "This Is The New Religion" (1991) CD "The Man On The Wooden Cross" (1993) CD "To Protect And To Serve" (1995) CD "Northern Lights" (1996) CDS "Felix In The Sky" VÖ: 02. April 2001 CD "Phoenix From The Flames" VÖ: 28. Mai 2001 Official Homepage: www.silkebischoff.de Label: www.drakkar.de |
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