Ein Fazit von zielfagge
(Barcelona-update vom 28.02.)
Seit am 01. Februar die
offiziellen Testfahrten für die Formel 1 - Saison 2010 begonnen haben, hat
sich schnell herauskristalisiert, daß die wirkliche Hackordnung der am
besten aufgestellten Teams wohl bis zum eigentlichen Saisonauftakt am 14.
März in Bahrain auf sich warten lassen muss. Dieses Jahr ist kein Team,
wie 2009 Brawn GP am Start, daß Dank ausgefeiltem Doppeldiffusor bereits
bei den Testfahrten allen anderen Favouriten um die Ohren fährt. Im
Gegenteil ist, auf Grund eines 200 Kilo Sprit fassenden Tanks nicht
ersichtlich, wer mit wieviel Kraftstoff an Bord welche Zeiten gefahren hat und
zuletzt haben die schlechten Wetterbedingungen in Jerez kaum wirklich
schlüssige Aussagen über das Kräfteverhältnis
zugelassen.
Keine klare Favouriten bei den etablierten
Teams
Die Jerez-Bestzeit für die 2010er Wagen hat Jenson Button
am 20.02. mit seinem McLaren MP4-25 in den spanischen Asphalt Jerez gebrannt.
Mit seiner Rundenzeit von 1.18.871 Minuten liegt er nicht nur weit von der
Steckenbestzeit von Michael Schumacher, aufgestellt 2004 im Ferrari mit
1:15.614 Min. zurück, im Vergleich zur Konkurrenz lassen sich auch kaum
Rückschlüsse ziehen, zumal der diesjährige McLaren auf Longruns
bisher eigentlich nur mäßige Zeiten abgeben konnte.
Wesentlich konstantere Zeiten
konnten im Vergleich von Renault und dem neuen Ferrari-befeuerten Sauber
gefahren werden. Auch Ferrari selbst sieht auf Renndistanzen wesentlich besser
aus und scheint insgesamt die wenigsten technischen Probleme bisher gehabt zu
haben.
Bei Mercedes und ihrem deutschen Dreamteam mit Nico Rosberg und
dem zurückgekehrten siebenfachen Weltmeister Michael Schumacher scheint
sich derweil keine vergleichtbare Dominaz, wie zuletzt bei Brawn GP zu
bestätigen. Man fährt zwar konstant mit guten Zeiten, aber wirkliche
Highlights setzen eher andere, wo bei auf Grund der größeren Tanks
ein spritbereinigtes Kräftemessen kaum fest zumachen ist. Da im letzten
Jahr noch viele Topteams eher auf die Entwicklung von KERS gesetzt haben, als
auf aerodynaische Weiterentwicklung, wird ein vergleichbares Davonziehen, wie
das von Brawn GP, die mit ihrem Doppeldiffusor bei den ersten Saisonrennen klar
im Vorteil waren, 2010 solch eine Situation wohl kaum wiederholen.
Die
relativ spät zu den Tests angetetenen Red Bulls von Sebastian Vettel und
Mark Webber geben ebenfalls noch keine echten Vergleichsdaten ab. Zwar konnten
hier und da und vor allem bei schlechten Witterungsverhältnissen ein paar
Bestmarken gesetzt werden, auf der anderen Seite hatten die RedBulls auf Grund
ihres späten Testeintritts noch mehr mit Kinderkrankheiten zu kämpfen
als ihre direkten Konkurrenten.
Wirklich nicht schlecht
aufgestellt zeigen sich bisher der Kleinere der Roten Bullen Torro Rosso mit
erstmals eigenkonstruiertem Wagen, sowie auch Force India, die sogar hier und
da an den Topzeiten der Favouriten kratzen konnten. Genau so wie Williams, die
im Moment zwischen Rundenbestzeiten und Ausrollen auf der Stecke
leistungsmäßig kaum einzuordnen sind.
Die Neuen in der
Formel Eins - Achtungserfolge und unwürdige
Schaumschlägereien
Natürlich schaute alles
auf das Debüt der Neueinsteiger Lotus und Virgin, die im Gegensatz zu
Campos und USF1 immerhin einen fahrbahren Boliden auf die Teststecke schicken
konnten. Während Virgin wegen einigen Hydraulikproblemen und magels
Ersatzteile viel Testzeiten in der Box verbringen musste, scheint der Lotus
zumindest in Punkto Zuverlässigkeit ein gutes Paket zu sein. Der Lotus
scheint im Vergleich zur Konkurenz ein wenig antiquiert und noch zu
schwergewichtig, um wirklich konkurrenzfähig zu sein, dafür hat er
seine Renndistamz wesentlich leichter über die Bühne gebracht, als
der Renner von Virgin, der wenn er mal läuft, verdammt schnell zu sein
scheint. Immerhin stehen diese beiden neuen Teams in der Startaufstellung und
auch die Ferrari-befeuerten Sauber, die immer noch als BMW-Sauber bezeichnet
werden.
Die Bestzeit von Barcelona holte Lewis Hamilton im
McLaren-Mercedes
In Barcelona sah es vom 25. - 28.02 schon
auf Grund des besseren Wetters schon etwas anders aus. Hier maßen sich
die meisten Teams besonders am finalen Testsonntag mit Qualifiing-Runden. Die
finale Barcelona-Bestzeit konnte Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) mit 1:20.472
aber nur knapp vor Mark Webber (RedBull) und Felipe Massa (Ferrari) aufbieten.
Überhaupt lagen McLaren, RedBull, Ferrari, Force India, Williams, Mercedes
uns Sauber am Ende inerhalb einer Sekunde. Lediglich Torro Rosso und Renault
haben sich entweder nicht auf Topzeiten konzentriert, oder konnten die Zeiten
nicht mitgehen. Im Duell der Formel1-Frischlinge konnte sich am Ende Lotus vor
Virgin Racing behaupten, welche noch immer von häufigen Hydraulikproblemen
heimgesucht worden sind.
McLaren, RedBull und Ferrari scheinen bestens
aufgstellt zu sein für die Saison 2010, aber auch Mercedes, Force India,
Williams und Sauber scheinen für die eine oder andere Überraschung
gut zu sein. Lotus und Virgin sehen ihr Formel1-Debut am 14.März wohl als
eine erweiterte Testfahrt an und müssen froh sein, die Zielflagge zu
sehen. Mehr wäre aber auch nicht realistisch für die Newcomer, die
dafür sogar Lob vom siebenfachen Weltmeister erhalten haben: "Ich finde
sie schlagen sich gut", betont Michael Schumacher. "Ich habe schon neue Teams
gesehen, die mehr als fünf, sechs Sekunden Rückstand hatten. Ihnen
fehlen vielleicht zwei oder drei Sekunden. Dafür, dass sie bei null
begonnen haben, machen sie das gut. Man darf ja nicht vergessen, dass das
Niveau so hoch ist, so professionell. Insofern muss man ihre Leistungen positiv
bewerten." Definitv wissen werden wir es wohl erst, wenn in es in der
Wüste zu Manama zur Sache geht, wer von all den 13 Teams am besten
vorbereitet in die neue Formel 1-Saision gehen wird und sich die wichtigen
Punkte in den ersten Rennen sichern kann.
Chaos bei Campos und das
Platzen des amerikanischen Traumes - Briefkastenfirmen ohne Reifen in
Lauerstellung
Wenn es denn 13 Teams sein werden, was eigentlich
stark zu bezweifeln ist. Denn bisher fehlt jedigweniges, glaubhaftes
Lebenszeichen von Campos und US F1, daß sie am 14. März ein
fahrbereites Fahrzeug in der Startaufstellung stehen haben werden. Bei Campos
wurde jetzt bekanntgegeben, daß der ehemalige Jordan- / Midland- /
Spyker- / Force India- und Audi LMP-Mastermind Colin Kolles die Aufgabe hat, in
den verbleibenden knappen drei Wochen das Team zu retten. Und bei USF1 hat
Teameigener Peter Windsor genau wie Geldgeber Chad Hurley (YouTube) das
sinkende Schiff bereits verlassen. Der verbleibende Teamchef Ken Anderson hat
indess die FIA gebeten, ihm Aufschub bis zum Antritt beim Großen Preis
von Spanien zu gewähren, also die ersten Rennen auszulassen. Derweil
wartet die nicht besonders glaubwürdige Truppe um den serbischen
Waffenschieber Stefanovic mit ehemaligen, angeblichen rennbereiten
Toyota-Chassis und einen bisher enttäuschenden japanischen
Toyota-Günstling und einem ehemaligen Formel1-Weltmeister als Fahrer auf
die Aufgabe einer der beiden Wackelkandidaten, um kurzfristig noch einen
Startplatz für die Saison 2010 zu erhalten.
Es war klar, daß nach dem Rückzug einiger Hersteller wie
Honda, Toyota und BMW es mit dem Einzug von neuen Teams einige
Verzögerungen geben könnte, aber dieses Spießrutenlaufen ist
der Königsklasse eigentlich nicht wirklich würdig. Mit BMW-Erbe Peter
Sauber, den man wegen amerikanischer und spanischer Schaumschläger so
lange auf eine Rennlizenz hat warten lassen, der recht respektvollen
Rückkehr von Lotus und den jungen Wilden von Virgin wäre mein Bedarf
an ernstzunehmenden Neuzugängen für die Saison 2010 eigentlich
gedeckt. Gerade Lotus und Virgin werden, bei aller Sympathie ihrer Leistung
bisher, alle Hände voll zu tun haben, um sich überhaupt für die
anstehenden Formel 1-Rennen zu qualifizieren und nicht nur als zusätzliche
Schikane und Rotphasenverursacher im Weg zu stehen. Wenn jetzt Colin Kolles
noch in den wenigen verbleibenden Tagen noch das schier unmögliche Wunder
vollbringen könnte, das eigentlich fertige, aber nicht bezahlte
Dallara-Chassis für Campos zu finanzieren und fahrbereit zu machen, einer
Rennmanschaft samt ihrer nötigen Logistik aufzustellen und dem bereits
verpflichteten Bruno Senna den von den gescheiterten Rennamateuren USF1
angekündigten Argentinier José-Maria Lopez an die Seite zu stellen,
wäre es dann eigentlich Zeit sich endlich auf eine interessante Formel
1-Saison einzustellen, die mit einem britischen Weltmeister-Duo bei McLaren,
einem wiedergekehrtem Silberpfeil mit dem siebenfachen Weltmeister Schumacher,
Alonso im Ferrari und weiterer spannender Race-Action entgegen zu fiebern. Wer
braucht da noch Gerüchte um Villeneuve in angeblichen Stefan GP, der weder
eine Startlizenz besitzt und deßhalb nicht mal über ein
Bridgestone-Reifenabkommen verfügt, aber angeblich schon Container zu den
ersten Übersee-Rennen verschickt hat? Ich frage mich, wie weltfremd ein
ehemaliger Formel1-Weltmeister sein kann, seine Hoffnungen in solch ein
fragwürdiges Unternehmen zu verschwenden. Die zum 25. Februar
angekündigte Präsentation und das Rollaut hat Stefan GP mittlerweile
mit der Begründung abgesagt, von Bridgestone keine Reifen erhalten zu
haben.
Die Tatsache, daß 20 Tage vor Saisonstart die
Startaufstellung noch nicht feststeht, ist an sich schon eine Blamage für
die FIA und die Königsklasse. Selbst Underdogs wie Minardi, Prost, Arrows,
Superaguri, Midland und co haben es in den vergangen Jahren zumindest immer
geschafft, rechtzeitig vor Ort zu sein. Die Finanzierung über eine
komplette Saison war zu Zeiten der übermächtigen Hersteller-Budget
natürlich eine andere Gesichte. Es ist schon sensationell, wie genau sich
die FIA-Fachleute um den damaligen FIA-Boss Max Mosley, sich die von der
Glaubwürdigkeit der neuen Teams überzeugt haben.
Glaubwürdigkeiten, die nun nach und nach wie eine Seifenblase platzen.
Aber wie heißt es so schön: "When the Flag drops, the
Bullshit stops..." See you in Bahrain!
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