Nach dem Rückzug von
Honda aus der Formel1 Ende der Saison 2008 entschied die FIA, möglichen
weiteren Rückzugsvorhaben der Hersteller mit einer inzwischen als
freiwillig vereinbarten Budgetobergrenze entgegenzuwirken und dadurch
das Startfeld für neue Teams zu öffnen, die sich die Formel 1 bislang
nicht leisten konnten. Daraufhin drohten zunächst alle etablierten
Herstellerteams, allen voran Ferrari, mit der Gründung einer Piratenserie,
weil sie den freien Wettbewerbsgeist des Sports in Gefahr sahen. Ungeachtet des
Streits zwischen den Parteien deponierten zahlreiche Interessenten ihre
Bewerbung zur Teilnahme an der Saison 2010 bei der FIA. Am 12. Juni 2009 wurde
schließlich eine offizielle Nennliste für die nächste Saison
veröffentlicht, die zunächst drei neue Teams aufführte:
Campos, Manor (später: Virgin Racing) und US F1.
Durch den Rückzug von BMW (siehe unten) wurde später noch ein
weiterer Platz an den malaysischen Interessenten Lotus F1 Racing
vergeben. Alle neuen Teams treten mit Cosworth-Triebwerken an, die
britische Motorenschmiede kehrt damit nach drei Jahren Pause in die Formel 1
zurück. Auch Williams vertraut ab 2010 auf
Cosworth-Motoren.
Weitere Hersteller ziehen sich
zurück
Die BMW AG erklärte am 29. Juli 2009, sich mit Ende
der Saison 2009 vollständig aus der Formel 1 zurückzuziehen. Am 15.
September 2009 gab der Automobilhersteller bekannt, mit der zunächst als
eine in der Schweiz ansässige Stiftung bezeichneten Qadbak
Investments Ltd eine Einigung über den Verkauf des BMW Sauber F1
Teams erzielt zu haben. Wenige Tage später geriet Qadbak Investments Ltd,
bei der es sich in Wirklichkeit um eine auf den Jungferninseln eingetragene
Gesellschaft handelt und die bereits mit dem Kauf des englischen
Fußballvereins Notts County für Aufsehen sorgte, wegen der
Unklarheit über die Herkunft des Geldes sowie einer vom
Handlungsbevollmächtigten der Qadbak Investments Ltd abgesessenen
Gefängnisstrafe wegen Versicherungsbetrugs in die Negativschlagzeilen. Am
27. November 2009 gab BMW schließlich bekannt, dass das Team doch nicht
an Qadbak Investments verkauft wird. Stattdessen wurde es von seinem
Gründer Peter Sauber wieder zurückgekauft (BMW übernahm das
Sauber Team 2006). Der Verkauf war allerdings an die Bedingung geknüpft,
dass die FIA dem Team den durch den Rückzug von Toyota freigewordenen
Startplatz zuteilt. Am 3. Dezember 2009 wurde der Startplatz für das
Sauber-Team bestätigt.
Nach Saisonende gab auch Toyota den
Ausstieg seines Werksteams aus der Formel 1 bekannt. Anders als bei BMW ist
eine Fremdübernahme und Weiterführung des Teams unter neuem Besitzer
nicht geplant. Das 2009 erstmals angetretene Team Brawn GP, das aus dem
ehemaligen Honda Racing F1 Team hervorgegangen war, wurde im November 2009
mehrheitlich von Mercedes-Benz übernommen und wird künftig als
Werksteam des deutschen Automobilherstellers unter dem Namen Mercedes Grand
Prix an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Im Zuge der Übernahme von
Brawn GP wird die Daimler AG ihre Anteile an der McLaren Group
zurückverkaufen, das McLaren-Team erhält aber bis mindestens 2011
weiterhin Motoren.
Großes Cockpit-Rücken und einige neue
und bekannte Fahrergesichter
Ex-Weltmeister Fernando Alonso wechselt
zu Ferrari und wird dort Kimi Räikkönen ersetzen, der 2010 in der
Rallye-Weltmeisterschaft an den Start geht. Alonso wiederum wird bei Renault
von Robert Kubica ersetzt. Der bereits 2009 für den verletzten Felipe
Massa bei Ferrari eingesprungene Giancarlo Fisichella bleibt bei den
Italienern, beendet jedoch seine Grand-Prix-Karriere und tritt ins Glied des
Testfahrers zurück. GP-Veteran Rubens Barrichello setzt seine Karriere
hingegen fort und wechselt zu Williams, wo er auf Neuling Nico
Hülkenberg trifft. Nico Rosberg wechselt zum neuen Mercedes-Team und
ersetzt dort den bisherigen Teamleader und Weltmeister Jenson Button, der zu
McLaren wechselt. Im zweiten Mercedes-Cockpit feiert der siebenfache
Weltmeister Michael Schumacher sein Comback in der Formel 1.
Timo Glock wechselt nach dem Ausscheiden des Toyota-Teams zum neuen
Team Virgin (vormals Manor), sein bisheriger Teamkollege Jarno Trulli heuert
beim ebenfalls neuen Team Lotus an. Dort unterschrieb auch der bisherige
McLaren-Fahrer Heikki Kovalainen. An Seite von Tomo Glock fährt bei Virgin
Racing der Brasilianer Lucas di Grassi. Bei Campos wurde der Neffe von
F1-Legende Ayrton Senna, Bruno Senna, unter Vertrag genommen. Sauber hat
zuletzt den Ex-ToyotaTestfahrer Kamui Kobayashi fürs erste Cockpit
verpflichtet, der als Ersatz für den verletzten Timo Glock bereits seine
ersten Formel1-Punkte sammeln konnte und den zweiten Startplatz an den
langjährigen McLaren-Mercedes-Testfahrer Pedro De La Rosa vergeben.
Bei Torro Rosso gilt derweil Jaime Alguersuari als neuer, alter
Teamkollege von Sebastien Buemi als gesetzt und das zweite Renault-Lenkrad
bedient der erste russische Fahrer in der Formel Eins Vitali Petrov.
Offene Fahrerslots gibt es jetzt nur noch bei Campos und USF1, wobei es
fraglich ist, ob diese beiden Teams es schaffen werden, rechtzeitig am Start zu
sein, wenn am 14. März in Bahrain die Ampeln wieder grün
werden.
Zu den Wintertest haben es diese beiden Teams nicht geschafft
ein Fahrzeug fahrbereit zu machen. Während bei Campos es Collin
Kolles (vormals Jordan, Midland, Spyker, Force India) vollbringen soll, das
Team bis zum Saisonstart noch einsatzbereit zu machen, hat USF1 bei der
FIA bereits beantragt, die ersten vier Überseerennen auslassen zu
dürfen. Derweil wartet Stefan GP mit aufgekaufter Toyota-Technik
auf die Aufgabe einer der Wackelkandidaten und die entsprechende Startlizenz
der FIA.
Aktualisierte Starterliste der FIA
Am
03.März veröffentlichte die FIA eine neue Starterliste. Auf dieser
wird USF1 definitiv nicht mehr aufgeführt. Das ehemalige
Campos-Team startet nach aller Vorraussicht nach dem Ausscheiden des
vorherigen Eigentümers Adrian Campos unter Leitung von Colin Kolles als
"Hispania Racing F1 Team". Der Startplatz neben Bruno Senna ist weiterhin
nicht benannt. Das Ferrari-befeuerte Sauber-Team wird weitehin als "BMW
Sauber F1 Team" genannt und rückt auf die Startplätze 22 (Pedro
de la Rosa) und 23 (Kamui Kobayashi) auf. Wie zu erwarten taucht Stefan
GP im aktuellen Update der FIA weiterhin nicht auf.
Tagsdrauf und
auf den letzten Drücker präsentierte das Hispania Racing Team
im spanischen Murcia den Cosworth-befeuerte Dallara-Boliden und auch den
zweiten Fahrer neben Bruno Senna. Der Zuschlag ging an den 26-jährigen
Inder Karun Chandhok. Der Argentinier José María
Lopez, der bereits einen Vertrag beim gescheiterten USF1-Team hatte, wird
die Rolle des Test- und Ersatzfahrers für das spanische Team
übernehmen und chasst damit eigentlich die Sensation einer weiblichen
Formel1-Fahrerin, denn beim ursprünglichen Campos-Team war die Schweizerin
Natacha Gachnang für den Job der Ersatzfahrerin
vorgesehen.
Definitiv nicht am Start wird das Team des serbischen
Unternehmers Stefanovic sein und damit wird es vorerst auch zu keinem Comeback
des Weltmeisters von 1997, Jacques Villeneuve kommen. Aber immerhin wissen wir
endlich, welche Teams mit welchen Fahrern am 14.März in der Wüste von
Bahrain auf Gas gehen können. Hier die aktualisierte
Übersicht:
Teamchef:
Martin Whitmarsh Teammanager: Jonathan Neale Techn. Direktor: Paddy
Lowe Chefingenieur: Pat Fry Chefdesigner: Neil
Oatley Chefaerodynamiker: Simon Lacey
Firmensitz: McLaren
Techology Centre Chertsey Road, Woking Surrey GU21 5JY
England
Teamchef: Ross
Brawn Motorsportdirektor: Norbert Haug Teammanager: Ron Meadows Techn.
Direktor: Jörg Zander Chefingenieur: Steve Clark Chefdesigner:
Loïc Bigois Chefaerodynamiker: John Owen
Firmensitz:
(Brawn GP Formula One Team) Operations Centre Brackley
Northants NN13 7BD England
Chassis: Red
Bull RB4 Motor: Renault RS28 * Reifen:
Bridgestone
Teameigentümer: Dietrich Mateschitz Teamchef:
Christian Horner Teammanager: Jonathan Wheatley Chefingenieur: Andrew
Green Chefdesigner: Rob Taylor Chefaerodynamiker: Ben
Agathangelou Technikchef: Adrian Newey
Firmensitz: Red
Bull Racing Ltd. Bradbourne Drive Tilbrook Milton Keynes MK7 8BJ
England
Chassis: F70 Motor:
Ferrari 057 Reifen: Bridgestone
Präsident Ferrari: Luca di
Montezemolo Teamchef: Stefano Domenicali Techn. Direktor: Aldo
Costa Chefingenieur: Luca Baldisseri Chefdesigner: Nikolas
Tombazis Chefaerodynamiker: Marco De Luca Chefrenningenieur: Chris
Dyer Motorenchef: Luca Marmorini
Firmensitz: Ferrari SpA.
Via Ascari 55-57 I-41053 Maranello
Italien
Chassis: Williams FW32 Motor:
Cosworth 2.4 V8 * Reifen: Bridgestone
Teamchef: Frank
Williams Teammanager: Tim Newton Techn. Direktor: Sam
Michael Chefingenieur: Rod Nelson Chefdesigner: Ed
Wood Chefaerodynamiker: Jon Tomlinson
Firmensitz: Williams
Grand Prix Engineering Ltd Station Road Grove, Wantage Oxon OX12
0DQ England
Formel-1-Debüt: 04.05.1969 Spanien /
Montjuich Park
Chassis: Renault R30 Motor:
Renault RS27 Reifen: Bridgestone
Präsident Renault F1: Patrick
Faure Leiter Motorenabteilung: Remi Taffin Teamchef: Eric
Boullier Teammanager: Steve Nielsen Techn. Direktor (Chassis): Bob
Bell Techn. Direktor (Motor): Rob White Chefdesigner: Tim
Densham Chefaerodynamiker: Dirk de Beer
Firmensitz:
Renault F1 Ltd. Whiteway Technical Centre Enstone, Chipping
Norton Oxfordshire 0X7 4EE England
Chassis: Force India
VJM03 Motor: Mercedes-Benz 2.4 V8 * Reifen:
Bridgestone
Geschäftsführer: Otmar Szafnauer Teamchef:
Vijay Mallya Teammanager: Andy Stevenson Techn. Direktor: James
Key Chefingenieur: Dominic Harlow Chefdesigner: Mark
Smith Chefaerodynamiker: Ian Hall
Firmensitz: Buckingham
Road Silverstone Circuit Towchester Northants NN12 8TJ England